Schlepperprozess: Zwei Männer in U-Haft genommen

21. November 2014, 19:07
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Nach Prügelei vor dem Gerichtsgebäude

Wiener Neustadt - Nach neun Monaten vielfach schwerfälliger Verhandlungstage strebt der Wiener Neustädter Schlepperprozess gegen acht pakistanische und indische Asylwerber aus dem Umfeld der ehemaligen Votivpark-Protestbewegung seinem Ende zu. Am 4. Dezember sollen die Schlussplädoyers gehalten werden. Doch nun, zwei Wochen davor, kam es zu einer überraschenden Zuspitzung.

Am Freitag wurde über einen der Beschuldigten sowie einen laut Anklageschrift weiteren Verdächtigen, gegen den gesondert ermittelt wird, die Untersuchungshaft ausgesprochen. Beide Männer wurden in die Wiener Neustädter Justizanstalt eingeliefert: Laut einem Gerichtssprecher sollen sie dort bis mindestens 5. Dezember, dem ersten Haftprüfungstermin, eingesperrt bleiben: wegen einer zum Raufhandel vor dem Gerichtsgebäude eskalierten Auseinandersetzung am vergangenen Mittwoch, dem insgesamt 41. Verhandlungstag.

Laut Gericht Tatbegehungsgefahr

Beiden Festgenommenen werde Körperverletzung und versuchte schwere Nötigung des Erstangeklagten vorgeworfen, sagt der Gerichtssprecher. Es sei von weiterer Tatbegehungsgefahr auszugehen.

Verteidiger und Prozessbeobachter berichten, dass der Erstangeklagte mit dem laut Anklageschrift Mitverdächtigen beim Verlassen des Gerichts laut gestritten habe. Vor dem Gebäude hätten die beiden dann eine Prügelei begonnen, im Zuge derer dem Erstangeklagten ein Faustschlag ins Gesicht versetzt worden sei. Der zweite nunmehr inhaftierte Beschuldigte habe die Streitenden zu trennen versucht. Laut dem Gerichtssprecher soll er dabei Mutter und Schwestern des Erstangeklagten bedroht haben.

Nerven liegen blank

Der Eklat habe sich schon länger angekündigt, meinen Beobachter: Nach dem monatelangen Verhandlungsmarathon, im dem zuletzt hauptsächlich Akteninhalte verlesen wurden, lägen bei den Beschuldigten die Nerven blank. Auch könnten die Angeklagten dem Geschehen mangels ausreichender Übersetzungen nur am Rande folgen.

"Dieser so lang dauernde Prozess ist für sich allein schon eine Strafe. Das ist so wie bei den Tierschützern", sagt Verteidiger Josef Philipp Bischof. Der Tierschützerprozess gegen 13 Beschuldigte am Landesgericht Wiener Neustadt hatte 14 Monate gedauert. Nächster Verhandlungstermin im Schlepperprozess ist am Freitag. (Irene Brickner, DER STANDARD, 22.11.2014)

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