Nach- und Vorträge zum Laufen bei Kälte und im nächsten Jahr

Blog27. November 2014, 05:30
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Das mit der Kälte ist wohl noch nicht ganz durchdiskutiert. Auch, weil das, was beim Laufen normal scheint, aus der Parkbankperspektive geistesgestört wirkt. Die Pläne für 2015 sind jedenfalls schon recht konkret

In Sachen "Laufen bei Kälte" hatte Carola Bendl-Tschiedel da noch eine Anmerkung. Nichtläufern, so die (unter anderem) Wiener Halbmarathon- und Marathon-Läuferin, könne man nämlich ein paar Dinge schlicht und einfach nicht verständlich machen. Dinge, die jeder Läuferin und jedem Läufer vollkommen logisch und klar scheinen: "Die Kombination 'Kurz-kurz-Handschuhe' zum Beispiel." Übersetzt ins Nicht-Lauf-Deutsch: Die Bendl-Tschiedel beschreibt hier die Lauf-Outfit-Version "kurze Hose, kurzes (oder ärmelloses) Shirt" - und eben Handschuhe.

Wenn man einmal beginnt, darauf zu achten, ist das eine gar nicht so seltene Kombination. Und wenn man beim Spazierengehen dann beginnt, darauf zu schauen, ob und wie andere Spaziergänger auf diese Kombi reagieren, wird rasch klar: Die ganz offiziell auch als "Königin" titulierbare Läuferin (weil Sieger und Siegerin des legendären Rennsteig-Marathons eben so genannt werden …) hat recht.

foto: nic nedwed

Und weil es eben - wie vergangene Woche hier festgehalten - keine allgemein gültigen Antworten auf Frage wie "Was tun bei kaltem/nassen Wetter" oder "Ab wann ist kalt/nass eigentlich kalt/nass" gibt, sondern nur individuelle Lösungen, die man nach dem Prinzip "Trial & Error" selbst herausfinden muss (wobei es zum Rausfinden ganz hilfreich ist, da nach dem Zwiebelprinzip angezogen zum Selbstversuch zu eilen) gibt es an kurz/kurz/Handschuhe auch nix auszusetzen. Obwohl: Ich persönlich eben kurz/kurz/Ärmlinge bevorzuge - weil die kalten Fingerspitzen bei mir nach ein paar Minuten meist warm sind, solange ich den Unterarm … und so weiter. Genau darum gilt eben: Chacun à son gout.

Wobei es dann schon Augenblicke gibt, in denen ich an die Grenzen meines eigenen Verständnisses stoße. Zum einen, wenn ich bei Plusgraden, die allgemein als "angenehm" gelten, mit Daunengilet/Schal/Wollmütze ausstaffierte Leute joggen sehe (Boxer mit Schwitzgewand einmal ausgenommen) - oder aber, wenn mir Gesellen wie jener über den Weg laufen, der Runtasia-Mann Walter Kraus vergangene Woche frühmorgens bei vier oder fünf Grad auf der Hauptallee begegnete. Ob Kraus - als unangefochtene Autorität in Lauf-Etikette-Fragen auch ein bekennender Oben-Ohne-Lauf-Gegner - sich von diesem Schock schon erholt hat, weiß ich nicht. In jedem Fall erlaubte er mir aber, dieses Bild hier zu verwenden.

foto: runtasia.at

Wie es Nichtläufern geht, wenn sie derlei sehen, kann ich derzeit aber besser nachvollziehen als sonst. Denn schon der Anblick "vernünftig" oder "normal" adjustierter Läuferinnen oder Läufer lässt mich derzeit frösteln. Denn dank der - mindestens - sechswöchigen Lauf-, Bike- und Alleswassonstnochwirklichspaßmacht-Sperre, die mich seit New York zum Spaziergänger macht, habe ich mittlerweile jedes Gefühl dafür verloren, welches Outfit bei echter Bewegung im Freien derzeit wohl angebracht ist: Aus der Daunenanorak-Schlenderperspektive heraus, braucht es nicht einmal die von der Rennsteig-Königin angesprochene Kurz/Kurz/Handschuh-Kombi, um mich da am Geisteszustand der Jogger und -innen zweifeln zu lassen. Obwohl ich es doch eigentlich wissen sollt.

Das mit der Sperre ist im Übrigen nicht weiter überraschend: Eine kleine latente und nie richtig ausgeheilte Verletzung wurde knapp vor New York akut. Dass ich damit überhaupt einen ganzen Marathon schaffte, war schon überraschend - und der Preis dafür von vornherein klar. Nervig ist so eine Sperre aber natürlich trotzdem. Auch wenn Freunde mir tröstend "Sei doch froh, Du hast wenigsten eine Ausrede bei dem Wetter nicht raus zu gehen" zuraunen - und so tun, als würden sie darunter leiden, schon wieder neue Trainingspläne zu haben. Denn: Nach der Saison ist eben vor der Saison - und ganz abgesehen davon, die Zeit ohne allzu strenge Pläne und Ziele schon alleine deshalb wundernett, weil es so schön ist, wenn es wurscht ist, wie, wo, wie schnell und wie lange man läuft: Ich hatte mich eigentlich schon auf ausgedehnte Waldlaufereien im Wienerwald und andere Gatschupfereien gefreut. Alleine und in der Gruppe.

foto: thomas rottenberg

Wobei ich nicht ganz planlos bin: Das hier ebenfalls bereits beschriebene "Nie wieder"-Gefühl ist mittlerweile zwei konkreten Terminen gewichen. der eine, der Vienna City Marathon im Frühjahr steht schon fest, seit ich im Vorjahr dort genau jene Option genutzt hatte, die ich dem Veranstalter gerne (und trotzdem) als kleine Teilnehmer-Zahlenfrisiermethode ankreide: Ich war für die Volldistanz angemeldet - und war nur halb gelaufen.

Der VCM ist für mich mein "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Lauf: Jedes Jahr melde ich mich an, und ebenso regelmäßig kommt vorher oder unterwegs eine Verletzung dazwischen. 2015 versuche ich es wieder, in einer der beiden Standard-Staffeln und auf der Volldistanz. Zeitvorgaben gebe ich mir keine mehr. Auch wenn mein NY-Laufbuddy Ilan letzte Woche meinte: "Ich visiere die Sub-drei-Grenze an. Bist du dabei? Das Training beginnt genau jetzt."

Ilan werde ich aber 2015 wohl mindestens ein zweites Mal an mir vorbeiziehen sehen. im Herbst. Denn die eher als Jux gemeinte Anmeldung zur Startplatzverlosung für den Berlin-Marathon hatte ungeahnte Folgen: Praktisch all meine Bekannten, die sich da Ende Oktober für die Startplatz-Lotterie anmeldeten, haben gewonnen. Wobei "gewinnen", wie mein Freund Christoph sofort auch auf Facebook klarstellte, um den "Journalisten kriegen wieder mal alles gratis"-Suderanten den Wind aus den Segeln zu nehmen, bedeutet, dass man das Recht hat, einen Startplatz zu kaufen. Zum vollen Preis. Und besser gestern als heute Hotel und Flug gebucht haben sollte.

foto: thomas rottenberg

Was bis dahin schiefgehen kann? Eine Menge. Das weiß auch mein Physiotherapeut. Als ich das "Du hast gewonenn"-Mail aus Berlin bekam, war ich gerade bei ihm: "Herbst 2015? Hm, bis dahin kriegen wir dich schon wieder lauffit. Aber ich bin sicher: Dir fällt trotzdem noch was ein, um dich knapp vor dem Lauf umzuhacken." (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 27.11.2014)

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