Neugestaltung des Weltmuseums muss "redimensioniert" werden

27. November 2014, 11:35
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Kulturminister Ostermayer stimmte Plänen, die Erhöhung der Basisabgeltung bedeuten würden, nicht zu

Wien - Seit November hat das zum Kunsthistorischen Museum gehörende Weltmuseum aufgrund seiner Neugestaltung geschlossen. Kulturminister Josef Ostermayer hat den Plänen, die eine Erhöhung der Basisabgeltung nötig machen, nicht zugestimmt und verlangt eine Redimensionierung, berichtet Thomas Trenkler auf seinem Internet-Blog.

Sabine Haag, Direktorin des Kunsthistorischen Museums (KHM), bestätigte den Schritt, der den Mitarbeitern am Mittwoch mitgeteilt wurde, und relativiert die Meldung eines "Baustopps": "Die Entscheidung des Ministers bedeutet nicht 'Zurück an den Start', sondern einfach eine Redimensionierung des Projekts", beschwichtigt Haag. Bauarbeiten hätten bisher noch keine stattgefunden. Der Direktor des Weltmuseums, Steven Engelsman, war für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar. Bei der Vorstellung des Projekts vor rund einem Jahr hatte er betont, dass das neue Konzept den Architekten zwar zum Gewinn des Wettbewerbs verholfen habe, in Folge allerdings in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt "ein gemeinsamer Weg der Realisierungsmöglichkeiten gefunden werden" müsse.

Wiederöffenung für 2017 geplant

Der angestrebte Umbau nach Plänen des Architektenkonsortiums Ralph Appelbaum Associates und Gareth Hoskins Architects, der rund 27 Millionen Euro kosten wird, soll laut Haag dennoch zeitgerecht vonstattengehen, an der Wiedereröffnung im Jahr 2017 will man festhalten. Gestoßen habe sich der Minister laut der KHM-Direktorin an der durch den Umbau nötig werdenden Erhöhung der Basisabgeltung um einen - auf www.thomastrenkler.at genannten, von Haag jedoch nicht bestätigten - Betrag von 2,3 Mio. Euro pro Jahr. Paul Frey, der kaufmännische Direktor des KHM, hatte bereits im April 2013 den finanziellen Mehrbedarf für die künftige Bespielung mit rund 2 Mio. Euro beziffert. "Die nächsten drei Jahre wird aber keine Erhöhung der Basisabgeltung notwendig sein", versicherte er damals.

Die Redimensionierung soll laut Haag "rasch" erfolgen, "ohne, dass das Grundkonzept und bereits gesetzte Arbeitsschritte verloren gehen". "Im Sinne eines effizienten Arbeitens werden wir den Vorschlag so überarbeiten, dass es machbar ist." Es sei allen Beteiligten "immer klar" gewesen, "dass ein Projekt erst Hand und Fuß hat, wenn die Finanzierung steht und es eine offizielle Beauftragung gibt", so Haag.

Weitere Projekte

Im Rahmen der von Ostermayer geforderten "Redimensionierung" der Neugestaltung des Weltmuseums sollen nun auch weitere Projekte wie ein Haus der Geschichte oder der Tiefspeicher der Nationalbibliothek angedacht werden, wie ein Sprecher des Ministers gegenüber der APA sagte.

Beim Weltmuseum solle nun auch nochmals das inhaltliche Konzept hinterfragt werden "und Anknüpfungspunkte für andere Projekte, wie Tiefspeicher oder Haus der Geschichte" hergestellt werden. Im Rahmen der Neubewertung solle auch geprüft werden, "ob wirklich die gesamte Fläche von 9.400 Quadratmetern für das Völkerkunde/Weltmuseum benötigt wird, oder ob man bei einer entsprechenden Redimensionierung auch eines der anderen beiden Projekte umsetzen könnte."

Steven Engelsman, Direktor des Weltmuseums, bleibt unterdessen optimistisch. In den kommenden Wochen werde sich zeigen, "wieviele Quadratmeter wir abgeben müssen", so Engelsman. Er sei jedoch überzeugt, dass Ostermayer "auch will, dass Österreich diesen Ort der Begegnung von Menschen und Kulturen bekommt".

"Kulturpolitischer Wahnsinn"

Kritik an der nunmehrigen Entwicklung kommt vom Grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl: "Das Völkerkundemuseum soll ins Ausgedinge geschickt werden", warnte er am Mittwoch in einer Aussendung und brachte gar eine Schließung des Hauses ins Spiel. Diese "wäre kulturpolitischer Wahnsinn".

Heftige Kritik an der Redimensionierung übte auch der Kultur- und Sozialanthropologie Thomas Fillitz, Vorstandsmitglied im Freundesverein des Museums. "Ich finde, es ist ein Skandal. Es ist eine Visionslosigkeit, die sich hier wieder einmal manifestiert", so der Wissenschafter am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal.

Engelsman wiederum hat im Rahmen der bisherigen Gespräche "nicht gespürt, dass das Vorhaben an sich infrage gestellt worden wäre", wie er versichert. An persönliche Konsequenzen denkt der Museumsdirektor, der 2012 mit dem Auftrag angetreten war, das Museum neu zu positionieren sowie räumlich auszubauen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Im Jänner will er die Frage der Redimensionierung geklärt haben.

Die Kosten für den geplanten Umbau des Weltmuseums belaufen sich auf 27 Mio. Euro. Davon kommen 19 Mio. Euro aus dem Bundeskanzleramt, sechs Mio. Euro aus dem Wirtschaftsministerium und 2,5 Mio. Euro Eigenmittel aus dem Budget des Kunsthistorischen Museums. (APA, 27.11.2104)

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