Beratung hilft, wenn das Baby zur Belastung wird

Bericht21. November 2014, 15:15
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Ein Vorarlberger Projekt hilft jungen Familien bei Überforderung. Rasche Intervention und langfristige Begleitung entlastet Eltern und verbessern Chancen der Kinder

Bregenz – Das Baby ist da, aber die Freude will sich nicht recht einstellen. Für viele junge Eltern wird die Geburt zur Belastungsprobe. Das Projekt "Frühe Hilfen" versucht in Vorarlberg die Situation für Eltern und Kinder zu verbessern.

Die Gründe für Krisensituationen sind vielfältig: finanzielle Not, Wochenbettdepressionen, Suchtkrankheiten, Mehrlingsgeburten, Krankheit des Kindes, überhöhte Erwartungshaltungen, Überforderung. Das Netzwerk Familie, eine Kooperation des Vorarlberger Kinderdorfs, der AKS Gesundheit und der Kinder- und Jugendfachärzte, bietet mit "Frühe Hilfen" jungen Familien Beratung und Hilfestellung an.

Kinder haben Recht auf Gesundheit

Nach fünf Jahren Erfahrung wurde am Freitag Bilanz gezogen: 522 Familien mit 975 Kindern wurden bisher über das Netzwerk betreut. In 64 Prozent der Fälle waren die Kinder unter drei Monate alt. Damit hat man das Ziel, so frühzeitig wie möglich zu intervenieren, erreicht. Die Zahl der Beratungsanfragen stieg innerhalb von zwei Jahren von jährlich 191 auf 261.

"Fünf bis zehn Prozent der Kinder wachsen in belastenden Situationen auf", sagt der Kinder- und Jugendfacharzt Harald Geiger. Da die Lebenssituation in der frühen Kindheit einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die lebenslange Gesundheit sei, steige das Risiko für spätere psychische und körperliche Erkrankungen bei diesen Kindern. Frühfolgen können Entwicklungsstörungen sein.

Hilfe bei Babyblues

50 Prozent der betreuten Familien seien armutsgefährdet oder leben in Armut, sagt Christine Rinner, eine der beiden Leiterinnen des Netzwerks. Hier gelte es, präventiv anzusetzen. Mit kostenloser Kinderbetreuung für armutsgefährdete Familien will das Land in einem ersten Schritt helfen, kündigte die grüne Landesrätin Katharina Wiesflecker an.

Es sind aber laut Rinner auch "ganz normale Familien", die über die Geburtenabteilungen der Krankenhäuser, den Kinderarzt oder aus Eigeninitiative zur Beratungsstelle kommen.

Auslöser können eine Mehrlingsgeburt, die Geburt eines kranken Kindes oder fehlende soziale Netze sein. Ein weiterer der Babyblues. Bei 20 Prozent der Hilfesuchenden dürfte eine postpartale Depression vorliegen, sagt Rinner. "Hinschauen", appelliert sie an Geburtshelfer und Angehörige. Die Sensibilität für diese Erkrankung müsse steigen, sagt auch Geiger.

Zwei Jahre Begleitung

Wie hilft das Netzwerk? Es wird das passende Hilfeangebot für die jeweilige Familie gesucht, der Kontakt zur entsprechenden Stelle hergestellt. Zusätzlich begleitet das Netzwerk die Familie zwei Jahre lang in regelmäßigen Intervallen telefonisch oder durch Hausbesuche. "Es ist gut zu wissen, dass jederzeit ein Ansprechpartner für mich da ist", sagt eine Dreifachmutter, die durch "Frühe Hilfen" aus der Wochenbettdepression gefunden hat. (jub, derStandard.at, 21.11.2014)

  • "Fünf bis zehn Prozent der Kinder in Österreich wachsen in belastenden Situationen auf", sagen Experten.
    foto: apa

    "Fünf bis zehn Prozent der Kinder in Österreich wachsen in belastenden Situationen auf", sagen Experten.

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