Wien macht Geld für den Wohnbau locker

27. November 2014, 10:23
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100 Millionen Euro für "Wohnbauinitiative", Sonderzuschuss für "Smart"-Programm - Häupl sieht kein Baulandproblem

Die Stadt Wien will ihr Wohnbauressort im kommenden Jahr mit 641 Millionen Euro dotieren – so steht es im Budget-Voranschlag, der in dieser Woche präsentiert wurde. Diese Summe soll also einerseits in neue Wohnhausanlagen fließen, außerdem sollen damit bestehende Häuser und Wohnungen saniert werden sowie in Form von Wohnbeihilfe an bedürftige Mieterinnen und Mieter ausbezahlt werden.

Im Neubau peilt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig für 2015, wie berichtet, Förderzusicherungen für rund 7.000 neue Wohneinheiten an. Für Sanierungen stehen 230 Millionen Euro bereit, womit rund 13.000 Wohneinheiten saniert werden können, so der Stadtrat. Davon sollen 55 Millionen in die Förderung von thermisch-energetischen Sanierungen fließen.

100 Millionen Euro für Wohnbauinitiative

Die 2011 ins Leben gerufene Wohnbauinitiative wird mit zusätzlichen 100 Millionen Euro an Darlehen ausgestattet, was die Schaffung von rund 1.800 Wohneinheiten ermöglichen soll. 2014 wurden im Rahmen der Initiative sechs Projekte mit 655 Wohneinheiten fertiggestellt. Die ersten 218 davon befinden sich im Ende Oktober übergebenen Projekt "Star22" von Bauträger Gesiba und den Architekten Huss Hawlik sowie Scheifinger+Partner (siehe Bilder). Die Gesamtbaukosten betrugen rund 30 Millionen Euro, die Stadt förderte mit günstigen Darlehen.

Weitere 3.488 Wohnungen mit 484 Millionen Euro an Gesamtbaukosten sind im Rahmen der Wohnbauinitiative derzeit in Bau, berichtete Ludwig. 2015 soll der Baustart für noch einmal 1.000 Wohnungen erfolgen.

Zuschuss für "Smart"-Wohnungen

Mit zusätzlichen Mitteln ausgestattet wird schließlich auch das "Smart"-Wohnungsprogramm der Stadt. Diese kompakt geplanten Wohnungen sollen maximal 7,50 Euro je Quadratmeter und Monat an Nettomiete kosten und dürfen auch bei den Eigenmitteln die Grenze von 60 Euro je Quadratmeter nicht überschreiten.

Aktuell sind mehr als 2.500 "smarte" Wohneinheiten in Bau oder Bauvorbereitung. Durch einen Zuschuss von 200 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche will Ludwig dieses Wohnungsprogramm weiter ausbauen.

Gemeinnützige erfreut

Erfreut über die zusätzlichen Mittel für den Wohnbau zeigte sich Karl Wurm, Obmann des Verbands Gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV). Die 100 Millionen Euro für die Wohnbauinitiative würden angesichts des starken Wachstums der Stadt gerade zur richtigen Zeit kommen, betonte er in einer Aussendung.

Einen "weiteren Schub" werde der Wiener Wohnbaumotor erhalten, "wenn, wie angekündigt, der 70-Millionen-Euro-Zweckzuschuss aus dem Bundessonderwohnbauprogramm in den Wohnbau fließt", so Wurm. Wien sei damit das einzige Bundesland, das die Bundeswohnbaumittel abruft. Auch die Stadt betont dies bei jeder Gelegenheit.

Platter sieht "Lex Wien"

Bezüglich des zunächst 276, später nur noch 180 Millionen Euro schweren Sonderwohnbauprogramms kritisierte übrigens Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in dieser Woche, dass es sich dabei aus seiner Sicht um eine "Lex Wien" handle. Die Bedingungen sehen bekanntlich vor, dass für die Inanspruchnahme der zusätzlichen Mittel in den Jahren 2013 und 2014 der Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2011 bei den Förderzusicherungen übertroffen werden müsse.

Für Wien sei es sehr einfach, dieses Geld abzuholen, weil hier im "Beobachtungszeitraum" verhältnismäßig wenig geförderter Wohnbau stattfand - das ist auch aus der Wohnbauwirtschaft zu hören. Tirol und die meisten anderen Bundesländer tun sich erheblich schwerer damit, den Durchschnitt zu übertreffen. Die Vergabekriterien müssten deshalb so geändert werden, dass neben der Bundeshauptstadt auch die anderen Bundesländer die Gelder abholen könnten, forderte Platter. Darauf habe man sich auch bei der Landeshauptleutekonferenz in der vergangenen Woche in Klagenfurt geeinigt. Wie berichtet, hatten auch die Finanzreferenten der Länder auf ihrem letzten Treffen einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Umkämpftes Bauland

Was die Baulandmobilisierung in Wien betrifft, setzt GBV-Obmann Wurm auch noch auf einen weiteren Schritt, leistbares Wohnen zu sichern: "Wenn es jetzt noch gelingt, die Bauordnungsnovelle zur Mobilisierung von Bauland zu vertretbaren Preisen intelligent einzusetzen, müsste auch eine Entspannung auf dem Wiener Grundstücksmarkt die Folge sein."

Der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr hatte unlängst eine mögliche Enteignung von Grundbesitzern als "Ultima Ratio" ins Spiel gebracht. "Und 'Ultima Ratio' bedeute nicht 'ultimative Forderung', sondern 'letzte Möglichkeit'", erteilte er in einer Fragestunde den Wiener Abgeordneten eine Auffrischung in Latein - und als letztmögliche Option bleibe er auch dabei. Der Grün-Mandatar verwies darauf, dass die gemeinnützigen Wohnbauträger immer wieder den Mangel an leistbarem Grund beklagten.

Auch Häupl gegen Enteignungen

Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sagte am Mittwoch im Gemeinderat, dass ihm diese Klagen noch nicht zu Ohren gekommen seien, und schloss Enteignungen - wie zuvor auch Ludwig - dezidiert aus. "Zur Stunde gibt es keinen Anlass für eine Enteignungsdiskussion", betonte das Stadtoberhaupt.

Grund und Boden sei in der Stadt in hinreichendem Ausmaß vorhanden - auch dank "Recyclings" von Industrieflächen oder Verdichtungen in bereits verbautem Gebiet. Natürlich gebe es Areale, wo Flächen so teuer seien, dass sie sich für sozialen Wohnbau nicht eignen. "Aber ein Zentralproblem für den Wohnbau in dieser Stadt ist das nicht", versicherte der Bürgermeister. (red/APA, derStandard.at, 27.11.2014)

  • Erstes Projekt aus der Wohnbauinitiative: "Star22" in Wien-Donaustadt.
    foto: image industry

    Erstes Projekt aus der Wohnbauinitiative: "Star22" in Wien-Donaustadt.

  • Am Areal des ehemaligen Waagner-Biro-Geländes entstanden 218 Wohnungen, geplant haben Huss Hawlik Architekten ZT und Scheifinger+Partner ZT.
    foto: image industry

    Am Areal des ehemaligen Waagner-Biro-Geländes entstanden 218 Wohnungen, geplant haben Huss Hawlik Architekten ZT und Scheifinger+Partner ZT.

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