"Lokaler": Vom Datenbunker auf die Karte

Userartikel27. November 2014, 12:26
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Mit seiner Kartensoftware will Lorenz Matzat traditionellen Verlagen dabei helfen, ihre digitalen Schätze, die derzeit in Datenbanken gefangen sind, profitbringend sichtbar zu machen - "Go Berlin" steht unmittelbar vor dem Launch

Lorenz Matzat hilft, Datenschätze zu heben. "Im journalistischen Alltag fallen so viele Daten an, die gar nicht verwendet werden und in der Schublade landen", erzählt er. Matzat ist Datenjournalist, seit es diesen Beruf gibt. Mit dem Thema Datenvisualisierung hat er sich noch länger beschäftigt. Bereits im Jahr 2010 stieg er mit dem Unternehmen OpenDataCity in eine damals noch weitgehend unbekannte Branche ein. Gemeinsam mit Marco Maas, seinem Gründerkollegen, wollte er mit Daten auf ganz neue Art journalistische Geschichten erzählen.

Die Unzufriedenheit sei ausschlaggebend für diesen Schritt gewesen, sagt Matzat heute. Die Unzufriedenheit über das nicht ausgeschöpfte Potenzial, das hinter all den Datenschätzen steckt, die zum Teil in den Verlagen gebunkert sind, zum Teil aber als "open data" auch frei öffentlich verfügbar sind. So entstand beispielsweise der Zugmonitor für die "Süddeutsche Zeitung", der Verspätungen der Deutschen Bahn in Echtzeit darstellte. Für "Die Zeit" entwickelte er eine preisgekrönte Visualisierung der Datenspuren, die der deutsche Grünabgeordnete Malte Spitz mit seinem Mobiltelefon über sechs Monate hinterlassen hatte.

Geo-Medien - das "nächste große Ding"

Vor knapp einem Jahr verließ Lorenz Matzat OpenDataCity, um sich auf sein neues Unternehmen "Lokaler" zu konzentrieren. "Lokaler" ermöglicht interaktive Anwendungen, die sämtliche Daten eines Unternehmens, die einen Geo-Bezug aufweisen, auf digitalen Karten darzustellt. Dass Geo-Medien das "nächste große Ding" sein könnten, zeigen Anwendungen wie Foursquare, Swarm oder Facebook Places.

Alles auf eine Karte

Der Vorteil von Geo-Visualisierungen? Das Informationsangebot auf vielen Webseiten sei riesig, meint Matzat, dementsprechend groß der Zeitaufwand, um die gewünschten Informationen zu finden. Der simple Matzatsche Lösungsansatz: "Lokaler" macht die Karte statt der Website zum Einstiegspunkt für die Suche. Das Unternehmen entwickelte eine Software, "Agi Mapware", die in der Lage ist, aus sämtlichen Datenbanken, Kalendern, E-Mails und Dokumenten, die sich auf den Rechnern eines Unternehmens befinden, halbautomatisch Informationen mit Ortsbezug zu filtern und diese auf einer einzigen Karte anzuzeigen. "Mich störte am bestehenden Kartenangebot, dass Karten meist nur ein Problem lösen. Ich dachte, dass es schön wäre, wenn auf einer einzigen Karte alle Informationen dargestellt werden."

Interaktiver Plan für Stadt und Land

Die erste große Anwendung von "Lokaler" steht nun unmittelbar vor dem Launch. "Go-Berlin" haben Matzat und seine Kollegen für die Berliner Stadtmagazine "Tip" und "Zitty" konzipiert. Die bereits verfügbare Alphaversion zeigt auf einem interaktiven Berlin-Stadtplan Servicedaten aus den Bereichen Gastronomie, Freizeit oder Musikveranstaltungen an. In etwa einem Monat soll laut Matzat die noch ausgefeiltere Betaversion online gehen. Sie zeigt dem Berlin-Besucher, was rund um ihn stattfindet, lässt ihn mit wenigen Klicks das nächste Kino oder vietnamesische Restaurant finden und liefert prompt auch die Bewertung dazu. "Lokaler" lässt sich übrigens auch in Lokalredaktionen einsetzen. Die "Mittelbayerische Zeitung" profitiert bereits vom "Lokaler"-Know-how: Ihre Karte visualisiert neben Freizeitangeboten auch aktuelle, lokale Nachrichten. (David Baumgartner, derStandard.at, 27.11.2014)

David Baumgartner (@davidbaumi) ist Student an der FH Joanneum Graz.

Der Text entstand im Zuge einer kollektiven Recherche der Journalismus-Studierenden der FH Joanneum an Orten journalistischer Innovation in Berlin.

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Weitere Texte und Videos: medium.com/beta-journalism

Im Text erwähnte Visualisierungen:

  • Datenjournalist und Unternehmer: Lorenz Matzat
    foto: stephanie schiller

    Datenjournalist und Unternehmer: Lorenz Matzat

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