Wenn ich König von Spanien wär ...

6. Jänner 2015, 08:50
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Helmi sagt es den Kindern immer wieder: "Augen auf, Ohren auf!" Das gilt auch beim Investieren

Man schrieb das Jahr 1997, es war Juli, und der Autor dieser Zeilen ließ sich auf Hawaii die glühende Sonne auf den Pelz brennen, als diese Meldung über die Ticker raste: Apple-Gründer Steve Jobs, der das Unternehmen nicht gerade in bestem Einvernehmen verlassen hatte, ist ins Unternehmen zurückgekehrt.

Es müssen die Sonne und der permanente Sprühregen gewesen sein oder gar die Überdosis an vergorenem Kokosnusssaft - jedenfalls hat der Autor nicht reagiert und kein einziges der Papiere gekauft. Die Apple-Aktie war zuvor träge bei 48 US-Cent pro Stück übers Börsenparkett gekrochen, man hatte der Computerschmiede eigentlich keine Chance mehr gegeben: Der unselige Newton, ein Produkt, das damals kaum jemand verstanden hat und das eigentlich ein PDA war, hatte die einstige Avantgarde der Computerbranche die letzten Cash-Reserven gekostet und sie an den Rand des Ruins gebracht. Innovationen von Rang kamen nicht mehr. Man wartete eigentlich nur mehr auf den Tod von Apple - oder ein Wunder.

230-Fache

Und genau das geschah mit der Rückkehr des Heilands aller Apfel-Aficionados, und es schlug sich schneller, als Sie "Waikiki" sagen könnten, auf den Kurs der Aktie nieder. Dieser schoss kurzfristig um 50 Prozent in die Höhe - und das war erst der Anfang. Einige Monate später hatte sich der Kurs bereits verdoppelt, heute liegt der Preis pro Aktie bei knapp 110 US-Dollar - eine Vervielfachung ums fast 230-Fache. Hätte der Autor seinerzeit nur 1000 Euro (oder 13.760,30 Schilling) in die damals verschrumpelten Apferln investiert, würden Sie dies hier erstens nicht lesen, weil zweitens die Taschen des Schreiberlings um 230.000 Euro schwerer wären und er wahrscheinlich auf irgendeiner Insel mit feinem Klima und der Endung -uba oder -cao weilte.

Was lernen wir daraus? Nun, erstens ist es auf Hawaii bei weitem nicht so toll, wie es die Werbung einen gerne glauben lassen möchte; zweitens wirklich in jeder Hinsicht ganz schlecht fürs Portemonnaie, und drittens lohnt es sich immer, die Augen und Ohren offenzuhalten, wenn es um das Geldanlegen geht. Denn Anlagechancen gibt es immer wieder; hier ein paar Beispiele.

Reife Früchte ernten

2006 ging die damals in der westlichen Welt weitgehend unbekannte Industrial and Commercial Bank of China, kurz ICBC, an die Börse. Die schlauen Burschen (und Mädels) von Goldman Sachs kauften sich um 2,58 Mrd. US-Dollar 4,9 Prozent des Unternehmens. Drei Jahre später begann das Kassemachen, und sie stießen 20 Prozent ihres Investments um 1,91 Mrd. US-Dollar ab. Ein Jahr später gab es für weitere 20 Prozent des Kuchens 2,25 Mrd. US-Dollar; seit damals wurden Anteile für weitere 1,1 Mrd. verkauft. Heute besitzen die Goldmänner noch immer 2,2 Prozent der ICBC und haben ihr Investment trotzdem verdreifacht. Sie hätten aber gar keine Milliarden zum Investieren, meinen Sie? Nun, das Ganze wäre auch schon mit einem Tausender in Euronen gegangen.

Der Ertrag scheint nicht besonders viel im Vergleich zu Apple? Stimmt, daher hier noch ein Beispiel aus den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts: 1997 kaufte eine Investmentfirma namens Benchmark für 6,7 Mio. US-Dollar Aktien des kaum bekannten Internet-Auktionshauses Ebay. Zwei Jahre später waren diese fünf Mrd. Dollar wert. Das veranlagte Kapital hatte sich versiebenhundertsechsundvierzigfacht und gilt als eine der besten Investmentstorys im ohnehin nicht langweiligen Silicon Valley.

