Mögliche NS-Raubkunst soll vorerst in Deutschland bleiben

23. November 2014, 14:05
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Pressekonferenz am Montag - Cousine Gurlitts beantragte Erbschein - Cousin erhebt keine Ansprüche und verteidigt Gurlitts Vorgehen - Laut "Focus" gilt auch Spitzweg-Zeichnung als Raubkunst

Berlin - Trotz der Annahme des Gurlitt-Erbes durch das Kunstmuseum Bern sollen die als NS-Raubkunst umstrittenen Bilder zur weiteren Abklärung in Deutschland bleiben. Das sieht eine Vereinbarung zwischen dem Museum, dem Bund und Bayern vor, wie der Deutschen Presseagentur am Sonntag aus Kreisen deutscher Kulturverantwortlicher bestätigt wurde.

Zudem verpflichtet sich die Bundesrepublik Deutschland, alle Rechtskosten zu tragen, sollte das Kunstmuseum Bern auf Herausgabe von Werken verklagt werden. Über diese Kernpunkte der Vereinbarung berichteten nach der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Sonntag verschiedene Medien.

Der Nachlass des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt enthält Hunderte Bilder und Zeichnungen, die unter Raubkunstverdacht stehen. Über die Vereinbarungen zum weiteren Umgang mit der millionenschweren Sammlung wollen die Verantwortlichen am Montag bei einem Pressetermin in Berlin offiziell informieren. Allerdings hat nun auch die Cousine Gurlitts einen Erbschein beantragt. Mit einer Entscheidung des zuständigen Münchner Nachlassgerichts ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen.

Verkauf von "Das musizierende Paar" war erzwungen

Nach einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Focus" hat die von der Bundesregierung eingesetzte Task Force zur Ermittlung der Herkunft der Bilder eine Zeichnung von Carl Spitzweg ("Das musizierende Paar") als ein in der NS-Zeit geraubtes Kunstwerk eingestuft. Demnach stehe nun fest, dass der Vater von Cornelius Gurlitt, der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, die Zeichnung weit unter Wert von dem jüdischen Sammler Henri Hinrichsen erworben hatte. Hinrichsen starb 1942 in Auschwitz. Seine in den USA lebende Enkelin Martha Hinrichsen erhielt jetzt von der Task Force die schriftliche Bestätigung: Der Verkauf des Bildes war erzwungen. Martha Hinrichsen: "Wir warten nun auf die Rückgabe des Spitzwegs an unsere Familie."

Der Cousin von Cornelius Gurlitt hat unterdessen Spekulationen über den Geisteszustand des Kunstsammlers zurückgewiesen. "Über die Beschlagnahme seiner Bilder war er so empört, dass er kein deutsches Museum auswählte. Das alles ist nicht paranoid, sondern konsequent und verständlich", teilte Dietrich Gurlitt der Nachrichtenagentur dpa mit. Der 95-Jährige ist gemeinsam mit seiner Schwester Uta Werner (86) in der gesetzlichen Erbfolge Gurlitts nächster Verwandter, wurde im Testament aber übergangen. Im Gegensatz zu seiner Schwester, die am Freitag überraschend einen Erbschein beim zuständigen Nachlassgericht in München beantragte, erhebt er aber keine Ansprüche auf den Nachlass. Er spricht sich ausdrücklich dafür aus, dass der letzte Wille seines Cousins erfüllt wird und das Kunstmuseum Bern die millionenschwere Kunstsammlung auch wirklich bekommt. (APA, 23.11.2014)

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