Nach Putins Knete kommt Putins Knute

Kolumne28. November 2014, 17:00
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Polit-Investitionen, die sich lohnen

Auslandsinvestitionen sind immer eine feine Sache. Wer wüsste das besser als Frank Stronach, der jahrelang Millionen seiner kanadischen Marie in seine Winner-Partie in Österreich veranlagt hat. Und das mit sagenhaftem Erfolg, weil Wirtschaftsleute einfach besser mit Geld umgehen können als Politiker. Wenn das Team Stronach so gekonnt weitermacht wie bisher, ist nicht mehr auszuschließen, dass es bei den nächsten Nationalratswahlen die Ein-Prozent-Marke mit Schallgeschwindigkeit durchstößt. Und zwar nach oben!

Ins Ausland investiert wird aber auch anderswo. Der russische Präsident Wladimir Putin, so hört man, hält mit generösen Kreditvergaben nicht nur den französischen Front National finanziell aus, sondern noch ein Schüppel anderer Parteien, die diese ganzen verdammten Araber, Türken, Schlitzaugen und Neger, die Europa überschwemmen, lieber gestern als heute im Mittelmeer versenken würden.

Dass die Crème de la Crème der europäischen Nazomaten, Faschomobilen, Hitlerophilen, Göring-Groupies, Himmler-Anhimmler, Hakenkreuz-Kuschler, Paintball-Artisten und sonstigen Rechtsträger auf Putins Payroll steht, ist politisch bezaubernd und eröffnet zudem kulturelle Hoffnungsperspektiven.

Harald Vilimsky könnte seinen notigen 8000-Euro-Job im verhassten EU-Parlament endlich an den Nagel hängen und stattdessen vor der Russischen Akademie der Wissenschaften über Gogol referieren. Hazee Strache hat sich seit langem als feinsinniger Dostojewski-Exeget einen Namen gemacht, und jede Wette, dass Martin Graf jedes Mal wieder ein Achtel abgeht, wenn der neueste Roman von Wladimir Sorokin herauskommt! Das Schönste an dieser Kooperationsachse ist aber doch die Aussicht auf ein brandneues Großreich von Westminster bis Wladiwostok, in dem nach Putins Knete auch Putins Knute herrscht.

Vielleicht ist dann für den einen oder anderen Blauen sogar ein nettes Pöstchen drin: Hubsi Gorbach als Großfürst, Dieter Böhmdorfer als Revisor und Barbara Rosenkranz als Zarin. Das wäre fast so geil wie damals die Regierungsbesetzung der schwarz-blauen Koalition. Bis es so weit ist, möchte der Krisenkolumnist lediglich noch um die Klärung der letzten offenen Fragen ersuchen: Hätte Johann Gudenus in Stalingrad eigentlich zu den Deutschen oder zu den Russen gehalten? (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 29./30.11.2014)

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