Frank Gratkowski: Bis hin zur Achteltönigkeit

25. November 2014, 17:10
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Ein Jeunesse-Porträt im Porgy & Bess beleuchtet den vielschichtige Klangkosmos des Wahl-Berliners mit exzellenten Fertigkeiten an Saxofonen und Klarinette

"Für mich ist die Idee des Personalstils nicht interessant, weil sich die Spielweise ja hoffentlich immer wieder ändert. Wenn ich heute so spiele wie vor drei Jahren, kriege ich die Krise." Ansagen wie diese weisen Frank Gratkowski als einen der abenteuerlustigsten Forschergeister der deutschen Improvisationsmusikszene aus. "Raus aus der Komfortzone" und hin zum Unerschlossenen, lautet die Devise des 51-jährigen Wahl-Berliners mit exzellenten Fertigkeiten an Saxofonen und Klarinette.

Im Jeunesse-Porträt wird der vielschichtige Klangkosmos Gratkowskis von dreierlei Seiten beleuchtet: In der Formation Skein, die am Donnerstag an den Start geht, stehen die Zeichen einerseits auf strukturbewusster freier Improvisation im Sinne des "Instant Composing". Sie umfasst neben den altgedienten Trio-Kombattanten Achim Kaufmann (Klavier) und Wilbert de Joode (Bass) den britischen Soundelektroniker Richard Barrett sowie den australischen Schlagzeuger Tony Buck. Andererseits geht es Gratkowski um ein kollektives Klanggefüge, "um ein großes Instrument, zu dem die Bandmitglieder verschmelzen".

Letzterer Gedanke ist auch für Gratkowskis am Freitag zu erlebendes Quartett "Fo(u)r Alto" essenziell: Vier Altsaxofonisten begeben sich auf eine Reise ins Innere des Klangs, loten Schwebungen und mikrotonale Harmonien bis hin zur Achteltönigkeit aus.

Anders sinnlich das brandneue Ensemble Z-Country Paradise am Samstag: Hier prallen freie Improvisation und Rock-Rhythmen aufeinander, in welche Jelena Kuljic Texte u. a. von Arthur Rimbaud und Charles Simic webt. Gratkowski dazu: "James Brown und Jimi Hendrix gehen schon sehr unmittelbar ins Herz und in die Beine. Diese Direktheit habe ich gesucht!" (felb, DER STANDARD, 26.11.2014)

27.-29. 11., Porgy & Bess, 20.00

  • Wird in den nächsten Tagen kaum dazu kommen, eines seiner vielen Instrumente aus der Hand zu legen: Frank Gratkowski.
    foto: tamara glawischnig

    Wird in den nächsten Tagen kaum dazu kommen, eines seiner vielen Instrumente aus der Hand zu legen: Frank Gratkowski.

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