Dort findet sich auch das nächste Anlageschaustück: 1999, als Pokemon noch cool war und Britney Spears ihr ... Baby One More Time trällerte, holten sich einige Investmentfirmen wie Sequoia und Kleiner Perkins - kleine Fische unter den Anlagehaien - für gerade einmal 25 Mio. US-Dollar ein Fünftel aller Google-Aktien. Im November 2008 war der Gesamtwert des Unternehmens von 125 Millionen auf satte 108 Milliarden US-Dollar gestiegen. Das entspricht einer Verachthundertdreiundsechzigfachung des eingesetzten Kapitals.

Facebook-Börsengang

Noch viel besser erging es einem US-amerikanischen Investor deutscher Herkunft namens Peter Thiel, Jahrgang 1967: Er legte 500.000 Dollar für einen Zehn-Prozent-Anteil einer Website auf den Tisch, die im Jahr 2005 kaum ein Mensch kannte. Sie hieß Facebook und war so etwas wie Myspace. Heute kennt Myspace kaum noch jemand, dafür ist Facebook an die 210 Milliarden US-Dollar wert. Das eingesetzte Vermögen von Thiel wäre bis heute um den Faktor 36.000 gestiegen; er verkaufte aber beim Facebook-Börsengang im Mai 2012 insgesamt 16,8 Millionen Facebook-Anteile im Wert von 640 Millionen US-Dollar. Nach dem Ende der Haltefrist für Investoren gab er weitere 20 Millionen Aktien für rund 400 Millionen US-Dollar ab, und so hat sich sein Einsatz "nur" ums Zweitausendachtzigfache gesteigert.

Und dann gibt es noch eine Geschichte, die ist wahrlich Geschichte: Der Wollwebersohn Christoph Kolumbus aus Genua - ja, Sie ahnen bereits, wohin die Reise geht - hatte die völlig absurde Idee, über die Westroute nach Indien zu gelangen, wo doch damals jeder im einfachen Volk wusste, dass man da bloß von der Scheibe runterfallen würde. Er erntete mit seiner wahnwitzigen Idee ringsum Gelächter, und so gab ihm niemand eine Chance, bis er mit seiner Idee im spanischen Königshaus vorstellig wurde. Eigentlich zwei Jahre lang vorstellig wurde, denn immer wieder verwehrte man ihm die erwünschte Ausstattung einer Expedition, obwohl inzwischen sogar der Papst die Kugelgestalt der Erde anerkannt hatte und das mit dem Runterfallen nicht mehr ganz so gesichert war. Die Portugiesen hatten vorher schon abgewinkt, weil der dortige König Johann II. die Distanz für nicht bewältigbar hielt und man eher auf ein Wasserbad für die Schiffe setzte als auf einen Goldregen.

An einen solchen glaubte aber das spanische Königspaar Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien schließlich doch und gab Kolumbus Schiffe und Männer. Wie die Sache ausgegangen ist, weiß heute jedes Kind. Auf der Investmentseite lässt sich bloß sagen: Für die erste Reise investierte das Königspaar etwa zwei Millionen Maravedís, das waren knapp 2500 Dukaten aus Gold zu je 3,44 Gramm Feingewicht; also rund 8,6 Kilogramm reines Gold (nach heutigem Wert rund 258.000 Euro) - nichts, verglichen mit dem nicht enden wollenden Fluss an Schätzen, der sich fast 300 Jahre lang über Spanien ergoss. Allein die Potosi-Mine brachte 8200 Tonnen Silber, die heute 3,2 Milliarden Euro wert wären. (Reinhard Krémer, Portfolio, DER STANDARD)

  • Die Apple-Aktie war zuvor bei 48 Cent übers Parkett gekrochen.
    illustration: david mathews

    Die Apple-Aktie war zuvor bei 48 Cent übers Parkett gekrochen.

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