Steuerzahler erben faule Hypo-SEE-Kredite

21. November 2014, 18:08
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Spätestens im Dezember soll der Verkauf der Balkan-Banken der Ex-Hypo fixiert sein

Wien - Der Verkaufsprozess für die Balkanbank-Holding der Hypo (SEE-Holding; heißt nun Hypo Group Alpe Adria) läuft seit zwei Jahren; jetzt soll alles ruck, zuck gehen. Einer der Gründe dafür: Die Banken dürfen gemäß EU-Bescheid kein Neugeschäft machen und werden täglich weniger wert. Anfang Dezember will die Republik daher den Vertrag mit US-Fonds Advent unterschreiben.

Der Wertverfall dürfte tatsächlich rasant verlaufen sein. Vor rund einem Jahr interessierte sich laut Standard-Informationen ein ausländischer Investor für die SEE-Banken; er bot 800 Mio. Euro. Antwort der Österreicher: unter 3,5 Mrd. Euro nichts zu machen.

Wie auch immer, jetzt sitzt dem Verkäufer die Zeit im Nacken, angesichts dessen hat sich Advent, wie berichtet, jede Menge Goodies herausverhandelt. Auf Verkäuferseite rechnet man darob mit einem negativen Kaufpreis von rund 500 Mio. Euro; andere Berechnungen reichen bis minus 800 Millionen. Zur Erinnerung: In der SEE-Bankengesellschaft steckt Eigenkapital in der Höhe von 1,3 Mrd. Euro.

Staat blutet weiter

Advent wird trotzdem nur 50 Mio. Euro für die Banken auf den Tisch legen; die letzte Kaufpreis-Tranche (in Summe: 200 Mio.) wird Ende 2015 fällig. Billiger wird es für den Käufer, wenn die Bilanz 2014 schlechter aussieht als derzeit geplant, weitere Retail-Risiken auftauchen oder der Buchwert der Gruppe (zuletzt: 89 Mio. Euro) sich weiter verringert.

Zudem haben sich die Amerikaner Gewährleistungen gesichert - obwohl sie besenreine Banken übernehmen: In den vergangenen zwei Jahren wurden faule Kredite von 3,5 Mrd. Euro aus der SEE-Holding hinaus- und in die staatseigene Abbaugesellschaft Heta hineingekehrt. Sollten trotzdem noch faule Kredite auftauchen, haftet der Verkäufer, wie berichtet, bis zu 600 Mio. Euro.

Zudem wird der Staat für Schadenersatzansprüche, Steuerforderungen und Prozessrisiken geradestehen. Und: Die Amerikaner dürfen sich für die Rückführung der Liquidität, die die Hypo/Heta in der Bankengesellschaft hat (1,8 Mrd. Euro derzeit, der Rahmen liegt bei 2,2 Mrd. Euro), länger als bis 2018 Zeit lassen: Ein Teil wird erst 2020, ein anderer 2022 fällig.

Das ist insofern interessant, als die bulgarische Viagroup, die mit der russischen VTB Bank ein Angebot gelegt hat, die Liquidität bis 2018 zurückgezahlt hätte - und eine Milliarde Euro per Garantie abgesichert hätte. Das Angebot der Viagroup, so ist aus Verhandlerkreisen zu hören, hielt auch der Verkäufer für "interessant". Die Gespräche seien daran gescheitert, dass die VTB sich nie schriftlich zu ihrer Teilnahme am Konsortium geäußert habe.

Negativpreis als "No-Go"

Andere Kaufinteressenten (insgesamt gab es sechs; zwei interessierten sich aber nur für Einzelteile; ein chinesisches Anbot kam zu spät) berichten, ihnen gegenüber sei ein negativer Kaufpreis als "No-Go" dargestellt worden. Von Mitte September weg verhandelte die Hypo/Heta aber sowieso nur noch mit dem US-Fonds, ab da war Exklusivität vereinbart. Detail am Rande: Der Aufsichtsrat der Hypo/Heta hat sich bei all den gesellschaftsrechtlichen Umbauten der Hypo inkl. SEE-Verkauf abgesichert. Er hat die Beschlüsse nicht selbst gefasst, sondern an die Hauptversammlung verwiesen.

Der Verkaufsdeal steht jetzt jedenfalls - vorausgesetzt, BayernLB, Fimbag und Finanzminister stimmen zu. Die EU prüft den Verkaufsprozess; der positive Abschluss ist aber erst Voraussetzung für das Closing. Interessant wird die Einschätzung der Frage, ob die Vertragskonditionen mit neuen (genehmigungspflichtigen) Beihilfen gleichzusetzen sind.

Ebenso die Frage, was der Abbau der Hypo/Heta noch kosten wird. Gemäß EU-Vorgabe dürfte der Staat/Steuerzahler noch bis zu 2,95 Mrd. Euro einschießen. Dass noch Geld fließen wird, scheint unausweichlich zu sein. Der Abbau der faulen Assets läuft miserabel, was Anfang 2015 frisches Geld nötig machen könnte. (Renate Graber, DER STANDARD, 22.11.2014)

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