Vom Verschwinden

28. November 2014, 17:11
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Trugbilder und die Auslöschung von Ressourcen im Innsbrucker Kunstpavillon: "How to disappear completely"

Innsbruck - Das Verschwinden in der Kunst hat etwas Widersprüchliches, spricht das Bildhafte doch immer von etwas, das da ist. Bezeichnenderweise dient dem Kunstpavillon ein Songtitel als Ausstellungstitel: Radioheads How to disappear completely. Anleitungen zum Verschwinden darf man sich jedoch keine erwarten. Neben dem Ausloten des visuell Darstellbaren werden ziemlich konkrete Themen verhandelt.

Der Film All that is solid melts into air (2012/13) des Duos Mona Vatamanu und Florin Tudor zeigt in körnigen Aufnahmen eine apokalyptische Landschaft. Langsame Kamerabewegungen fangen Farbflächen und Strukturen ein. Es handelt sich um Rosia Montana, ein rumänisches Goldabbaugebiet. Durch den Einsatz chemischer Mittel weitgehend verseucht, verschwindet das Land und in weiterer Folge die Bewohner. Textlich begleiten die Bilder die biblische Apokalypse und politische Reden, die sich gegen einen ressourcenausbeuterischen Turbokapitalismus wenden.

In ihrer Performance Soon Everything Will Change (2014) thematisiert auch Joanna Rajkowska den Umgang mit Ressourcen. In einer Prozession wurde ein Rauchquarz zum Kunstpavillon getragen. Abgestellt auf einem Sockel wurde eine Skulptur, aber ebenso ein öffentlicher Ort des Austausches geschaffen.

Nicht Mineralien, sondern Bäume wecken in Susanne Bürners Video Leaves (2009) Assoziationen. Spannung entsteht durch kinematografische Mittel wie lange Sequenzen und Zeitlupenaufnahmen sowie die eindrückliche Tonebene, die aus dem Rauschen der Blätter komponiert ist. Diese Versatzstücke des Horrorfilms erzeugen Unsicherheit. Gefilmt wurde im Londoner Maryon Park, Tatort in Michelangelo Antonionis Meisterwerk Blow Up.

Verunsichernd wirkt auch Nadim Vardags spröde Installation aus Tischgestellen und Aluminiumplatten (2014), die ihrer ursprünglichen Funktion enthoben, degradiert und im Kunstwerk dann wieder aufgewertet sind. (Robert Gander, DER STANDARD, 29.11.2014)

  • Versatzstücke des Horrorfilms wendete Susanne Bürners im Video "Leaves" an.
    foto: susanne bürner, kunstpavillon

    Versatzstücke des Horrorfilms wendete Susanne Bürners im Video "Leaves" an.


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