Luftverschmutzung durch Europas Industrie kostet Milliarden

25. November 2014, 06:46
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Europäische Umweltagentur: voestalpine an 89. Stelle unter den Top-100-Verschmutzern

Wien/Linz - Die Luftverschmutzung durch Europas Industrie zieht für die Gesellschaft Folgekosten in Milliardenhöhe nach sich. Österreich bewegt sich bei der absoluten Höhe der Schäden an der Umwelt und der Gesundheit der Menschen im Mittelfeld, in Relation zum BIP sogar unter den Vorzeigenationen. Allerdings gehört die voestalpine zu den Top-100-Luftverschmutzern in Europa.

"Es gibt nur eine einzige österreichische Industrieanlage unter den 100 größten Umweltverschmutzern - die voestalpine Stahl GmbH liegt an 89. Stelle", sagte eine Sprecherin der Europäischen Umweltagentur (European Environmental Agency) zur APA und verwies dabei auf den am Dienstag veröffentlichten EEA-Bericht über die Kosten der Luftverschmutzung durch die Industrie im Zeitraum 2008 bis 2012.

Fünfjährige Untersuchungsperiode

In der fünfjährigen Untersuchungsperiode hätten die großen Industrieanlagen in der EU-27, Norwegen und der Schweiz in den Bereichen Umwelt und Gesundheit in Summe Folgekosten zwischen 329 und 1.053 Mrd. Euro ausgelöst; allein im Jahr 2012 waren es zwischen 59 und 189 Mrd. Euro, so die Europäische Umweltagentur.

Nur ein Prozent für Hälfte des Schadens verantwortlich

Nur 1 Prozent der großen Industriebetriebe sei für die Hälfte des errechneten Gesamtschadens verantwortlich; 4 Prozent lösten drei Viertel der volkswirtschaftlichen Folgekosten aus. Insgesamt wurden in der Studie 14.325 Industrieanlagen berücksichtigt. Die höchsten Schäden wurden für Deutschland, Polen, Großbritannien, Frankreich und Italien berechnet. Dort stehen viele große Industrieanlagen.

Österreichs Volkswirtschaft kostete die Luftverschmutzung durch die Großindustrie zwischen 2008 und 2012 laut Europäischer Umweltagentur zwischen 2,906 Mrd. Euro und 5,653 Mrd. Euro.

Unterschiedliche Faktoren berücksichtigt

In den Berechnungen berücksichtigt wurden negative Auswirkungen der verschmutzten Luft wie etwa vorzeitiger Tod, Spitalkosten, Krankenstände, gesundheitliche Beeinträchtigungen, Schäden an Gebäuden und verminderte landwirtschaftliche Erträge. Nicht enthalten seien hingegen bedeutende positive wirtschaftliche und soziale Annehmlichkeiten wie etwa Produkte, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, betont die Umweltagentur.

Acht der 30 teuersten Luftverschmutzer in der europäischen Industrie stammen aus Deutschland, sechs aus Polen, vier aus Rumänien, und jeweils drei aus Bulgarien und Großbritannien. Von den Top-30-Verschmutzern in Europa sind 26 der Energiewirtschaft zuzurechnen - hauptsächlich handelt es sich dabei um Kohlekraftwerke in Deutschland und Osteuropa.

"Während wir alle aus der Industrie und der Energieerzeugung auch unseren Nutzen ziehen, zeigt die vorliegende Analyse, dass uns die Technologien, die diese Anlagen verwenden, versteckte Kosten für unsere Gesundheit und die Umwelt aufbürden", so EEA-Direktor Hans Bruyninckx. Allerdings sei die Industrie nur ein Teil des Bildes - man dürfe nicht vergessen, dass auch andere Bereiche, vor allem der Verkehr und die Landwirtschaft, ebenfalls zur Luftverschmutzung beitragen.

Höhere Effizienz der Anlagen

Die Folgekosten der Luftverschmutzung haben sich im Untersuchungszeitraum 2008 bis 2012 dem Bericht zufolge verringert. Dies sei wohl zum einen auf strengere gesetzliche Vorgaben und eine höhere Effizienz der Anlagen, zum anderen aber auch auf die Rezession in Europa zurückzuführen, welche die industriellen Aktivitäten in den Jahren unmittelbar nach 2008 gebremst habe.

Trotz der erzielten Fortschritte bei der Reduktion von Schadstoffemissionen müsse die Luftqualität noch verbessert werden, um die Schäden für die Gesundheit und die Umwelt weiter zu verringern, heißt es in dem Bericht. Zu den Hauptschadstoffen in der Luft gehören laut Umweltagentur Ammoniak, Stickoxide, nicht-methanhaltige flüchtige organische Verbindungen, Staub und Schwefeloxide. Hinzu kommen Schwermetalle, organische Verbindungen wie etwa Benzol und Dioxine sowie Kohlendioxid. (APA, 25.11.2014)

  • Nur 1 Prozent der großen Industriebetriebe sei für die Hälfte des errechneten Gesamtschadens verantwortlich.
    foto: apa/patrick pleul

    Nur 1 Prozent der großen Industriebetriebe sei für die Hälfte des errechneten Gesamtschadens verantwortlich.

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