Street-Food: Gutes Essen liegt auf der Straße

28. November 2014, 15:26
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Am Karmelitermarkt wird diesen Samstag Paolo Castiglione einen Stand aufbauen, um Porchetta – den grandiosen Schweinsrollbraten mit Kruste – in Sandwiches zu säbeln.

Der Wiener gefällt sich in der Rolle des Weltstädters – dazu gehört aber, die Ansprüche an sich und seine Stadt entsprechend hoch zu schrauben. Auch bei der Imbisskultur. Manch Zugereistem mag die Reduktion auf Industrieware von Würstelstandler, Kebabschnitzler, Pizzaslicer oder Bratnudelschaufler als Erfüllung metropolitaner Heißhungerfantasien erscheinen – dem von Natur aus weltläufigen Wiener aber gereicht sie seit Jahren nur zu stiller Verachtung.

In jeder besseren Millionenstadt entwickeln sich vibrierende Street-Food-Szenen, selbst das lang als Nackerbatzl beschriebene Amerika hat die Vielfalt seiner Einwandererküchen längst zu einem kulturkulinarischen Teil seiner selbst zu machen verstanden — aber just die weltoffene Metropole Wien schafft es nicht, sein geschmackliches Potenzial an die nächste Straßenecke zu bringen? Das kann doch nicht sein!

Freßbegeisterte Jungunternehmer klagen an diesem Punkt der Diskussion über den behördlichen Spießrutenlauf. Marktamt, Arbeitsinspektorat, technische Verkehrsanlegenheiten, Stadtbildgestaltung und etliche mehr wollen in so einem Fall ihren Fuß in den Weg gestellt wissen (aber gewiss nicht ihr Handerl aufhalten, nein, wir sind ja nicht am Balkan!). Eine Besserung der Lage scheint aussichtslos.

Street-Food in Wien

Insofern muss man sich als wurstgeplagter Wiener freuen, dass wenigstens jetzt, im Wildwuchs der Punschhütten, die eine oder andere Streetfoodinitiative von Rang ihr zartes Pflänzchen ans Licht der Behördenwillkür reckt: Am Karmelitermarkt wird diesen Samstag Paolo Castiglione einen Stand aufbauen, um Porchetta – den grandiosen Schweinsrollbraten mit Kruste – in Sandwiches zu säbeln. Und kommenden Samstag steht Stephan Gruber von kaes.at am Yppenplatz, um Raclette nach echt Schweizer Art aufs Schwarzbrot zu schmelzen, während Michael Vesely vom Reisingers seine tollen Pulled-Pork-Sandwiches feilbieten wird. Na bitte, geht doch? Keineswegs: Dass derlei nur einmal im Jahr passieren darf, zeigt doch, wie viel im Argen liegt! (Severin Corti, DER STANDARD, 29./30.11.2014)

  • Castiglione schneidet seine Porchetta auf einem eigens angefertigten Bike in die Sandwiches – demnächst hoffentlich auf regelmäßiger Basis!
    foto: rendering/paul und ernst streetfood solutions

    Castiglione schneidet seine Porchetta auf einem eigens angefertigten Bike in die Sandwiches – demnächst hoffentlich auf regelmäßiger Basis!

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