Good Goods: Nur kein Mitleid!

2. Dezember 2014, 12:51
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Unter dem Namen Good Goods bringen heimische Designstudios gemeinsam mit geschützten Werkstätten Objekte heraus, die nicht per Mitgefühl überzeugen sollen – Ist auch gar nicht nötig

Jahr für Jahr dieselbe Leier: Man hat eh schon alles, man will Vernünftiges schenken, vielleicht sollte man doch lieber spenden ... aber seien wir uns ehrlich: Lägen am Ende des Weihnachtstages keine Packerln unterm Baum, gäbe es halt doch eine Menge lange Gesichter. Eine erfreuliche Möglichkeit, dem Malheur zwischen Vernunft, Verzicht und Konsumwahn auszukommen, schufen die beiden Designerinnen Sofia Podreka und Karin Radanitsch.

Sie firmieren unter "Dottings" und machten sich unter anderem mit ihren Entwürfen für Riess-Email einen Namen in der Designlandschaft. Sie sind es, die hinter der Initiative "Good Goods" stehen, bei der insgesamt neun Designstudios und Entwerfer nachhaltige Alltagsprodukte gestalteten, die nun zu fairen Preisen auf den Markt kommen und von insgesamt zehn geschützten Werkstätten angefertigt werden. Den Besen "kleiner Feger" aus Buchenholz und handgezogenen Kokosfasern etwa gibt's um wohlfeile 15 Euro.

Gute Funktion & Optik

Rümpft da vielleicht jemand die Nase? Vielleicht weil der Formel "nachhaltig, geschützte Werkstatt, faire Preise, Haushaltsobjekte" mitunter dieser gewisse nach Jute muffelnde Gutmenschenbeigeschmack anhaftet? Im Falle der "Good Goods" kann die Nase bleiben, wo sie ist. Diese Objekte haben das Zeug dazu, in einem Haushalt Platz zu finden, in dem man die gute Funktion und die Optik eines Gebrauchsgegenstands im Alltag zu schätzen weiß.

foto: good goods
Boxing von Dottings

"Unser Ziel war es, dass diese Objekte wegen ihres Wertes als Gebrauchsgegenstand und nicht aus Mitleid gekauft werden", sagt Katrin Radanitsch von Dottings. Dazu zählt auch ihr Bestreben, dass die Objekte, die einstweilen nur über die virtuelle Ladenbudel gehen, auch ihren fixen Platz im Einzelhandel finden sollen. "Die Produkte sollen nicht wie andere Objekte dieser Art von einem Weihnachtsmarkt zum anderen tingeln", wie Radanitsch ihren Plan weiter beschreibt.

Andere Zeitzone

Zugrunde liegt "Good Goods" ein Projekt, bei dem die Designerinnen von Dottings vor einem Jahr in einer Blindenwerkstätte zugange waren und Verbesserungen für deren Objekte vorschlugen. "Dabei haben wir das Potenzial dieser Institutionen erkannt. Wir haben dann eine Tour durch andere Werkstätten unternommen und Kollegen eingeladen, von denen wir glaubten, sie würden gut zur einen oder anderen Werkstatt passen.

Das Feedback war toll", erzählt Katrin Radanitsch. Apropos Kollegen: Mit von der Partie sind unter anderem das Designerinnen-Duo "Lucy D", Gestalterin Julia Landsiedl, die Modedesignerin Eva Blut oder die zwei Experimentaldesigner Nummer eins, "Mischer'Traxler", die zu ihrem Mitwirken meinten: "Was uns sehr faszinierte, ist die Zeit und das Verhältnis zurzeit in der Werkstätte. Es ist so, als gäbe es eine eigene Zeitzone."

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Clutch von Eva Blut.

Zu haben sind insgesamt rund 20 Produkte, darunter "Soapdish" von Dottings, ein hübsch anzusehendes Bad-Utensil, das Nagelbürste und Seifenschale vereint und vom Blinden und Sehbehinderten Förderungswerk hergestellt wird.

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Soapdish von Dottings.

Das Österreichische Hilfswerk für Taubblinde und hochgradig Hör- und Sehbehinderte produziert "Lampienta" von Madeleine Plass, runde Körbe aus eingefärbtem Peddigrohr, die es mühelos in jedes hochwertige Wohnmagazin schaffen, und das "AWS Designteam" bringt mit "Jugend am Werk Horizont" den "Goodspoon" heraus, einen feschen Kochlöffel aus rohem Bambusstamm, den auch ein Jasper Morrison kaum besser hingekriegt hätte.

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Lampienta von Madeleine Plass.

Weiters im Programm der guten Güter: ein Nackenkissen in Elefantengestalt, eine wasserdichte Tasche aus Segelstoff, ein schlichter Flaschenöffner aus Messing, eine gestrickte und danach gefilzte Handtasche mit Lederschaft, Wandregalelemente oder eine feine Topfbürste aus der Wiener Blindenwerkstatt.

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Topfbürste aus der Wiener Blindenwerkstatt.

Deren Geschäftsführer Bernd Ahrens empfindet die Zusammenarbeit mit den Designern als etwas Neues, aber sehr Kreatives. "Es gab schon auch einiges an Diskussionsbedarf und gegenseitige Zugeständnisse, aber unterm Strich hat das Ganze viel Spaß gemacht, und beide Seiten haben sehr profitiert."

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Kochlöffel von AWS Designteam.

Apropos profitieren: Weil doch Weihnachten schon so gut wie vor der Türe steht und dieses ein Fest des Wünschens ist, soll das Ansinnen von Initiatorin Radanitsch nicht unerwähnt bleiben. "Wir wünschen uns, dass die Menschen diese Objekte nicht nur gut finden, sondern auch wirklich kaufen und verwenden." (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 28.11.2014)

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Flaschenöffner von Vandasye.
  • Die Designerinnen Katrin Radanitsch und Sofia Podreka inmitten von zahlreichen Produkten aus der "Good Goods"-Kollektion, die die beiden initiierten. Entworfen haben diese neun Designstudios und zehn integrative Werkstätten. Zu finden sind Flaschenöffner aus Messing, Taschen, Topfbürsten und allerhand mehr.
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    Die Designerinnen Katrin Radanitsch und Sofia Podreka inmitten von zahlreichen Produkten aus der "Good Goods"-Kollektion, die die beiden initiierten. Entworfen haben diese neun Designstudios und zehn integrative Werkstätten. Zu finden sind Flaschenöffner aus Messing, Taschen, Topfbürsten und allerhand mehr.

  • Den "kleinen Feger" gibt es um 15 Euro.
    foto: good goods

    Den "kleinen Feger" gibt es um 15 Euro.

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