Spar-Chef Drexel: Mächtige Kampfmaschine mit Schrammen

Kopf des Tages27. November 2014, 07:00
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Der Konzern von Spar-Chef Gerhard Drexel bekam drei Millionen Euro Bußgeld für Preisabsprachen aufgebrummt

Konflikte hat Gerhard Drexel noch nie gescheut, und wenn er dafür ein juristisches Feuerwerk zünden muss. Der Spar-Chef gilt in der Handelsbranche als Kampfmaschine, die ständig unter Strom steht. Wegbegleiter loben seine hohe Intelligenz und Bildung, nennen ihn jedoch zugleich einen Teflonmanager - einen, der die Welt in Gut und Böse teile und an dem Argumente wie Kritik spurlos abperlten.

Drexel zeichnet von sich selbst gern das Bild des Robin Hood. Seine Feinde sind multinationale Industriekonzerne, die er ihre Marktmacht missbrauchen sieht. Für Pragmatismus ist da kein Platz. Gehe es darum, seinen Willen durchzuboxen, setze Drexel alle Hebel in Bewegung, erzählen Geschäftspartner. Dass sich der Vorarlberger nach Vorwürfen rund um unerlaubte Preisabsprachen als Einziger der Branche mit der Wettbewerbsbehörde anlegte, wundert hier keinen.

Drexel ist in einer Kultur des Wettbewerbs groß geworden. Drei Familien - Poppmeier, Reisch und Drexel - haben Spar zu einem der mächtigsten österreichischen Konzerne gemacht. Sie kontrollieren 13 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen in In- und Ausland 77.000 Mitarbeiter. Drexel steht seit 2001 an der Konzernspitze, an der es gilt, Machtverhältnisse unter drei dominanten und zahlreichen Familien mit Kleinanteilen in Balance zu halten. Selbstbewusst und raumgreifend werde da agiert, in einer Welt, die das Ich großschreibt, erzählen Beobachter.

Nach außen hin prägen Duelle mit dem Rivalen Rewe das tägliche Geschäft. Um deren Einstieg bei Adeg zu bremsen, zog Drexel einst bis vor die EU-Gerichte.

Aufgewachsen ist der 59-Jährige in Dornbirn, in St. Gallen studierte er BWL, in Innsbruck promovierte er. 1990 stieg er in den Spar-Vorstand in Salzburg ein, nebenbei lehrte er an den Unis von St. Gallen und Innsbruck.

Für Homestorys gab sich der Vater von fünf Kindern, zwei aus zweiter Ehe, nie her. Sein Privatleben blieb privat. Als bescheiden beschreiben ihn Mitarbeiter, als einen, der sich auf Augenhöhe gebe, sich die Namen von Lehrlingen ebenso merke wie die von Putzfrauen. Um Höflichkeit zu erfahren, müsse man schon sehr gute Karten haben, sagen Marktkollegen und klagen über komplizierte Verhandlungen, bei denen bis zum letzten Cent gerungen werde. Den Konzern führe er akribisch hart mit Hang zur Selbstaufgabe. Botschaften nach außen blieben stets glatt und juristisch für sicher befunden. Kratzer hasst er, meinen Konzernkenner. Das Bußgeld dürfte, so gering es ist, schmerzen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 27.11.2014)

  • Gerhard Drexel muss Strafe zahlen.
    foto: apa/herbert neubauer

    Gerhard Drexel muss Strafe zahlen.

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