Wie Entscheidung im Hirn funktioniert

26. November 2014, 12:33
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Unser Gehirn orientiert sich nach Gewinn - Selbstbeherrschung spielt aber auch eine Schlüsselrolle, haben Schweizer Wissenschafter herausgefunden

Unsere Entscheidungen lassen sich im Gehirn abbilden. Welche Areale dabei am aktivsten sind, können Wissenschaftler der Universität Zürich in einer neuen Studie zeigen. Dabei ist offenbar der sogenannte präfrontale Kortex nicht nur erhöht aktiv bei Entscheidungen, die Selbstkontrolle erfordern, sondern generell bei der Entscheidungsfindung. Die Ergebnisse könnten für die Förderung von Entscheidungskompetenzen in schwierigen Situationen nützlich sein.

Der Wert eines Stücks Schokoladenkuchen ist veränderlich. Wer gerade auf Diät ist, entscheidet sich eher für das Fruchtdessert und bewertet den kalorienreichen Kuchen als ungesund. Bisherige Studien haben gezeigt, dass ein bestimmtes Netz im Gehirn aktiv ist, wenn man sich zwischen verschiedenen Auswahlmöglichkeiten entscheiden muss, deren Wert je nach Kontext variiert.

Sie heben dabei die Interaktion zwischen den Neuronen zweier Hirnregionen des präfrontalen Kortex’ hervor – der Kontrollinstanz des Gehirns an der Stirnseite.

Gewinnorientierung als Leitsatz

Sarah Rudorf und Todd Hare vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich können nun in ihrer neuen Studie jene Gehirnareale bestimmen, die während des Prozesses der Entscheidungsfindung am aktivsten sind. Ihre Ergebnisse weisen darauf hin, dass die neuronalen Interaktionen zwischen dem sogenannten dorsolateralen und ventromedialen präfrontalen Kortex nicht nur dann eine zentrale Rolle spielen, wenn zwischen mehreren Möglichkeiten abgewogen werden muss, sondern ganz allgemein für eine flexible Entscheidungsfindung ausschlaggebend sind.

Dies widerspricht der Meinung, dass eine erhöhte Aktivität des präfrontalen Kortex’ nur dann auftritt, wenn Selbstbeherrschung verlangt ist, um zwischen gegensätzlichen Präferenzen entscheiden zu können.

Bisher wurden in den Experimenten nur Situationen betrachtet, in denen Personen gegensätzliche Wünsche in Einklang bringen müssen, um ein Ziel zu erreichen. Beispielsweise haben Probanden finanzielle Gewinne gegen Fairnessinteressen abzuwägen oder unmittelbare Gewinne gegen langfristige Auszahlungen.

Sara Rudorf und Todd Hare fragten sich, was sich im Gehirn abspielt, wenn keine widersprüchlichen Wünsche gegeben sind und keine Selbstkontrolle verlangt wird. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler mittels funktioneller Magnetresonanztomographie die Gehirne von 28 Probanden, während dem diese Auswahlfragen beantworteten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich dabei für Handlungen entscheiden, die stets mit einem finanziellen Gewinn verbunden waren.

Allgemeines Wohlergehen als Resultat

Allerdings änderten sich im Verlauf der Untersuchung mehrmals die Regeln, wonach eine Handlung die größte Auszahlung mit sich brachte. Anknüpfungspunkte für neue Therapien "Entscheidungen, die Selbstbeherrschung verlangen, sind überaus wichtig, da sie das körperliche, gesellschaftliche und finanzielle Wohlergehen einer Person direkt beeinflussen", erklärt Rudorf. Dank der Bestimmung der Mechanismen im Gehirn, die nicht nur bei Entscheidungen, die Selbstbeherrschung verlangten, sondern auch bei generellen Entscheidungen zum Tragen kommen, könnten sich neue Anknüpfpunkte für Therapien auftun. "Man könnte Schulungsprogramme entwickeln, um bestimmte Entscheidungskompetenzen für schwierige Situationen zu fördern, in denen es auf Selbstbeherrschung ankommt", schliesst Todd Hare. (idw, derStandard.at, 26.11.2014)

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