Radeln im Lafnitztal: Wachtürme und Warmwasser

28. November 2014, 16:01
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Eine spätherbstliche Radtour durchs Lafnitztal mit drei Thermen zum Wärmen

Die heute recht unbedeutende Lafnitz war vom 11. Jahrhundert bis 1921 Grenzfluss zwischen Österreich und Ungarn. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts, als sich die Einfälle der ungarischen Kuruzzen mehrten, wurden im Lafnitztal neben Schanzen und Palisaden auch sogenannte Tschartaken - das sind hölzerne Wachtürme - zur Grenzsicherung errichtet.

Nachgebaute Tschartaken

Bei drohender Gefahr gaben die Wachposten einen Signalschuss ab, die nächsten Tschartaken taten dasselbe, sodass die Bevölkerung gewarnt war und in Ortschaften oder Burgen Schutz finden konnte. In der hier beschriebenen Fahrradtour können eine nachgebaute Tschartake und zwei Aussichtswarten besucht werden. Die Route beginnt in Bad Waltersdorf, führt kurz ins Burgenland und endet in Bad Blumau.

foto: andreas brudnjak
Das Bernerhaus

Der erste Höhepunkt dieser Tour ist das auf einer Anhöhe gelegene Bernerhaus. Errichten ließ es um 1850 die Familie Kottulinsky im Stil eines chinesischen Pavillons, eine bis heute einzigartige Architektur in der Steiermark. Seit 1994 wird das Bernerhaus als Gastwirtschaft genutzt, die allerdings von Mitte November bis Anfang April geschlossen bleibt.

foto: andreas brudnjak
Das Wasserschloss in Burgau

Die freie Fläche westlich des Berner Hauses bietet einen tollen Ausblick auf Bad Waltersdorf, auf den Kulm, den Masenberg und auf den Ringkogel. Weiter geht es über Neudau - mit seinem Wasserschloss - nach Burgau. Dort befindet sich ein weiteres, behutsam renoviertes, Wasserschloss mit gefülltem Wassergraben, das aber im Gegensatz zu Neudau zu besichtigen ist, da im Schlossturm das Gemeindeamt untergebracht wurde.

foto: andreas brudnjak
Im steirischen Burgau wurde eine Tschartake rekonstruiert. Die Verteidigungstürme stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Nicht weit von Burgau entfernt steht im burgenländischen Burgauberg eine Aussichtswarte, die dem örtlichen Hochbehälter für die Wasserspeicherung aufgesetzt wurde. Gestaltet wurde sie vom burgenländischen, international tätigen Künstler Andreas Lehner, der den vier Meter hohen, bestehenden Behälter als Bausubstanz nutzte. Der Ausblick von der in nur acht Meter Höhe gelegenen und 2004 eröffneten Aussichtsplattform ist überraschend gut. Hinweistafeln benennen die Aussichtspunkte im Panorama.

Therme oder Tschartake

Nun kann man von hier aus entweder einen Abstecher in die Therme Stegersbach machen, die nur fünf Kilometer entfernt ist, oder nach Burgau zurückradeln, um die anfangs erwähnte Tschartake zu besichtigen. Der Wehrturm befindet sich südöstlich von Burgau direkt an der Lafnitz. Es ist nur schwer vorstellbar, wie ein solches Gebäude den Verteidigern Schutz geboten haben soll, denn schon ein Brandpfeil hätte die Holzkonstruktion leicht entzünden können. Informationstafeln vor Ort geben Auskunft über den geschichtlichen Hintergrund der Tschartaken.

Von hier aus geht es über Feldwege - "Kuruzzenwanderweg" - nach Burgau und weiter nach Bad Blumau. Die 1997 von Friedensreich Hundertwasser gestaltete und im Dezember 2012 renovierte Therme bildet vor allem an kühleren Spätherbsttagen einen würdigen Abschluss dieser Tour. (Andreas Brudnjak, DER STANDARD, 29.11.2014)

karte: der standard

Die Route: Beim Bahnhof Bad Waltersdorf die Bahntrasse überqueren und links in den Bernauerweg einbiegen. Entlang der Bahn rund 900 Meter bis zur Landesstraße. Nach 1,2 km stetigen Anstieges führt bei Straßenkilometer 3,4 eine Schotterstraße zum Berner Haus - 2,5 km. Auf der Landesstraße nach Neudau und vor Burgau kurz auf der B57a Richtung Burgauberg. 300 Meter nach Überqueren der Lafnitz wendet sich die Bundestraße nach links, hier aber rechter Hand die alte Landesstraße bergauf nehmen, die nach 500 Metern in einen Höhenweg mündet und direkt zur Warte - schon vom Tal aus sichtbar - führt: insgesamt 12 Kilometer.

Zurück in Richtung Burgau und einen Kilometer lang die B57a nach Deutsch-Kaltenbrunn bis zum Sportplatz benützen - Hinweistafel, 2,5 km. Die Tschartake befindet sich am westlichen Ende des Sportplatzes direkt an der Lafnitz, ein wenig von Bäumen verdeckt. Von hier aus weiter über den erwähnten "Kuruzzenwanderweg" - bis nach Blumau und zum Ziel Bad Blumau, 8 km.

Alternativ kann kurz nach dem Bernerhaus von der Landesstraße rechts abzweigend der Radweg R12/B1-3 über Wagerberg direkt nach Burgau genommen werden. Weiters führt von Burgau der R12/B8 Radweg direkt über Kleinsteinbach nach Bad Blumau. In umgekehrter Richtung ist die Tour natürlich ebenso machbar, sollte man etwa die Therme in Bad Waltersdorf als Ziel des spätherbstlichen Radausflugs bevorzugen.

An- und Abreise: mit dem Zug: Bahnhöfe in Bad Waltersdorf und Bad Blumau; von Wien aus ohne Umsteigen 2 Stunden 20 Minuten, Zug hält bei BedarfStreckenlänge: rund 25 km, auf der alternativen Radwegroute via Burgau nur rund 16 km.Schwierigkeiten: einfach, nur zwei mäßige Anstiege

Einkehr: Gasthäuser in Bad Waltersdorf, Burgau und Bad Blumau

Thermen:

Bad Waltersdorf: www.heiltherme.at

Bad Blumau: www.blumau.com

Stegersbach: www.stegersbach.at/de/ erleben/therme

Karte: Kosmos Wander-Bikekarte 216 - Steirisches Thermenland 1:50.000

Literatur: Andreas Brudnjak: "Aussichtswartenführer für Wien, Niederösterreich und Burgenland" - Band 2, Kral-Verlag, 16,90 €

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