Schelhammer & Schattera vor ungewisser Zukunft

28. November 2014, 10:33
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Das mehrheitlich im Eigentum österrreichischer Ordensgemeinschaften stehende Bankhaus plant eine Neuausrichtung

Wien/Göttweig - Das im mehrheitlichen Eigentum der österreichischen Ordensgemeinschaften stehende Bankhaus Schelhammer & Schattera sieht weiterhin einer ungewissen Zukunft entgegen. "Es ist noch nicht absehbar, wie es weiter geht", sagte der Abt des Stiftes Göttweig, Columban Luser, bei einem Pressegespräch in Göttweig.

"Es besteht die klare Absicht, einen Partner zu suchen, und dieser Prozess ist noch immer im Laufen", so Abt Columban. Das Stift Göttweig ist direkt und indirekt über die Superiorenkonferenz Miteigentümer der Bank. Derzeit seien innerhalb der Superiorenkonferenz noch immer sehr viele Diskussionen über die Neuausrichtung im Laufen. Dabei werde auch die grundsätzliche Idee hinterfragt, an einer Bank beteiligt zu sein. "Das ist ein sehr offener Prozess", betonte der Abt. Sicher sei nur, dass die Superiorenkonferenz die Bank "nicht an irgendwen verscherbeln wird". "Der künftige Partner sollte schon die Werthaltung der Bank mittragen", meinte Abt Columban.

Schelhammer & Schattera steht über die "Communitas" Holding Gesellschaft m.b.H. mehrheitlich im Eigentum der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs. Das Benediktinerstift Göttweig und einige andere Stifte sind zusätzlich direkt beteiligt. Die Bank selbst ist unter anderem mit 5,3 Prozent an den Casinos Austria engagiert.

Kein Ende der Diskussionen absehbar

"Ein Ende der Diskussionen ist noch nicht absehbar", meinte auch Bank-Chef und Communitas-Geschäftsführer Michael Martinek. Die Bank selbst, die sich in den vergangenen Jahren immer stärker auf ethische und nachhaltige Investments spezialisiert hat, werde das laufende Geschäftsjahr wieder mit einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um die 8 Mio. Euro abschließen. In einem schwierigen Umfeld sei es gut gelungen auf der Ertragsseite eine leichte Steigerung zu erreichen. Diese werde allerdings von höheren Aufwendungen wieder verbraucht, so Martinek. Bis Ende Oktober legte das Fondsvolumen um ein Viertel auf 630 Mio. Euro zu. Die Fonds seien in den letzten drei Jahren deutlich über dem Markt gewachsen. Über die Fondsauswahl achtet ein neu zusammengesetzter Ethikbeirat. Die Hälfte der angebotenen Gelder seien schon ethisch-nachhaltig zertifiziert.

Auch Stift Göttweig hat momentan mit außerordentlichen Aufwendungen zu tun. Derzeit muss das Dach des zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Stiftes erneuert werden. Von den jährlichen Erträgen von rund 6 Mio. Euro seien für die kommenden sechs Jahre jährlich fix 500.000 Euro für die Dacherneuerung gebunden, betonte der Wirtschaftsdirektor des Stiftes, Gerhard Grabner. Das Stift bekommt dafür vom Land Niederösterreich 25 Prozent Subvention und - weil Weltkulturerbe - vom Bund 15 Prozent statt der üblichen 10 Prozent.

Das von der katholischen Kirche unabhängige Stift muss sich wirtschaftlich selbst erhalten. Einnahmen lukriert es aus der Forstwirtschaft (5.300 Hektar Wald), dem Weinbau (28 Hektar) und dem Tourismus. 100.000 Touristen besuchen jährlich das Stift. Weiters stehen moderne Veranstaltungsräume für Tagungen und Ausstellungen zur Verfügung. Für junge Menschen steht ein Jugendheim mit 70 Betten zur Verfügung, für Ruhesuchende ein Exerzitienhaus mit 35 Betten.

Schwarze Null als Ziel

Klares Ziel des Stiftes ist es, jedes Jahr eine schwarze Null zu schreiben. "Je nach Holzpreis geht es uns gut oder weniger gut. Wir wollen aber nicht reich werden", meinte der Abt. Gerne würde er auch wieder mehr Sozialprojekte machen. "Das geht im Moment aber nicht", bedauerte er.

Mit 130.000 Büchern verfügt das Stift auch über eine ansehnliche historische Bibliothek mit etwa 300 Handschriften aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Es beherbergt auch die größte Luther-Sammlung Österreichs. Die Bibliothek ist nicht öffentlich zugänglich, steht aber der Forschung zur Verfügung. Derzeit werden die Bestände restauriert und digitalisiert. "Die Restaurierung kostet viel, bringt aber nicht viel. Sie ist uns aber wichtig", meinte Abt Columban. (APA, 28.11.2014)

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