Showdown in der Wüste: Hamilton legt vor

21. November 2014, 16:10
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Die Formel 1 hat am Ende einer an Spannung überbietbaren Saison ihr spannendes Finale. Nico Rosberg, Mercedes, kann am Sonntag in Abu Dhabi Weltmeister werden. Lewis Hamilton, Mercedes, eher. 17 Punkte Vorsprung und die Ruhe sprechen für ihn.

Abu Dhabi - Sebastian Vettel wird die Entscheidung aus der Entfernung mitbekommen. Er wird vielleicht noch in seinem Rennauto sitzen - zum vorerst letzten Mal in einem Grand Prix in einem von Red Bull. Vielleicht wird er sie in seiner Box beobachten.

Sebastian Vettel hat mit der Entscheidung nichts zu tun. Das steht seit langem fest. Sein Jahr war das vorige, das vorvorige, vorvorvorige und sogar schon das vorvorvorvorige. Viermal in Folge ist der Deutsche, 27 Jahre alt, Weltmeister in der Formel 1 geworden.

Dieses Jahr ist das Jahr von Lewis Hamilton. Oder das von Nico Rosberg. Irgendwie das Jahr von beiden. Mercedes hat die Saison dominiert. Die Dominanz begann beim ersten Grand Prix in Melbourne in März, endete praktisch nie, wurde nur dreimal unterbrochen durch Daniel Ricciardo, den anderen Red-Bull-Piloten, der es auch im nächsten Jahr bleiben wird. Rosberg gewann fünf Rennen, Hamilton zehn. Rosberg kann trotzdem noch Weltmeister werden. Aber etwas schwieriger als Hamilton. 17 Punkte fehlen dem Deutschen vor dem letzten Grand Prix in Abu Dhabi auf den Briten. Trotzdem am Sonntag um die doppelten Punkte (50 statt 25 für den Sieg) gefahren wird, braucht er fremde Hilfe, um erstmals Champion werden können. Bei einem Sieg Rosbergs dürfte Hamilton maximal Dritter werden.

"Ich brauche Hilfe von Lewis, damit er nicht Zweiter wird. Ich hoffe, ihm fällt was ein", sagte Rosberg. Und: "Ich muss versuchen, ihn so gut wie möglich nervös zu machen." Hamilton darauf: "Wir sind keine Kinder. Wir wissen, was richtig und falsch ist."

Beim Saisonfinale um den Titel zu fahren sei für Rosberg "ein richtig cooles Gefühl. In meiner Karriere ist das natürlich ein Höhepunkt." Der 29-Jährige könnte als dritter Deutscher nach Michael Schumacher und Vettel Weltmeister werden, und als zweiter Rosberg nach Keke. Nicos Vater holte 1982 den Titel. Er ist und war Finne.

Hamilton könnte als zweiter Hamilton nach Lewis Hamilton 2008 Weltmeister werden. Mit seiner Saisonleistung ist der Brite schon jetzt zufrieden. "Von all meinen Jahren in der Formel 1 bin ich auf dieses am meisten stolz. Auf meinen Fleiß, meine Konzentration, meine Präzision und meine Fahrweise, auf die geringe Anzahl von Fehlern."

Den Titel will er trotzdem holen, auf "dumme Risiken" im Rennen deshalb verzichten. Und was, wenn er den Vorsprung doch noch aus der Hand gibt? Hamilton schrieb in seiner BBC-Kolumne: "Alles, ob Gutes oder Schlechtes, passiert aus einem Grund. Wenn die Dinge für mich nicht nach Plan laufen, denke ich nicht daran, wie viel Pech ich hatte. Ich versuche immer, das Glas als halb voll anzusehen."

Den ersten Schlagabtausch zwischen Hamilton und Rosberg konnte jedenfalls der Brite für sich entscheiden. Der WM-Spitzenreiter ist im Training zur Tagesbestzeit gefahren. Der Brite war am Freitag auf dem Yas Marina Circuit 0,083 Sekunden schneller als sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg und setzte damit ein Zeichen für den Titel-Zweikampf am Sonntag.

Mercedes hält sich zurück

Die Mercedes-Spitze will in den finalen Schlagabtausch nicht mehr eingreifen. "Wir lassen ihnen weitestgehend freie Hand. Beide sind gute Jungs, keiner von beiden ist hinterhältig", sagte Motorsportchef Toto Wolff. Das lässt sich leicht sagen. Der Titel sowohl in der Konstrukteurs- als auch in der Fahrerwertung ist längst gewiss. Wolff: "Es ist ein großer Luxus, in dem wir uns befinden. Das wird es nicht alle Jahre geben."

Die Formel-1-Fans werden sich nicht alle Jahre eine Saison wie diese wünschen. An Spannung war sie überbietbar. Vettel gibt sich quasi als Sprachrohr: "Mercedes hat es ziemlich langweilig gemacht in diesem Jahr." Es gab Zeiten, da sorgte Red Bull für die Langeweile. Aber für Vettel brechen neue Zeiten an. Im kommenden Jahr. Die Farbe Rot wird eine Rolle spielen. Die Farbe dieser Saison war Silber. Und welcher der beiden Mercedes-Piloten soll dem künftigen Ex-Red-Bull-Fahrer nun nachfolgen? "Beide wären würdige Weltmeister." (rie, APA, DER STANDARD, 22./23.11.2014)

Ergebnisse vom freien Freitag-Training der Formel 1 für den Grand Prix von Abu Dhabi:

1. Training: 1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:43,476 Min. - 2. Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:43,609 - 3. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:45,184 - 4. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:45,334 - 5. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 1:45,341 - 6. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 1:45,718 - 7. Daniil Kwjat (RUS) Toro Rosso 1:45,835 - 8. Valtteri Bottas (FIN) Williams 1:45,913

2. Training: 1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:42,113 Min. - 2. Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:42,121 - 3. Kevin Magnussen (DEN) McLaren Mercedes 1:42,895 - 4. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:42,959 - 5. Valtteri Bottas (FIN) Williams 1:43,070 - 6. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 1:43,183 - 7. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 1:43,489 - 8. Jenson Button (GBR) McLaren Mercedes 1:43,503 - 9. Daniil Kwjat (RUS) Toro Rosso 1:43,546 - 10. Felipe Massa (BRA) Williams 1:43,558. Weiter: 14. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 1:44,157

  • Es glitzert in Abu Dhabi.
    foto: apa/ap/bruno

    Es glitzert in Abu Dhabi.

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