Nicht von dieser Welt

Kommentar27. November 2014, 08:44
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Das "Goldene Brett" für Xavier Naidoo zeigt: Kritisches Denken hat eine politische Dimension

Der 2011 von der Gesellschaft für Kritisches Denken ins Leben gerufene Preis "Das Goldene Brett vorm Kopf" dient der Auszeichnung besonderes dreister pseudowissenschaftlicher "Leistungen". Spätestens mit der diesjährigen Verleihung hat der Satirepreis eine politische Komponente erreicht.

Verstanden sich die bisherigen Preisträger selbst als mehr oder weniger im wissenschaftlichen Bereich tätig, schert der Laureat 2014 aus der Reihe aus: Xavier Naidoo ist im Hauptberuf Sänger, er verdient sein Geld daher im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht mit der Verbreitung antiwissenschaftlichen Unsinns. Doch trotzdem ist er ein würdiger Preisträger: Naidoo vertritt in der Öffentlichkeit ein ganzes Bündel an Verschwörungstheorien. Er stellt sich auf die Bühne der "Reichsbürgerbewegung", die die Legitimität der deutschen Bundesregierung zugunsten einer selbsternannten "Reichsregierung" leugnet und tritt, als Deutscher mit indischen und südafrikanischen Wurzeln, vor Neonazis auf.

Mit seiner Popularität wirkt er als Multiplikator für die kruden Ideen, die er vertritt. Mit seiner seichten Musik und Texten voller religiösem Pathos erreicht Naidoo Millionen. Manche Fans werden vermutlich seinen antidemokratischen, nationalistischen Verschwörungstheorien offen und unkritisch gegenüberstehen. Darin besteht die Gefahr in Naidoos Handeln und darum ist die Verleihung des "Goldenen Bretts" verdient, wenn auch ungewöhnlich.

Mit dem Preis für das Lebenswerk wird dieses Jahr in die selbe Kerbe geschlagen: Jochen Kopp verbreitet in seinem "Kopp-Verlag" zahllose Bücher voller unwissenschaftlichem Nonsense als "Sachbücher": Von Alternativmedizin über Ufos und Chemtrails bis hin zu antisemitischen Verschwörungstheorien über den Unfalltod Jörg Haiders und wirren Spekulationen über die Anschläge von 11. September wird jeder nur erdenkliche Schwachsinn publiziert.

Die Skeptikerbewegung setzt mit den diesjährigen Laureaten ein klares Zeichen: Kritisches Denken beschränkt sich nicht nur auf wissenschaftliches Arbeiten, sondern hat auch eine politische Komponente. Die ist bei Themen wie Homöopathie und Impfgegnern zwar nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich, trotzdem ist sie ein zentraler Aspekt bei der Kritik an den diversen esoterischen Trends unserer Zeit. Mit gutem Grund, denn Esoterik ist mit ideologischen und religiösen Elementen vermischt, die Auseinandersetzung damit bedingt also auch, politische Statements zu setzen.

Aus diesem Grund kann sich Naidoo nun neben die Goldene Stimmgabel und die Goldene Kamera auch das Goldene Brett in die Vitrine stellen. (Michael Vosatka, derStandard.at, 27.11.2014)

  • Xavier Naidoo hält sich selbst für einen "Systemkritiker".
    foto: apa/epa/pedersen

    Xavier Naidoo hält sich selbst für einen "Systemkritiker".

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