Ältern mit Ä

Kolumne23. November 2014, 17:00
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Über Männer mit klarem Startvorteil, biologische Uhren, die neuerdings langsamer ticken, und späte Babys

Das Alter ist nicht immer ein Hund, aber ein Thema. Auch für meinen Lieblingskolumnisten Harald Martenstein von der "Zeit". Martenstein ist auch schon älter, obwohl er gerade wieder Jungvater geworden ist. Das ist ein wichtiges Thema: Ältere Eltern, also Ältern mit Ä. Die werden nämlich immer mehr. So wie Herr Martenstein jetzt einer ist. Aber niemand kommt durch Schlafentzug auf so lustige Ideen wie er.

Spannendes Pensionisten-Dasein

Sehr wahrscheinlich inspiriert durch die aktuelle Debatte über das "Freezing", das Einfrieren weiblicher Eizellen, solange sie noch jung und frisch sind, regt er in seiner aktuellen Kolumne dazu an, gleich die fertigen Kinder einzufrieren – und sie überhaupt erst wieder aufzutauen, wenn zum Beispiel der erste Elternteil am Ende der Karriere sein Pensionsalter erreicht hat. Weil dann eben mehr Zeit für die Kinder bleibt. Tolle Idee. Martenstein selbst bräuchte auf dieses spannende Pensionistendasein nicht mehr lange zu warten. Ein Startvorteil.

Biologische Uhren, die langsam ticken

Würde ich im Martenstein’schen Alter noch einmal ein Baby wollen, hätte ich dafür längst meine Eizellen einfrieren lassen müssen. Martenstein musste das nicht, seinen Samen einfrieren lassen. Noch ein Startvorteil. Irgendwie unfair finde ich das, aber dafür kann mein Lieblingskolumnist natürlich nichts. Die Natur, von der Martenstein im Übrigen auch nicht viel hält, hat das blöderweise so eingerichtet. Aber wie man jetzt am neuen Fortpflanzungsgesetz in Österreich sehen kann: In Zukunft werden die biologischen Uhren auch für Frauen langsamer ticken. Immerhin.

Am Ende, wenn wir lang genug auf der Welt waren, werden wir ohnehin alle wieder wie die Babys – Geschlechter-Neiddebatte und späte Babys hin oder her. "Hmmm", sagt meine Oma mit 97, und sonst nicht mehr viel, wenn man sie mit Karamellpudding füttert, während sie sich zurücklehnt und dabei die Augen geschlossen hält. Manchmal macht sie die Augen zur Welt noch einen kleinen Spalt breit auf: "Alles neu macht der Mai", sagt sie dann.

Wir haben leider schon November. (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 23.11.2014)

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