Wie die Bewohner von Hollywood Google Maps zensierten

24. November 2014, 13:15
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Ärger über Touristenstrom zum berühmten Schriftzug – keine Anzeige von direktem Zugang auf Kartendiensten

Er verspricht den Glanz und Glamour der Filmwelt und gehört zu den wohl bekanntesten Schriftzügen der Welt. Wer am Los Angeles International Airport landet, kann die dicken Letter beim Anflug aus der Luft bestaunen. "HOLLYWOOD" ist da am Hang des Mt. Lee zu lesen. Zahlreiche Touristen pilgern jedes Jahr in diesen Außenbezirk von Los Angeles, um einen Blick darauf zu ergattern und sich mit den Lettern im Hintergrund abzulichten.

Doch eine Gruppe von Anrainern ist mit der Situation unzufrieden. Genügten vor einigen Jahren noch selbst aufgestellte Hinweisschilder, auf denen ein Zutrittsverbot zum Schriftzug ausgesprochen wurde, fanden im Zeitalter der Satellitennavigation immer mehr Menschen ihren Weg zum Wanderpfad am Fuße des Berges.

Parkplätze und Waldbrände

Sie würden mit ihren Autos die Straßen beengen und im Falle eines Waldbrandes die Löschfahrzeuge behindern, monierten die Bewohner der Gegend. Der Ärger über die Touristen trieb bisweilen seltsame Blüten. Neben weiteren, illegal aufstellten Schildern wurden etwa Gehsteige rot angemalt, um die Besucher vom Parken abzuhalten. Auf einem freien Fleckchen Land schrieb ein unbekannter Autor in großen Buchstaben "Touristen, verschwindet".

Karten verschweigen Wanderpfad

Wer heute auf Google Maps nach dem schnellsten Zugang zum "Hollywood"-Emblem sucht, wird jedoch nicht mehr auf den Pfad verwiesen, der direkt auf ein Plateau über den Buchstaben führt. Stattdessen zeigt die Karte den Weg zu einem Observatorium auf der Spitze eines benachbarten Berges oder zum Hollywood & Highland Center, von dessen Aussichtsplattform der Blick auf das lokale Wahrzeichen eher unspektakulär ausfällt. Auch Bing Maps, Apple Maps und andere Kartendienste verweisen auf diese Orte.

Gemeinsame Lösung

Bei Gizmodo ist man der Frage nachgegangen, warum das so ist. Die Anrainer hatten sich an die Stadtverwaltung gewandt. Der örtliche Stadtrat Tom LaBonge, selbst ein passionierter Wanderer, schlug vor, dass man doch die offiziellen GPS-Koordinaten für den Schriftzug ändern könnte, um ihn damit praktisch vor Suchenden zu "verstecken". Ebenso wie von Anwohnern zuvor durchgeführte Löschversuche, fruchtete dies aber nicht.

Schließlich gelang es LaBonge sich mit Google und dem GPS-Provider Garmin zusammenzusetzen und sie davon zu überzeugen, die Routenangaben zu ändern. Seitdem taucht der eigentliche Wanderweg bei einer Suche nicht mehr auf und wurde mit den anderen beiden Verweisen ersetzt. Dies gelang auch durch die Unterstützung des Hollywood Sign Trust, jener Organisation, die für die Erhaltung des Schriftzugs verantwortlich ist. Garmin beteuert, es handle sich um einen seltenen Ausnahmefall.

Anrainer bedrohen Blogger

Die Anrainer sind offenbar auch sehr bemüht, die Existenz der einstigen Strecke – obwohl Teil von öffentlichem Gelände – unter Verschluss zu halten. Gizmodo-Autorin Alissa Walker beschreibt in ihrem privaten Blog, dass man nach wie vor bis zum Lake Hollywood Park fahren, dort parken und schließlich zu Fuß bis zum großen "HOLLYWOOD" gelangt. Eine Information, die ihr bereits einige Beschwerden per E-Mail – Klagsdrohung inklusive – einbrachte.

Walker selbst steht der durchgesetzten Änderung auf der Karte skeptisch gegenüber. Sie sieht hier gleich drei Ebenen der Zensur. Organisationen, die digitale Zäune um ein Wahrzeichen errichten, Tech-Unternehmen, die geographische Angaben verschweigen und eine Fraktion wütender Anrainer, die auf Blogger losgehen, die lediglich akkurate Angaben ins Netz stellen. Womit sich die Frage stellt, ob die Einflussnahme auf offizielle Kartenangaben nicht zu einfach ist und man fürchten muss, dass dieses Beispiel Schule machen könnte. (gpi, derStandard.at, 24.11.2014)

Links

Gizmodo

  • Die Anrainer am Fuße des Mt. Lee sind über den Touristenstrom zum "Hollywood"-Schild wenig erfreut.

    Die Anrainer am Fuße des Mt. Lee sind über den Touristenstrom zum "Hollywood"-Schild wenig erfreut.

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