Sarkozy vor Rückkehr an Parteispitze

28. November 2014, 09:00
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Frankreichs Expräsident sieht die UMP-Wahl am Samstag als ersten Schritt, um sich bei der Präsidentenwahl 2017 an seinen Gegnern zu rächen

Er kehrt zurück wie Napoleon von der Insel Elba - im Triumphzug durch Frankreich, dann im Handstreich nach Paris. Natürlich ätzt eine böse Zunge im Figaro, man wisse, wo das Ganze geendet habe (Waterloo). Doch Expräsident Nicolas Sarkozy zieht trotzdem durchs Land, hält in Provinzorten Meeting um Meeting ab.

Er ist wieder Kandidat. Noch nicht für das Amt des Staatschefs zwar - "das kommt später", versichert er seinen Fans. Doch fürs Erste bewirbt sich der Zampano mit den traurigen Augen und dem flotten Mundwerk nur um den Vorsitz der "Union für eine Volksbewegung" (UMP), das heißt der Rechtsopposition. Es ist dennoch der Auftakt zum großen Showdown von 2017, zum Remake mit Sarkozy, zur ultimativen Revanche an all jenen, die an jenem rabenschwarzen 6. Mai 2012 bei der Präsidentenwahl François Hollande, diesen biederen Normalbürger, ihm vorgezogen hatten.

Gegen zwei Zählkandidaten

Das Vorspiel ist im Grunde ein Formalakt. Sarkozy hat am Samstag Gegenkandidaten der zweiten Garnitur: den Polterer Hervé Mariton, der gegen die Homo-Ehe demonstriert; und den etwas sichtbareren Bruno Le Maire, der die affärengeschüttelte UMP erneuern will, aber außer seinen Profi-Kommunikatoren nicht viel Handfestes vorzuweisen hat.

Sarkozy werden 68 Prozent der Stimmen und so der Sieg im ersten Wahlgang vorhergesagt. Vollmundig kündigt er schon einen neuen Parteinamen und eine neue Organisation an. Bleiben wird aber der einzige Zweck der Partei - ihrem Chef eine Wahlmaschine zu bieten. Das tat sie für ihren Gründer Jacques Chirac und dann für Sarkozy, der 2004, auch damals drei Jahre vor der Präsidentenwahl, schon einmal mit 85 Prozent UMP-Chef geworden war.

Gegner halten sich zurück

Sarkozys Hauptgegner überlassen ihm das Feld. Allen voran Alain Juppé, Ex-Premierminister Chiracs, nun Bürgermeister von Bordeaux. Er erlebt im Alter von 69 Jahren dennoch einen politischen Frühling: Laut jüngsten Umfragen hat er die besten Chancen, 2017 nächster Staatspräsident zu werden. Denn Juppé ist lockerer geworden, versöhnlicher - so, wie die Franzosen das heutzutage gerne wollen.

Das zweite Schwergewicht, François Fillon, gibt sich kompromisslos rechts und wirtschaftsliberal. Er gilt, nach fünf Jahren als Premier unter Sarkozy, als dessen härtester Gegner: Fillon komplottierte offenbar sogar mit den Sozialisten, um Sarkozy die Wahlkampffinanzierungsaffäre Bygmalion der UMP anzuhängen.

"Die Präsidentschaftswahlen schon gewonnen"

Juppé wie Fillon glauben, dass der Parteivorsitz ein Hindernis auf dem Weg ins Élysée ist, und überlassen die UMP Sarkozy - Umfragen geben ihnen vorerst recht. Trotzdem ist es gefährlich für sie, die Geschicke der UMP ihrem Widersacher zu überlassen. "Er wird als Parteichef interne Vorwahlen veranstalten, bei denen er den Kreis der Abstimmenden auf den harten UMP-Kern eingrenzt, der Sarkozy treu ergeben ist", vermutet Politologe Dominique Moïsi.

Juppé und Fillon plädieren für Vorwahlen, an den sich auch Mittewähler beteiligen können. Wenn das Sarkozy verhindern kann, ist er fast am Ziel. "Gewinne ich die Vorwahlen in der UMP, werde ich mich bei den Präsidentschaftswahlen zusammen mit Marine Le Pen im zweiten Wahlgang vorfinden", soll er laut Canard Enchaîné prophezeit haben. Staatschef Hollande werden derzeit gegen keinen einzigen Rechtskandidaten Chancen eingeräumt; und Rechtsextremistin Le Pen müsste die Linke in der Stichwahl sogar Sarkozy vorziehen. "Die Präsidentschaftswahlen sind schon gewonnen", zitiert ihn Canard. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 28.11.2014)

  • Nicolas Sarkozy hofft mit einer Offensivstrategie gegegn innerparteiliche Gegner 2017 die Rückkehr ins Präsidentenamt zu schaffen.
    foto: reuters/philippe wojazer

    Nicolas Sarkozy hofft mit einer Offensivstrategie gegegn innerparteiliche Gegner 2017 die Rückkehr ins Präsidentenamt zu schaffen.

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