Euphorisch dämmern

21. November 2014, 18:37
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Stilsicher schlafwandeln - daraus machten Stereolab eine Kunst. Deren Lætitia Sadier gastiert am Dienstag in Wien

Wien - Seit nunmehr fünf Jahren liegt die Band Stereolab auf Eis, ihre Zukunft ist ungewiss. Mit ihren sanft schwebenden Popsongs unter dem Einfluss von Krautrock und einer hübschen retrofuturistischen Optik schufen sie einen zeitlosen Sound. Einen, der sich zwischen euphorischem Dämmerzustand und gelangweilter Euphorie einpendelte. Zu diesem Behufe schuf die Band aus England ein Keyboard-Bett, auf dem sich stilsicher loungen ließ.

Eindeutige Sixties-Soundtracks-Anleihen unterstützten diese Klangästhetik ganz famos, und so entstanden hypnotische Meisterwerke wie Transient Random-Noise Bursts with Announcements oder Emperor Tomato Ketchup. Dieser immer etwas unterkühlt distanzierte Zugang schuf in den frühen 1990ern einen inspirierenden Abstand zu all den schwitzenden Rockbuben, die ihre pickeligen Anliegen aus zerrissenen Jeanshosen in die Welt brüllten.

Ein Gründungsmitglied von Stereolab kommt nächste Woche nach Wien, um im Fluc ihr neues Soloalbum vorzustellen. Lætitia Sadier. Es ist ihr viertes und trägt den Titel Something Shines und bezirzt wie Vorgängeralbum Silencio wieder mit leichtfüßigem Pop, den die Aura zarter Melancholie umgibt. Wobei sie dieses Mal den elektronischen Anteil etwas zurückgenommen hat und die Songs von akustischen Instrumenten geprägt sind.

Sadier singt englisch und französisch, und noch die schrecklichsten Themen (Atomkrieg, Zerstörung, ...) wirken so wie ein eleganter Wochenendausflug im offenen Citroën. Im Trio, mit dem sie auf Tour ist, setzt sie ihre Musik präzise und stimmungsvoll um, klingt stellenweise wie eine schlanke Version von Belle and Sebastian, die hier durchaus als Verwandtschaft angeführt werden können. (Karl Fluch, DER STANDARD, 22.11.2014)

Lætitia Sadier und Band live am 25. 11. im Fluc, Praterstern, 1020 Wien, 21.00

  • Lætitia Sadier: Noch die schrecklichsten Themen wirken bei ihr wie ein eleganter Ausflug im Citroën.
    foto: david thayer

    Lætitia Sadier: Noch die schrecklichsten Themen wirken bei ihr wie ein eleganter Ausflug im Citroën.


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