Bei St. Pauli liegen die Nerven blank

28. November 2014, 16:32
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Miese Stimmung im Freudenhaus: Hamburger wollten um Aufstieg mitspielen, nun droht der Absturz in die dritte Liga

Hamburg - Keine Punkte, miese Stimmung und ein Sportdirektor unter Beschuss: Beim FC St. Pauli zerrt der Abstiegskampf in der 2. Fußball-Bundesliga zunehmend an den Nerven. Im ehemaligen "Freudenhaus der Liga" ist das Klima vor der richtungweisenden Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern (Sonntag, 13.30 Uhr/Sky) hochexplosiv.

"Es geht für uns nicht darum, am Ende Platz sechs, neun oder zehn zu erreichen. Wir wollen am 34. Spieltag auf Platz 15 stehen und die Klasse halten", sagte Trainer Thomas Meggle: "Es geht nur noch darum und um nichts anderes."

Absturz auf vorletzten Platz

Nach fünf Spielen ohne Sieg und dem Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz rumort es bei den Kiezkickern. Selbst die sonst so treuen Fans fangen langsam an zu murren und sprechen den Spielern den nötigen Willen und Einsatz ab. Früher hätten sich "unsere Gegner vor Angst in die Hose geschissen, wenn sie bei uns antreten mussten. Heute freuen sie sich darüber, genießen unser Stadion und die schöne Atmosphäre", fasste Kult-Torjäger André Golke die kritische Lage zusammen.

Meggle, der Anfang September zum Nachfolger des glücklosen Roland Vrabec bestimmt wurde, steht als Klubidol im Gegensatz zu Sportchef Rachid Azzouzi noch nicht in der Kritik. Der 43-Jährige hat es erneut nicht geschafft, ein Team zusammenzustellen, das um den Aufstieg spielen kann. Selbst Meggle griff seinen Chef deshalb zuletzt öffentlich an. "Wir haben nullkommanull Homogenität", sagte der 39-Jährige, der sich mit seinem Treffer am 6. Februar 2002 gegen den FC Bayern als "Weltpokalsiegerbesieger" auf St. Pauli unsterblich gemacht hatte. "Immer dann, wenn wir ein homogenes, gewachsenes Team und einen Schlüsselspieler hatten", sei man erfolgreich gewesen.

Doch seit dem Bundesliga-Abstieg 2011 rennt St. Pauli nur noch den eigenen Ansprüchen hinterher. Im Moment steht der Kiezklub so schlecht da wie seit dem Regionalliga-Abstieg vor elf Jahren nicht mehr. Von der Beletage des deutschen Fußballs sind die Hamburger zurzeit so weit entfernt wie der Stadtrivale HSV von der Champions League. Trotzdem hält der neue Präsident Oke Göttlich noch an Azzouzi fest. "Einen neuen Sportchef zu holen, hätte keinen sportlichen Effekt", sagte der 38-Jährige der Hamburger Morgenpost: "Unser Anspruch ist es, Menschen, die angeschossen werden, den Rücken zu stärken." Doch gegen Kaiserslautern sind Azzouzi und Co. mehr denn je zum Siegen verdammt. (sid, 28.11.2014)

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