Anfragen bei Anlaufstelle gegen Diskriminierung steigen

27. November 2014, 17:30
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Stadt Salzburg will Mediationsstelle für Nachbarschaftskonflikte einrichten

Salzburg - Seit zwei Jahren gibt es in Salzburg die Antidiskriminierungsstelle - und der Bedarf an dem Beratungsangebot steigt: Im Vorjahr wurden 136 Fälle betreut, heuer von Jänner bis September bereits 152. "Diskriminierung geht uns alle an", betont Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SPÖ). "Auch wenn Behörden einen Menschen diskriminieren, so selbstkritisch müssen wir sein."

Diskriminierungen durch Ämter, Gerichte, Polizei oder Behörden sind auch die häufigsten Anliegen der Hilfesuchenden. Gefolgt von Ungleichbehandlungen in der Arbeitswelt und Benachteiligungen beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen sowie Nachbarschaftskonflikten. Für Letzteres will die Stadt nun nach Linzer Vorbild eine Mediationsstelle einrichten.

Problem Lehrstellensuche

Auch bei der Lehrstellensuche sei Diskriminierung ein strukturelles Problem, betont Josef Mautner von der Plattform für Menschenrechte, die Trägerorganisation der Anlaufstelle. "Ein ausländisch klingender Name reicht oft schon, um abgelehnt zu werden, selbst wenn es sich um einen in Salzburg geborenen Jugendlichen handelt, der perfekt Deutsch spricht", sagt Mautner. Junge muslimische Frauen mit Kopftuch hätten es noch schwerer.

Anja Hagenauer ist eine Verfechterin von anonymisierten Bewerbungsverfahren. "Damit haben sie eine Chance auf ein Bewerbungsgespräch." Ginge es nach der Vizebürgermeisterin, würde die Stadt nur noch anonymisierte Bewerbungen annehmen. Auch in der Arbeitsgruppe "Vielfalt in der Lehre" sei das besprochen worden. Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer halten davon aber wenig.

"Viele Anfragen von Menschen, die sich diskriminiert fühlen, sind nach dem Gleichstellungsgesetz keine Diskriminierung", erläutert Maria Sojer-Stani von der Plattform für Menschenrechte. Wenn etwa einem lesbischen Paar von einem Hausmeister gezielt das Leben schwergemacht werde, sei das rechtlich keine Diskriminierung. Sexuelle Orientierung sei nur am Arbeitsplatz gesetzlich geschützt, nicht im Privaten. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 28.11.2014)

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