Opec-Minister lassen die Ölpreise weiter fallen

27. November 2014, 16:12
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Die Ölproduktion wird nicht reduziert. Ein weiterer Verfall der Preise ist programmiert

Wien – Damit hatte im Vorfeld der Opec-Konferenz in Wien kaum jemand ernsthaft gerechnet: Die zwölf Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) werden weiter die Märkte mit billigem Öl fluten – zumindest bis Ende Juni 2015. Bei einem Treffen am Donnerstag wurde weder eine Kürzung der Förderquote beschlossen noch in Aussicht gestellt, dass die Überproduktion einiger Länder, vornehmlich von Saudi-Arabien, zurückgefahren wird. "Wir bleiben bei 30 Millionen Fass am Tag", sagte Opec-Generalsekretär Abdallah Salem El-Badri zum Abschluss des Meetings.

Was er nicht sagte: Dieser Beschluss wird nach Einschätzung der meisten Analysten die Ölpreise weiter nach unten jagen. Das Miteinander im Ölkartell selbst dürfte noch schwieriger werden, als es durch die bisherige Talfahrt der Rohölpreise bereits ist. "Da haben die Saudis zusammen mit den USA Regie geführt", sagte Johannes Benigni von JBC Energy dem STANDARD. Das Ziel sei klar: "Druck auf Russland und Iran machen, die noch tiefere Ölpreise kaum aushalten."

Glückliche Minister

Opec-Generalsekretär El-Badri, der selbst einmal Ölminister von Libyen war und in seiner langjährigen Berufslaufbahn im Ölbusiness manches Auf und Ab gesehen hat, verteidigte die Entscheidung der Minister. "Wir hatten die letzten vier Jahre gute Preise, jetzt sind sie gefallen. Wir sollten nicht überreagieren und sehen, wie der Markt reagiert. Meine Minister sind glücklich mit der Entscheidung, also bin ich es auch", sagte El-Badri.

Noch vor Bekanntwerden der Opec-Entscheidung, auch in den kommenden sechs Monaten wie gehabt 30 Mio. Fass am Tag (je 159 Liter) zu produzieren, haben die Ölpreise neuerlich nachgegeben. Der Preis der Nordseesorte Brent, die für die Märkte in Europa relevant ist, gab um gut einen Dollar auf 76,20 Dollar nach und fiel nach der Entscheidung weiter. Seit Juni haben die Ölpreise damit um knapp ein Drittel nachgegeben.

Länder wir Venezuela, Ecuador und Iran hatten sich für eine Kürzung der seit September 2011 unveränderten Förderobergrenze von 30 Millionen Fass starkgemacht – und sind unterlegen. Russland hatte sich im Vorfeld ebenfalls bemüht, Maßnahmen anzuregen, die eine Trendumkehr bei den Ölpreisen wahrscheinlich gemacht hätten. Dabei habe sich Russland aber mit der eigenen Glaubwürdigkeit schwergetan. Der Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, habe 2008 nach dem Einbruch der Ölpreise infolge des Finanzcrashs als damaliger russischer Vizepremier Zusagen gemacht, die Förderung zurückzunehmen. Das Gegenteil sei der Fall gewesen.

US-Schutz für Saudis

Nun dürfte offenbar die Politik die Oberhand in der Opec gewonnen haben und nicht das wirtschaftliche Kalkül. Saudi-Arabien ist das einzige Land innerhalb des Ölkartells, das seine Produktion stark zurücknehmen könnte. Wie wenige andere Länder verfügen die Saudis über ausreichend Geldreserven, um tiefe Preise längere Zeit durchzustehen. Als Gegenleistung für die Duldung noch tieferer Preise dürften sie den langfristigen Schutz der USA genießen, wird hinter vorgehaltener Hand vermutet.

Schon lange nicht war ein Treffen der Ölminister mit so viel Spannung erwartet worden. Mit gut 250 Akkreditierungen registrierte die Opec-Pressestelle einen dreifach höheren Andrang als bei Opec-Konferenzen in den vergangenen Jahren. Gewinner war auch Wiens Hotellerie und Gastronomie. Weil einige Ölminister, darunter Saudi-Arabiens Ali al-Naimi, bereits am Montag mit einem Tross von Beratern angereist waren, gab es insbesondere in den Fünf-Sterne-Hotels eine gute bis sehr gute Auslastung die ganze Woche über.

"Für Wien ist die Opec ein Jackpot. Der Werbewert der Fernsehbilder, die in die ganze Welt übertragen werden, ist enorm", sagte die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, dem STANDARD. (Günther Strobl, DER STANDARD, 28.11.2014)

  • Der Ölpreis ist seit Monaten auf Talfahrt.
    foto: ap

    Der Ölpreis ist seit Monaten auf Talfahrt.

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