Diese Opec ist so nötig wie ein Kropf

Kommentar27. November 2014, 17:48
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Ölkartell hat Marktentwicklung falsch eingeschätzt und sollte abgewickelt werden

Die Ölminister verstehen ihr Geschäft, zumindest das der Inszenierung: Hofhalten in Hotelzimmern, Gespräche hinter verschlossenen Türen, Spannungsaufbau. Zwischendurch Informationshäppchen-Streuen und - was für viele tatsächlich zählt - Baden im Scheinwerferlicht.

So gesehen war das jüngste Treffen der Ölminister aus den zwölf Opec-Ländern ein erfolgreiches. Aber eben nur, was die Garnitur betrifft. Schon lange nicht gab es bei einer Opec-Konferenz so einen Auftrieb, so viel Sendezeit im Fernsehen, so viel Platz in den Printmedien. Auch Russland mischte mit: Der Putin-Vertraute Igor Setschin, Chef des staatlichen Rosneft-Konzerns, versuchte im Vorfeld der Konferenz Gleichgesinnte im Ölkartell um sich zu sammeln und für Maßnahmen zu gewinnen, die den Ölpreis wieder nach Norden jagen könnten.

Zuletzt sind die Preise für Rohöl ausschließlich Richtung Süden marschiert, sprich sie sind stark gesunken. Um fast ein Drittel hat das schwarze Gold seit Sommer an Wert verloren. Die Opec trifft nicht die alleinige Schuld, aber ein gerüttelt Maß.

Es mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, höheren Ölpreisen nachzuweinen. Für die Konjunktur in Europa, das wirtschaftlich im Packeis gefangen scheint, sind tiefe Ölpreise ein unverhoffter, warmer Wind. Noch dazu, wo die Gaspreise mit ein paar Monaten Verzögerung in der Regel den Ölpreisen folgen. Europa ist noch immer stark abhängig von Öl- und Gasimporten. Je tiefer die Preise, desto kürzer die Energierechnung.

Auch für Autofahrer sind tiefere Rohölpreise verständlicherweise erste Wahl, auch wenn sich viele längst mit der Rolle als Melkkühe der Nation abgefunden haben. Eins zu eins hat ein Preisrückgang bei Rohöl zwar noch nie auf die Preise an der Zapfsäule durchgeschlagen, ein paar Cent je Liter sind aber allemal drin. Die Freude über niedrige Ölpreise könnte aber schon bald schmerzhafter Ernüchterung weichen.

Das Anzapfen neuer Lagerstätten wird nämlich immer teurer. Diverse Mineralölkonzerne, darunter die OMV, haben bereits angekündigt, bei den Investitionen auf die Bremse zu steigen. Die augenblickliche Ölschwemme könnte schon bald durch Ölknappheit abgelöst werden, gefolgt von einem Preissprung noch nicht gesehenen Ausmaßes nach oben. Genau das muss man der Opec ankreiden.

Das Ölkartell kann zwar nichts dafür, dass die Konjunktur in weiten Teilen der Welt lahmt. Das hat in Europa mit dem Turbosparen zu tun, in China mit dem Hineingleiten in eine weniger ölintensive Produktionsweise. Die Opec, selbstgefällig wie der Klub nun einmal ist, hat Entwicklungen verschlafen oder zumindest unterschätzt.

So geschehen etwa mit der Schieferölproduktion in den USA. Anfangs belächelt und als null Gefahr für den Weltölmarkt interpretiert, ist den Opec-Ministern das Lachen längst vergangen. Spätestens im Juni hätten sie bei ihrem letzten Treffen in Wien den Ölfluss drosseln müssen. Bei damals noch komfortabel hohen Ölpreisen war unter den Streithähnen aber keine Einigung möglich. Noch viel weniger Spielraum gab es jetzt, wo viele existenziell von den weniger sprudelnden Öleinnahmen abhängen wie von einem Stück Brot.

Damit stellt sich aber die Frage nach der Existenzberechtigung der Opec, die noch immer vorgibt, für Preisstabilität zu sorgen. So wie es jetzt agiert, ist das Ölkartell notwendig wie ein Kropf. (Günther Strobl, DER STANDARD, 28.11.2014)


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