Hypo: Bauchweh wegen fauler Balkankredite

25. November 2014, 07:43
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Verkauf von Hypo-Südosteuropa-Netzwerk auf der Kippe - EBRD-Chef sucht Investoren für Region

München/Wien - Im Milliarden-Streit mit der BayernLB muss die Krisenbank Hypo Alpe Adria Insidern zufolge einen Dämpfer hinnehmen. Das österreichische Institut scheiterte mit einem Versuch, den Gerichtsgutachter in dem Münchner Prozess als befangen abzusetzen, wie Insider am Montag sagten. Zwar legte die Hypo Verhandlungskreisen zufolge Rechtsmittel gegen den Ablehnungsbeschluss ein. Doch nimmt die Justiz derartige Entscheidungen nur selten zurück. Das Gericht und die Banken wollten sich dazu nicht äußern.

Die BayernLB und ihre frühere Tochter streiten vor dem Landgericht München darüber, ob die Hypo Kredite an die Bayern zurückzahlen muss oder ob sie das Geld wegen ihrer Notlage behalten darf. Zudem verlangt die Hypo bereits überwiesene Tilgungsraten zurück. Die gegenseitigen Forderungen summieren sich nach Angaben beider Seiten mittlerweile auf rund sechs Milliarden Euro. Der Prozess wird nach fast fünf Monaten Verhandlungspause Dienstag fortgesetzt - genau ein Jahr nach Verhandlungsbeginn.

EU-Kommission prüft

Die Hypo war nur indirekt Thema bei einer Notenbank-Konferenz in Wien. Über den Verkauf der Osteuropaholding wird heftig gestritten. Im Finanzministerium gibt es Strömungen, die sich gegen den geplanten Verkauf an Advent aussprechen. Die EU-Kommission ist seit voriger Woche dabei, die Unterlagen der Transaktion zu prüfen. Sie will raschest möglich entscheiden, ob das Verfahren wie gefordert transparent, fair und im Rahmen des Beihilferechts läuft.

Juniorpartner von Advent ist die Osteuropabank EBRD, deren Chef, Suma Chakrabarti, derzeit in Wien weilt. Er sagte am Montagabend, dass das Direktorium der EBRD am Mittwoch grünes Licht für den Einstieg bei den Balkantöchtern der Hypo geben würde. Bis der Verkaufsvertrag aber tatsächlich unterzeichnet werden kann, werde es wohl noch ein paar Wochen dauern.

Lob für Wiener Initiative

Generell stöhnen die Banken auf dem Balkan unter einer stetig steigenden Last fauler Kredite. Die Ausfallsquoten liegen jenseits der 20 Prozent. Für die Förderbank EBRD ist der Berg an notleidenden Krediten, der die Geldhäuser schwächt sowie Investitionen und Wachstum untergräbt, eines der gravierendsten Probleme der Region. Nicht nur öffentliche Hand und Banken selbst sind nach Ansicht der EBRD gefordert.

Die EBRD sei dabei, externe Investoren in die Region zu bringen, die bei Restrukturierungen und Risikoabbau helfen sollen, sagte Chakrabarti. Er äußerte sich zufrieden, dass die Lösung des Problems der faulen Kredite als ein Schwerpunkt in der sogenannten "Wiener Initiative" erneuert worden ist. Vor Ort brauche es neben Aktionsplänen allerdings ein rechtliches Umfeld, das zu Restrukturierungen ermutige. Die EBRD selber ist in zahlreiche Sanierungsmaßnahmen in Ost-/Südosteuropa eingebunden.

Vermehrt sei die EBRD derzeit dabei, Investoren in die Region zu bringen, die auf derartige Restrukturierungsprozesse spezialisiert sind. Damit sollen lokale Banken wieder in die Lage versetzt werden, sich auf die Vergabe neuer Kredite konzentrieren zu können.

Für den Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, lässt sich die Region Zentral/Ost/Südosteuropa immer weniger über einen Kamm scheren. Zwischen Polen, das EU-weit auf die höchsten Wachstumsraten kommt, und dem negativen Extrembeispiel Ukraine liege die Region Südosteuropa mit gehörigen Unsicherheiten. (gra; Reuters; APA, DER STANDARD, 25.11.2014)

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