Fitnessprämie: Generali rudert zurück

27. November 2014, 12:07
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Versicherungschef Thirring: Keine individuelle Prämienanpassung in der Krankenversicherung – Umstrittenes Produkt sei in Österreich unmöglich umzusetzen

Wien - Die Generali-Versicherung in Österreich wird den umstrittenen Tarif in der Krankenversicherung mit einer individuellen Prämie je nach persönlicher Fitness nicht einführen, sagte Generali-Österreich-Chef Peter Thirring am Donnerstag. Der Grund: Eine individuelle Prämie in der Krankenversicherung ist in Österreich verboten, die Prämie kann nur im Kollektiv angepasst werden.

Thirring versuchte zu beruhigen: Ausgangspunkt sei eine Kooperation der italienischen Generali mit einem südafrikanischen Versicherer gewesen. In Südafrika stamme der angesprochene Vitality-Tarif zwar von einem privaten Betreiber, aber Erstversicherer und entspreche unserer Sozialversicherung. Ob und wie dieser Tarif in Europa angewandt werde, sei noch zu prüfen. In Südafrika gebe es ganz andere regulatorische Voraussetzungen, das ergebe bei uns keinen Sinn, so Thirring. Daher sei es völlig unmöglich, dieses Produkt in Österreich umzusetzen. In der Kfz-Versicherung sei es mit dem Bonus/Malus-System etwas ganz anderes.

Keine Kontrolle

"Es entspricht nicht unserer Intention, den Lebensstil unserer Kunden zu kontrollieren, in keinster Weise", betonte Thirring. Man wolle nicht die Gesundheits- oder Fitnessdaten über das bisher Bekannte hinaus erheben.

Faktum sei, dass die privaten Krankenversicherer in Österreich keinen Kunden kündigen können. Bei Vertragsabschluss erfolge eine Gesundheitsüberprüfung, und das war es, das gelte seit Jahrzehnten. Sollte sich im Laufe der Jahre der Gesundheitszustand verschlechtern, habe das keine Auswirkung auf die Prämie, versicherte der Generali-Chef, weil die Prämie nur im Kollektiv und mit Zustimmung der Finanzmarktaufsicht angepasst werden könne. Selbstverständlich würden aber die Gesundheitsdaten via E-Card der Sozialversicherung gemeldet, diese wisse oft mehr über den Kunden als die privaten Versicherer.

Persönliche Daten

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte vergangene Woche über die geplante Einführung der umstrittenen Versicherung berichtet: Wer sich für eine Lebens- oder Krankenversicherung nach dem neuen Modell entscheide, solle der Generali regelmäßig Daten zum Lebensstil übermitteln. Über eine App sollten Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte gezählt und sportliche Aktivitäten erfasst werden. Auch eine gesunde Ernährung gehöre zu dem Paket. In einem ersten Schritt bekämen Versicherte mit gesundheitsbewusstem Lebenswandel Gutscheine für Reisen und das Fitnessstudio, im nächsten Schritt seien dann Rabatte bei den Versicherungsprämien möglich. "Damit stärken wir die Bindung zu unseren Kunden", sagte Generali-Chef Mario Greco dem Bericht zufolge vor Investoren. "Außerdem beeinflussen wir das Verhalten unserer Kunden, und gesündere Kunden sind besser für uns."

Thirring betonte, man wolle Zusatzbausteine zur bestehenden Krankenversicherung anbieten – etwa Beratung in Fitnessfragen oder über gesunde Ernährung. (Claudia Ruff, derStandard.at, 27.11.2014)

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