Mindestens 45 Tote bei Doppelanschlag in Nigeria

25. November 2014, 16:54
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Anschlag in Boko-Haram-Hochburg Maiduguri - Extremisten erobern weiteres Dorf

Maiduguri - Bei einem Doppelanschlag in der Boko-Haram-Hochburg Maiduguri im Nordosten Nigerias sind mehr als 45 Menschen getötet worden. Zwei Attentäterinnen hätten sich am Dienstagmittag in kurzem Abstand auf einem Markt der Stadt in die Luft gesprengt, sagte ein hoher Vertreter der Sicherheitskräfte in der Hauptstadt des Bundesstaats Borno.

Die islamistische Rebellengruppe Boko Haram brachte inzwischen eine weitere Stadt in ihre Gewalt. Ein Vertreter der Rettungskräfte sagte, er habe 45 Leichen gezählt. "Es handelt sich um Selbstmordattentate von zwei Frauen", sagte der Vertreter der Sicherheitskräfte. Die erste Attentäterin habe sich nahe einer Rikscha voller Waren in die Luft gesprengt. Zehn Minuten später habe eine Frau, die um die 19 Jahre alt gewesen sei und ein Baby auf dem Rücken zu tragen schien, eine zweite Bombe gezündet. Andere Augenzeugen bestätigten die Darstellung.

Zwei Explosionen

"Die Frau hatte die Sprengsätze um ihren Rücken gewickelt, als ob sie ein Baby tragen würde, dann näherte sie sich dem Ort der ersten Explosion", sagte der Händler Abubakar Bello. "Ich denke, es war ein gezielter Plan, um möglichst viel Leid über nichtsahnende Menschen zu bringen, da die zweite Explosion losging, nachdem sich viele Menschen am Ort der ersten versammelt hatten." Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff.

Das Gebiet um Maiduguri zählt aber zu den Hochburgen von Boko Haram. Die islamistische Rebellengruppe kämpft seit Jahren im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamischen Staat. Bei Angriffen auf Armee, Behörden, Schulen und Kirchen tötete die sektenartige Gruppierung seit 2009 mehr als zehntausend Menschen. Erst am Sonntag wurden bei einem Angriff der Extremisten auf Fischverkäufer am Tschadsee 48 Menschen getötet.

Armee machtlos

Die Regierung bekommt die Lage trotz des massiven Einsatzes der Armee nicht in den Griff. Zwar verdrängte sie die Boko-Haram-Kämpfer weitgehend aus Maiduguri, wo die Gruppe vor mehr als zehn Jahren ihren Ursprung nahm, doch wich die Gruppe daraufhin in die ländlichen Gebiete aus. Seitdem die Armee im Mai 2013 den Ausnahmezustand in Borno und zwei benachbarten Bundesstaaten ausgerufen hat, hat die Gewalt deutlich zugenommen.

Die Extremisten übernahmen am Dienstag eine weitere Stadt im äußersten Norden von Borno. Der Senator Maina Ma'aji Lawan sagte, hunderte Menschen seien aus der Stadt Damasak geflohen, nachdem die Rebellen am Montag einen Markt angegriffen hätten. Es gebe keinen einzigen Mann mehr in der Stadt, da alle Soldaten und Männer geflohen seien. Angaben zu Opfern des Angriffs auf die Stadt an der Grenze zum Niger lagen nicht vor.

Die Eroberung ganzer Städte durch Boko Haram stellt einen Strategiewechsel gegenüber ihrem bisherigen Vorgehen dar, als die Extremisten eher punktuelle Anschläge und Angriffe ausführten. Die Übernahme mehrere Städte weckte Befürchtungen, dass die Regierung komplett die Kontrolle über die Region verlieren könnte. Der Einsatz von Selbstmordattentäterinnen ist nicht neu für Boko Haram. Allein im Juli gab es vier derartige Angriffe in der Stadt Kano. (APA, 25.11.2014)

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