Gesundheitsgefährdung und Begeisterung

28. November 2014, 11:55
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Konzert des Klangforum Wien unter der Leitung von Beat Furrer im Konzerthaus

Wien - Es begann wie immer humoristisch: Klangforum-Intendant Sven Hartberger wies auf die sechste "Konstellation" der "ausgewachsenen urbanistischen Oper" urbo kune hin. Letztere wird am 23. Mai 2015 ab 12.12 Uhr einen Tag und eine Stunde lang im Konzerthaus zu erleben sein, Erstere findet am 4. Dezember ab 18.18 Uhr in der Babenbergerhalle Klosterneuburg "für Beat Furrer" statt.

Der Komponist leitete auch das zweite Abokonzert des Ensembles. Das erste Stück: Ebe und anders von Pierluigi Billone. Das für sieben Solisten geschriebene Auftragswerk der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung begann mit ewigem Gehämmere auf zwei Metallplatten in gesundheitsgefährdender Lautstärke. Abgesehen von sphärisch-psychedelischen Passagen bot der Italiener das übliche Defilee innovativer Horrorsounds. Freundlicher Beifall, ein einsames Buh für den Komponisten: die Stimme der Vernunft.

Dann das 1988 uraufgeführte Konzert für Klavier und Orchester von György Ligeti. Leider wurde es eher als Orchesterstück mit Klavier wahrgenommen, weil Joonas Ahonen zwar technisch versiert arbeitete, jedoch lediglich über die solistische Strahlkraft eines Aktenordners verfügte. Das grundsätzlich großartige Klangforum Wien musizierte im ersten und dritten Satz überraschend blass, ohne emotionale Prägnanz, dann ging's.

Fad Beat Furrers Canti della tenebra für Mezzosopran und Ensemble nach Gedichten von Dino Campana. Fallende Motive und schrille Schreie dominierten in Am nächtlichen Fluss; nie sank ein Himmelsabend lauter auf das Meer als in der Reise nach Montevideo. Plakativ-theatralisch Das Lied der Finsternis.

Bei der Unbremsbaren Fahrt setzte Furrer erst auf auf-, dann auf absteigende Motive, Tanja Ariane Baumgartner bot meist strengen Predigtton in tiefer Lage. Das Gedicht Die Chimäre inspirierte den 59-Jährigen zu einem kondukthaften Lamento in historisierendem Rahmen. Große Begeisterung. Furrer bekommt nächste Woche den Großen Österreichischen Staatspreis verliehen. (Stefan Ender, derStandard.at, 28.11.2014)

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