Studentenführer in Hongkong festgenommen

26. November 2014, 16:57
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Räumung des Protestlagers im Geschäftsviertel Mong Kok - Mehr als 140 Festnahmen nach Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten

Hongkong/Peking - Der Tag der gewaltsamen Räumung von Mongkok war der sechzigste Tag der friedlichen Demos und Straßenblockaden Hongkonger Studenten und Schüler für mehr Demokratie. Chinas Propaganda hatte sie immer wieder als "farbige Revolutionen" und vom Ausland angestifteten Aufruhr verteufelt - das müsse endlich ein Ende haben. Doch Peking griff nicht ein.

Das erledigten am Mittwochmorgen mehrere Tausend Hongkonger Polizisten. Sie setzten "nur" die zuvor erlassenen Räumungsbescheide durch, die die Richter auf Grundlage einer Privatklage von Anrainern angeordnet hatten.

Von Dienstag an, vor allem in der Nacht auf Mittwoch, räumte die Polizei Zelte und Barrikaden im Protestlager der Studenten im Stadtviertel Mongkok und öffnete zwei Straßen wieder für den Verkehr.

Vorgeschmack auf kommenden Konflikt

Es war vorerst ein symbolischer Sieg für Hongkongs Regierung. Denn die Aktion bedeutet noch nicht das Aus der Proteste, zumal die vertriebenen Studenten ankündigten, nach Mongkok zurückkommen zu wollen. Vor allem aber steht noch die Räumung der Protesthochburg im Viertel Admiralty aus. Dort harren die Studenten weiter aus.

Mongkok bot jedoch einen Vorgeschmack auf den kommenden Konflikt. Die Polizei nahm alle fest, die sich ihr in den Weg stellten. Augenzeugen beschrieben und fotografierten Zusammenstöße in den Nebenstraßen, wo die Polizei immer wieder Pfefferspray einsetzte. Dutzende Personen wurden verletzt.

Unter den Festgenommenen waren auch die beiden charismatischen Studentensprecher der Demonstrationen, Joshua Wong und Lester Shum.

Streitpunkt Wahlen 2017

Peking hatte die Ende September ausgebrochenen Studentendemos durch eine selbstherrliche Entscheidung provoziert. Sie schränkte die Hongkong nach dem Prinzip "Ein Land zwei Systeme" versprochene Autonomie wieder ein.

Chinas Volkskongress hatte das Recht der Hongkonger, ab 2017 in freien Wahlen ihren Verwaltungschef selbst zu bestimmen, neu interpretiert. Das Parlament legte fest, dass sich die Wähler nur zwischen solchen Kandidaten entscheiden dürfen, die von Peking vorausgewählt werden.

Zensurmaßnahmen

Pekings Führung hat den anhaltenden Widerstand der Studenten gegen deren Bevormundung immer wieder unterschätzt. So reagierte sie auf den Widerstand gegen die Räumung von Mongkok in alter Weise: TV-Sender wurden rasch ausgeblendet und zensiert.

Von den offiziellen chinesischen Medien erfuhr die Bevölkerung am Mittwoch nur: Die Regierung habe die illegal besetzten Straßen des "Haupteinkaufszentrums Mongkok" wieder freigeräumt. Sie sei dabei tatkräftig von der Hongkonger Bevölkerung unterstützt worden. Damit sei diese Episode nun zu Ende. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 27.11.2014)

  • Demonstranten und Polizei stehen sich in Mong Kok gegenüber.
    foto: epa/jerome favre

    Demonstranten und Polizei stehen sich in Mong Kok gegenüber.

  • Vor der Festnahme: Studentenführer Joshua Wong.
    foto: reuters/stringer

    Vor der Festnahme: Studentenführer Joshua Wong.

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