Enge Verbindungen zwischen Österreich, Serbien und Bosnien-Herzegowina 

28. November 2014, 19:35
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Wien ist Zentrale von salafistischen Gruppierungen auf dem Balkan

Sarajevo/Wien - Der bosnische Hassprediger Bilal B., der bereits im September wegen Rekrutierungen für die Terrormiliz Islamischer Staaat in Bosnien-Herzegowina inhaftiert wurde und weiter unter Arrest steht, hat laut der Zeitung "Dnevni Avaz" Verbindungen zu jenem Mann, der am Freitag in Wien als einer von 13 mutmaßlichen Jihadisten festgenommen wurde: Mirsad O..

Die Heimat von O., Tutin im serbischen Sandschak, ist eine Kleinstadt ganz in der Nähe der kosovarischen Grenze. Aus dem Sandschak kommen verhältnismäßig viele Salafisten. So ist auch ein weiterer Wiener Prediger aus der Stadt Tutin. Sein Name ist Nedžad B., genannt wird er Ebu Muhammed. Der Sandschak ist eine konservative und patriarchale Region in Südserbien. Für manche Bosniaken, die in Serbien eine Minderheit darstellen, ist die Religion ihre primäre Identitätsquelle. Der Gruppenzusammenhalt ist besonders stark.

Die Wahhabiten aus dem Sandschak haben enge Verbindungen zu jenen in Bosnien-Herzegowina und zu jenen in Österreich. In Bosnien-Herzegowina befindet sich die zentrale Salafistengemeinde in Gornja Maoča, wo die bosnische Polizei regelmäßig Razzien durchführt. Praktisch alle wichtigen Figuren der Szene verbrachten eine Zeit in Gornja Maoča. Die Salafistengemeinde ist eng verbunden mit jener in Wien. Offenbar gibt es einen Zusammenhang zwischen der Razzia in Österreich und den Untersuchungen in Bosnien-Herzegowina, jedenfalls arbeiten die Sicherheitsbehörden und die Staatsanwaltschaft beider Staaten zusammen. Die Salafisten-Gemeinde in Wien gilt auch als Zentrale der salafistischen Gruppen auf dem Balkan, die strategisch, logistisch und finanziell aus Wien unterstützt werden.

Staatsanwaltschaft bestätigt Kooperation

Die bosnische Staatsanwaltschaft antwortete auf Anfrage des Standard zu den jüngsten Ereignissen: "Die Staatsanwaltschaft von Bosnien-Herzegowina und die Task Force für den Kampf gegen Terrorismus haben eine Zusammenarbeit mit den Behörden der Republik Österreich bei Untersuchungen und strafrechtlicher Verfolgung durchgeführt." Es handle sich um Straftaten, die mit Terrorismus in Zusammenhang stehen. "Diese Kooperation wurde mit Partnern von mehreren Ländern durchgeführt (...), weil diese Art der Straftaten in mehreren Ländern durchgeführt wurden." Die bosnische Staatsanwaltschaft betonte ihre "starke Unterstützung" für die Institutionen und Behörden in Österreich, um diese "umfassende Aktion im Kampf gegen den Terrorismus durchzuführen", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Boris Grubešić zum Standard. "Wir werden jede notwendige Hilfestellung zur Verfugung stellen, die von uns erbeten wird."

Schon zwei Razzien im Herbst

In Bosnien-Herzegowina gab es diesen Herbst bereits zwei großangelegte Razzien an vielen Orten. Der wichtigste Prediger, der festgenommen wurde, weil er für die Terrororganisation Islamischer Staat geworben hatte, ist Bilal B.. O. soll laut der bosnischen Zeitung "Dnevni Avaz" nicht nur enge Kontakte zu Bilal B. unterhalten haben, sondern zu einem zweiten einflussreichen Prediger namens Nusret I., der zwischen Wien und Bosnien-Herzegowina pendelt. O. tauchte demnach auch im Zusammenhang mit Untersuchungen im Fall von Mevlid J. auf, der 2011 die US-Botschaft in Sarajevo beschossen hatte und zuvor ebenfalls in Wien gewohnt hatte. Unter bosnischen Sicherheitsexperten hat es immer wieder für Verwunderung gesorgt, dass die österreichischen Behörden nicht eher durchgegriffen haben.

Die Salafisten-Gruppen berufen sich auf die sogenannte "Tafkir-Ideologie", die von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Bosnien-Herzegowina seit Jahren heftigst kritisiert wird. Takfir bedeutet die Anschuldigung gegenüber einem anderen Muslim, dieser sei vom Glauben abgefallen. Die Bezeichnung für jemanden, der "vom Glauben abgefallen ist" (also praktisch alle, die keine Salafisten sind), ist "kafir". (Adelheid Wölfl, Der Standard, 29.11.2014)

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