IMP-Gründungsdirektor Max Birnstiel gestorben

21. November 2014, 13:27
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Der international renommierte Molekularbiologe aus der Schweiz war einer der wichtigsten "Väter" des Vienna Biocenter

Wien - Vor gut einem Jahr war er noch in Wien, um eine kleine Würdigung seines Wirkens im Rathaus entgegenzunehmen: Anlässlich der Präsentation einer Studie über den Campus Vienna Biocenter (VBC), an dem heute 1.400 Wissenschafter und 700 Studierende aus rund 40 Ländern arbeiten, wurde Max Birnstiel gleich mehrfach und völlig zurecht als einer der Väter dieser für Österreich einzigartigen Erfolgsgeschichte bezeichnet. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Birnstiel am vergangenen Wochenende nahe Zürich gestorben.

Der 1933 geborene Schweizer Birnstiel war eine der herausragenden Persönlichkeiten der modernen Molekularbiologie. Es gelang ihm als Erstem, Gene zu isolieren, noch bevor sogenannte DNA-Klonierungsmethoden entwickelt wurden. Mitte der 1980er-Jahre, als Birnstiel das Institut für Molekularbiologie der Universität Zürich leitete, erhielt er einen Ruf nach Wien: Das neu errichtete Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP), das im Wesentlichen von der Pharmafirma Boehringer-Ingelheim finanziert wurde, berief ihn als Gründungsdirektor. Der Schweizer nahm die Herausforderung mit großem Enthusiasmus und sehr genauen Vorstellungen an, was sich als großer Glücksfall für das IMP und die Molekularbiologie in Wien herausstellte.

Prägende Rolle

Durch gezielte Rekrutierung und Schaffung einer herausragenden Infrastruktur - maßgeblich unterstützt von Boehringer Ingelheim - führte er das IMP, wo er bis 1996 Direktor war, in wenigen Jahren in die Riege internationaler Spitzenforschungseinrichtungen. Neben seiner prägenden Rolle als Gründungsdirektor des IMP war er wesentlich an der Entscheidung der Universität Wien beteiligt, ihre molekularbiologischen Abteilungen (die heutigen Max F. Perutz-Laboratories, MFPL) in der Nachbarschaft des IMP anzusiedeln. Dieser weitsichtige Schritt führte 1992 zur Gründung des Vienna Biocenter in der Dr. Bohr-Gasse im dritten Wiener Bezirk.

Die wissenschaftliche Bedeutung von Max Birnstiel wurde durch zahleiche internationale Preise, Mitgliedschaften und Ehrendoktorate gewürdigt. In Österreich wurde er unter anderem mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen der Republik, dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und der Wilhelm Exner Medaille geehrt, sowie durch zwei Ehrenprofessuren der Universität Wien. Max Birnstiel war Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. "Uns wird Prof. Birnstiel als ein herausragender Wissenschaftler und eine visionäre Führungspersönlichkeit in Erinnerung bleiben, aber auch als ein väterlicher Freund, dem das Wohlergehen des IMP und seiner Mitarbeiter sehr am Herzen lagen", so IMP-Direktor Jan-Michael Peters. (tasch, derStandard.at, 21.11.2014)

  • Max Birnstiel ist 82-jährig gestorben.
    foto: imp

    Max Birnstiel ist 82-jährig gestorben.

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