Der Stoff im Blut, der Raubtiere magisch anzieht

30. November 2014, 20:42
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Aromaforscher identifizieren ein Aldehyd, das für den unwiderstehlichen metallischen Geruch von Blut verantwortlich ist

Erlangen/Nürnberg - Nicht Biologen, sondern Aromaforscher waren es, die den Hintergrund eines aus der Tierwelt wohlbekannten Phänomens geklärt haben: Nämlich wie Raubtiere vom Geruch des Blutes, den wir als "metallisch" empfinden, angelockt werden. Das Ergebnis der Blutanalyse war überraschend, wie die Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) berichtet.

"Es gibt eine eindeutige Lockkomponente, die bei bestimmten Säugetieren das typische Jagdverhalten auslöst“, sagt die Lebensmittelchemikerin Andrea Büttner. Mit Hilfe von unterschiedlichen Gaschromatografen hat die FAU-Wissenschafterin Constanze Sharapa in Zusammenarbeit mit Forschern der schwedischen Universität Linköping analysiert, dass es sich um ein Aldehyd namens "trans-4,5-Epoxy-(E)-2-Decenal“ handelt, das den typisch metallischen Blutgeruch erzeugt, auf den die Fleischfresser reagieren.

Das Experiment

Für die Studie wurden Holzstöcke mit dem Aldehyd, mit Blut von Säugetieren sowie mit einer geruchsneutralen Substanz imprägniert und drei in einem Zoo lebenden Wildhundarten (darunter Afrikanische Wildhunde, siehe Bild) sowie Sibirischen Tigern zum Spiel hingeworfen. Während sich die Tiere für die geruchsneutrale Substanz kaum interessierten, waren die mit dem Aldehyd und mit dem Blut getränkten Holzstöcke deutlich attraktiver.

"Alle vier Spezies zeigten eine signifikant höhere Anzahl von Interaktionen mit den präparierten Holzstücken", sagt Andrea Büttner. Die Raubtiere schleckten an den Hölzern, bissen darauf herum, spielten damit oder bearbeiteten sie mit den Pfoten: Einen Unterschied zwischen den mit der chemischen Substanz und den mit Blut getränkten Holzstöcken machten sie nicht.

"Die Ergebnisse zeigen erstmals, dass eine einzelne Blutsubstanz bei Raubtieren ein ähnlich effizientes Verhalten hervorrufen kann wie der komplexe Geruch von Blut“, so Büttner, die auch auf die Möglichkeit hinweist, den tendenziell langweiligen Tag von Zootieren mit derart imprägnierten Spielzeugen etwas interessanter zu gestalten. (red, derStandard.at, 30. 11. 2014)

  • Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus) gehen zweimal pro Tag auf Jagd und weisen dabei eine sehr hohe Erfolgsquote auf - bis zu 90 Prozent. Dennoch gilt die Art als stark gefährdet.
    foto: reuters/phil noble

    Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus) gehen zweimal pro Tag auf Jagd und weisen dabei eine sehr hohe Erfolgsquote auf - bis zu 90 Prozent. Dennoch gilt die Art als stark gefährdet.

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