Kaum einer weiß, was Mobilität bringt 

29. November 2014, 15:06
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Auslandsentsendungen, auch kürzere, werden mehr. Laut aktueller PwC-Studie bis 2020 um 50 Prozent. Bemerkenswert, dass nur ein kleiner Bruchteil der Unternehmen weltweit weiß, was das kostet

Immer mehr Unternehmen entsenden immer mehr ihrer Mitarbeiter für immer unterschiedlichere Dauer ins Ausland. Zwischen Expat und Flexpat scheint sich mittlerweile ein großes Feld an Mobilitätsstrategien aufzuspannen. Folgt man der aktuellen Untersuchung des Beratungshauses PwC - "Modern Mobility" -, soll die Anzahl in globalen Auslandseinsätzen befindlicher Menschen bis 2020 sogar um 50 Prozent steigen.

Neun von zehn Organisationen beabsichtigen, die Zahl ihrer "global mobilen" Mitarbeiter in den nächsten zwei Jahren zu steigern. Befragt wurden 193 Führungskräfte aus 25 Ländern, die für "Global Mobility" in ihren Unternehmen zuständig sind.

Offenbar scheint die Zeit für Entsendungen in Wachstumsmärkte sowie für Rekrutierung und Weiterentwicklung "weltoffener Karrieristen" gut zu sein - so zumindest auch der Schluss von Angelika Hamberger, Human-Resources-Services bei PwC Österreich.

Was kostet die Welt?

Umso bemerkenswerter erscheint die Tatsache, dass nur ein geringer Teil der untersuchten Unternehmen wissen, wie es um die Kosten ihrer Mobilitätsprogramme respektive auch um einen entsprechenden Return on Investment steht. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern eine bereits länger gediente. Nach wie vor gehen Unternehmen von einer Win-win-Situation aus - ohne genauere Kosten-Nutzen-Rechnung.

Genauer gesagt können nur acht Prozent der befragten Unternehmen weltweit die Kosten ihrer Mobilitätsprogramme beziffern, lediglich neun Prozent die Investitionsrentabilität messen. Drei von zehn Organisationen können laut Studie nicht einmal sagen, wie viele Mitarbeiter pro Jahr im Ausland arbeiten.

Es fehlt der Überblick

Warnende Worte von Hamberger: "Viele Organisationen wird es langfristig teuer zu stehen kommen, dass sie weder die Kosten noch den Mehrwert dieser Programme strategisch messen." Zweckoptimismus reiche bald nicht mehr aus: Denn oft werde Geld einfach verschwendet, indem falsche Personen an falsche Orte entsandt werden.

Nicht selten werden Expats teuer bezahlt, obwohl es im entsprechenden Land ausreichend qualifizierte Leute gebe, oder umfangreiche Vergütungspakete angeboten, wo es letztlich nur um eine persönliche, weniger um eine berufliche Weiterentwicklung gehe.

So weit nur zu den Entsendungen - allein die Heimkehr von Expats gestaltet sich auch nicht wirklich besser. "Am Ende eines Auslandseinsatzes gehen vielen Unternehmen wertvolle Leute verloren, da sie keine Vorkehrungen für deren Rückkehr getroffen haben", so Hamberger kritisch.

Die Kluft zwischen der Mobilitätspolitik von Unternehmen und ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen klaffe gehörig auseinander. Diesbezüglich geben sich lediglich sechs Prozent der Unternehmen zuversichtlich, obengenannten Parameter in Balance zu halten oder unter Kontrolle zu haben.

Die Verwaltung der Auslandseinsätze werde nicht nur durch ihre steigende Zahl komplexer, sondern auch durch die variierende Dauer: Die Studienteilnehmer rechnen mit einem Plus von 85 Prozent bei kurzfristigen Auslandseinsätzen (bis zu einem Jahr). Und auch die Zahl der Geschäftsreisen soll wieder stärker steigen (um rund 57 Prozent).

Es wird mehr & komplexer

Geschäftsreisen seien nicht nur schwer zu verwalten, sie bergen auch Risken, so die Studienautoren weiter. Nur 17 Prozent geben an, Richtlinien, Prozesse und Kontrollen eingerichtet zu haben, mit denen Steuerthemen, Immigrations- und Compliance-Fragen in Zusammenhang mit Business Trips verwaltet werden können.

Eine weitere Mobilitätsform, mit der in naher Zukunft gerechnet werden könne, seien Austausche: Mehr als 20 Prozent der Befragten geben an, den Mitarbeiteraustausch zwischen zwei Ländern vorantreiben zu wollen. Hamberger zur Gesamtsituation: "Für Arbeitgeber ist diese Entwicklung vom langfristigen formalen Auslandseinsatz hin zu flexibleren Mobilitätsformen nicht immer ganz einfach. Es ist viel schwerer zu wissen, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind und was zu tun ist, um Compliance mit Steuer- und Immigrationsgesetzen sicherzustellen." Es brauche Ressourcen in Technologie und Infrastruktur. (DER STANDARD, 29./30.11.2014)

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