Den Dingen nach der Pfeife tanzen

25. November 2014, 17:06
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In Scores N° 9 zeigt das Tanzquartier Wien, wie ein Smarties-Schwarm den Bewegungsraum der User-Gesellschaft steuert

Wien - Wer glaubt, der Tanz wäre schon fertig mit der Ausweitung seiner Kunstzone, hat sich wohl zu früh gefürchtet. Das kann von Mittwoch bis Samstag im Tanzquartier überprüft werden: Im Rahmen des Kunstdiskurs-Festivals Scores werden Dinge choreografiert und die "Körper der Choreografie" neu befragt.

Das trifft den Nerv der Gegenwart: Längst ist uns braven "Usern" jegliche Kontrolle über jene Dinge entglitten, die eigentlich nützlich sein sollten. Stattdessen werden wir von unseren Hightech-Infrastrukturen ausgenutzt, dirigiert und "choreografiert". Das ist der politische Aspekt an dem Thema. Aus diesem ergibt sich dessen künstlerische Perspektive.

Eingeleitet wird die neunte Ausgabe dieses "künstlerisch-theoretischen Parcours" mit dem Titel no|things von einer Lecture des bulgarischen Philosophen Boyan Manchev: What Do the Things Want? Aesthetic Materialism and the Future of Performance und dem flirrenden Tanzstück The Artificial Nature Project der Dänin Mette Ingvartsen. Dazu steuert der Wiener Daniel Aschwanden ein "Bastardschwärmen im Selfie-Loop" bei, in dem sich zeigt, wie schön das Smartphone über die Oberflächen unseres täglichen Lebens wischen kann.

Wer bei der "Inthronisierung" dieser Smarties den "Aufstand der Dinge" und die "Verwerfung des Subjekts" erkennt, ist bei Klemens Grubers Vortrag am Donnerstag genau richtig. Und kann dann mit François Roche die Architektur erodieren und bei Eva Meyer-Kellers Pulling Strings schauen, wie die Fäden (des Theaters) zu ziehen sind. Der Freitag verspricht eine von Nicolaus Gansterers erhellenden Lectureperformances: Thinking Matters Other Others: A Translecture. Darin geht es um Übersetzung und Visualisierung von Denkprozessen.

Weiters empfohlen: Roland Rauschmeiers Intervention Können Müssen Wissen , die Performance The Call of Things von Lisa Hinterreithner und Jack Hauser und Clémet Layes' Stück Things that surround us. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 26.11.2014)

  • Choreografie für Materialien: Mette Ingvartsens "The Artificial Nature Project" arbeitet mit Dingen, die, durch Tänzer in Bewegung versetzt, immer neue Bilder hervorbringen.
    foto: jan lietaert

    Choreografie für Materialien: Mette Ingvartsens "The Artificial Nature Project" arbeitet mit Dingen, die, durch Tänzer in Bewegung versetzt, immer neue Bilder hervorbringen.

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