Sexuelle Gewalt: "Präventionsvideo" betreibt Täter-Opfer-Umkehr

Video27. November 2014, 12:10
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Ein Kurzfilm gegen sexuelle Gewalt erklärt jungen Frauen: "Du kannst etwas dafür"

Ein kurzer Film, produziert von der ungarischen Polizei, macht das Verhalten von Frauen für Vergewaltigungen verantwortlich. Das Video zeigt drei junge Frauen, die sich für eine gemeinsame Partynacht zurechtmachen. Die Botschaft des Videos ist unmissverständlich: Junge Frauen würden durch Alkoholkonsum und ihre Kleidung sexuelle Gewalt provozieren. Das Video fasst diese Botschaft am Schluss auch in Worte: "Du kannst etwas dafür, du kannst etwas dagegen tun."

policehungary

Die ungarische Polizei kündigte an, dass der Film mit dem Titel "Selfie Klip" auch an Schulen gezeigt werden soll.

Das Video wurde von Frauenrechtsorganisationen heftig kritisiert, die auch einen offenen Brief an die ungarische Polizei richteten: Die Schuld an Gewaltverbrechen werde damit den Frauen zugeschoben, der Hass auf Frauen werde so geschürt, und Männer würden als triebgesteuerte potenzielle Gewaltverbrecher dargestellt.

Ungarische Frauen- und Bürgerrechtsorganisationen riefen die Polizei dazu auf, das Video sofort zurückzuziehen. Laut einem Bericht von "Spiegel Online" gab es darauf bisher weder von der Polizeiführung im südungarischen Kreis Baranya, in deren Auftrag das Video produziert wurde, noch von der ungarischen Landespolizeiführung eine Reaktion. (red, dieStandard.at, 27.11.2014)

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