Was Philosophie dem Management bringt

4. Dezember 2014, 09:21
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Es geht nicht um den moralischen Spiegel oder gar um Handlungsempfehlungen, sondern um das Anreichern der Managementdisziplin um die Kultur des Nachdenkens

Management hat sich in unserer ökonomisierten Welt weitgehend als eigenständige Disziplin etabliert. Doch obwohl sie für viele Menschen zu jenen Disziplinen gehört, die es im Zusammenhang mit unternehmerischem Vorankommen unabdingbar zu beherrschen gilt, ist immer noch unklar, was Management ist, worum genau es dabei geht und auf welchen Grundannahmen es gebaut ist.

Kaum eine andere Disziplin ist derart stark von Strömungen, Ansichten, Schulen und theorieähnlichen Denkgebäuden durchdrungen. Auch wenn die zum Teil sehr unterschiedlichen Managementthesen seit Jahrzehnten gelehrt werden, scheint sich die Führung von Unternehmen im Wesentlichen an zwei Eckpunkten auszurichten: an Pragmatik und Lösungsorientierung.

Kultur des Nachdenkens

Doch nicht zuletzt die globalen Wirtschafts- und Geldkrisen der vergangenen Jahre legen eine Abkehr vom Diktat des Nutzens und dem Ideal der Lösungsorientierung als letztgültiger Maxime des Managementhandelns nahe. Es bedarf vielmehr einer Kultur des Nachdenkens, wollen wir unsere Unternehmen wirklich zu Orten machen, an denen soziale und ökologische Verantwortung mit ökonomischer Stabilität verschmilzt.

Typische Begriffe aus der Managementlehre wie "Mission", "Strategie", "Struktur" oder "Kultur" stehen dann ebenso auf dem Prüfstand wie die Fragen nach Verantwortung und Moral, der Verhältnismäßigkeit von Individuum und Kollektiv, der Bedingtheit des Menschen als solchen oder Fragen zu Handlungsfreiheit, Selbstbestimmung oder Gerechtigkeit. Eine Prüfung, die aber nicht auf der Grundlage klassischer Managementlehre erfolgen kann, denn das wäre gerade so, als ob sich der Prüfling die Fragen der Prüfung selbst stellen würde. Es braucht daher eine unparteiische Instanz, die aber dennoch über die notwendige Methodologie verfügt, um das Vorhaben der Kritik zu realisieren.

Gesamtbild des Wirklichen

Am besten scheint hierfür die Philosophie geeignet. In ihr bemüht man sich um ein logisch organisiertes Gesamtbild des Wirklichen, um ein Verständnis der Welt aus ersten Prinzipien heraus, um reflektierte Begrifflichkeit und Argumentation. Es wäre zwar ein Fehler zu glauben, dass die Philosophie die gestellten Fragen zu beantworten vermag, denn in den allermeisten Fällen lassen sich für philosophische Fragen keine eindeutigen Antworten finden. Doch gerade hierin liegt der Wert der philosophischen Betrachtung. Sie erlaubt es uns, neue Zugänge zu erproben, die andernorts, wo die Räume enger definiert und die Zeiten knapper bemessen sind, weder formuliert noch zugelassen werden.

Zweifelsfrei: Management ist wichtig, weshalb es auch in seinen Grundsätzen betrachtet werden soll. Diesem Gedanken gemäß halten wir es für gedeihlich, dem Management die Philosophie gegenüberzustellen. Dabei geht es aber weder darum, den handelnden Personen den moralischen Spiegel vorzuhalten, noch darum, Handlungsempfehlungen abzugeben. Das wäre nicht nur anmaßend, sondern auch unmöglich. Die Philosophie ist eine theoretische Angelegenheit, keine praktische. Es geht einzig und allein um eine Kultur des Nachdenkens. (DER STANDARD, 29./30.11.2014)


Nachdenken als eine Art der Öffnung einer praktischen Disziplin, die an Pragmatik und Lösungsansätzen ausgerichtet ist: dem Management die Philosophie gegenüberstellen.

Heinz Palasser und Bernd Wass betreiben die Privatakademie Academia Philosophia.

  • Nachdenken als eine Art der Öffnung einer praktischen Disziplin, die an Pragmatik und Lösungsansätzen ausgerichtet ist: dem Management die Philosophie gegenüberstellen.
    foto: reuters/jason lee

    Nachdenken als eine Art der Öffnung einer praktischen Disziplin, die an Pragmatik und Lösungsansätzen ausgerichtet ist: dem Management die Philosophie gegenüberstellen.

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