SP verliert Zugpferd im Kampf um Jungwähler

26. November 2014, 17:24
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Der 31-jährige Gemeinderat Christoph Peschek legt seine politischen Funktionen zurück. Mitbewerber wittern bereits ihre Chance auf Platz eins bei den Jungwählern

Wien - Er galt als Zukunftshoffnung der Wiener SPÖ, seine Aufgabe war es, Jungwähler von den Positionen der Roten zu überzeugen. Als Gewerkschaftsvertreter und Lehrlingssprecher bezeichnete sich Christoph Peschek als glaubwürdiger Gegenentwurf zu FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache: "Der Strache tut so, als wäre er jung, ich bin es."

Umso überraschender kam am Mittwoch die Nachricht im Kurier, dass der 31-Jährige alle politischen Funktionen zurücklegen werde. Statt Gemeinderat soll Peschek nun Manager beim Fußballverein SK Rapid Wien werden. Seinen Abschied aus der Politik wollten am Mittwoch weder er noch der Rathausklub bestätigen.

Wenig wirtschaftliche Expertise

Auch beim SK Rapid gab es vor der Hauptversammlung, die am Donnerstag stattfindet, keinen offiziellen Kommentar. Laut Insidern wird Peschek aber zum "Geschäftsführer Wirtschaft" berufen. Peschek soll sich nach Informationen des Standard gegen rund 100 Bewerber durchgesetzt haben. Das Hearing der fünf besten Kandidaten wurde von externen Personalberatern begleitet.

Hinter vorgehaltener Hand gibt es leise Kritik an der Entscheidung: Peschek, ein gelernter Bürokaufmann, bringe wenig wirtschaftliche Expertise mit. Der leidenschaftliche Rapid-Fan, seit November 2013 ehrenamtlicher Vizepräsident, wird aus dem Präsidium ausscheiden und dann ins operative Geschäft wechseln.

Platz eins bei Jungwählern

Der SPÖ geht nun im Jahr vor der Wien-Wahl ihr Zugpferd beim Jungwählerstimmenfang abhanden. In einer Sora-Umfrage unter 1000 Wienern zwischen 16 und 20 Jahren kam die SPÖ bei der Wahl 2010 noch auf 46 Prozent, FPÖ (21) und Grüne (20) lagen fast gleichauf - und die ÖVP erreichte nur zwölf Prozent. Um die Vormachtstellung unter den Jungwählern aufrechtzuerhalten, setzt die SPÖ nun auf die 24-jährige Floridsdorferin und Chefin der Sozialistischen Jugend in Wien, Marina Hanke.

"Leistbares Wohnen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und mehr Freiräumen für Jugendliche" sind laut Hanke zentrale Themen im Wahlkampf 2015. Ihr Ziel ist der Einzug in den Gemeinderat. Doch die Grünen gehen mit einer Kampfansage ins Rennen um die Jungwählerstimmen. "Wir wollen in diesem Segment Platz eins belegen", sagt Georg Prack (31), Landessprecher der Grünen, zum STANDARD. Neben leistbarem Wohnen nennt er mit der "Baustelle Bildung" ein zweites zentrales Thema.

Der Bildungspolitik will sich auch die FPÖ widmen. Jugendkandidat Dominik Nepp (32) sorgt sich vor allem um mangelnde Deutschkenntnisse vor Schuleintritt. Auf dem Programm stehen auch Discotouren und "Standaktionen", etwa auf dem Schwedenplatz.

"Nicht ein Leben lang Politiker sein"

Pescheks Abschied aus der Politik kommentieren die Politiker unterschiedlich. Während Nepp bedauert, dass die SPÖ nach Laura Rudas ein weiteres Talent ziehen lässt, begrüßt Prack, der neben seiner politischen Funktion als Sozialarbeiter tätig ist, Pescheks Ausscheiden: "Man sollte nicht sein Leben lang nur Politiker gewesen sein." (David Krutzler, Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 27.11.2014)

  • Christoph Peschek (re. oben) hat genug vom Politikerdasein. Nun soll Marina Hanke (li. unten) für die SP um Jungwähler buhlen. Auch Georg Prack (Grüne, li. oben) und Dominik Nepp (FP) mischen mit.
    fotos: grüne, corn, sj, fp; bildbearbeitung: beigelbeck

    Christoph Peschek (re. oben) hat genug vom Politikerdasein. Nun soll Marina Hanke (li. unten) für die SP um Jungwähler buhlen. Auch Georg Prack (Grüne, li. oben) und Dominik Nepp (FP) mischen mit.

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