Lehrling oder Maturant: Wer verdient besser?

23. November 2014, 15:33
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Die Lehrlingsentschädigung ist je nach Beruf und Branche ganz unterschiedlich geregelt. Bei der Bezahlung der technischen Facharbeiter spiegelt sich auch die hohe Nachfrage der Wirtschaft wider

Ein Lehrabschluss bildet in vielen Fällen die Chance zu einem attraktiven Karrierestart. In den ersten Berufsjahren liegen die Gehälter mancher Lehrberufe sogar höher als die von einigen Akademikern in der selben Altersgruppe, insbesondere im Vergleich zwischen Mitarbeitern mit einem technischen Lehrabschluss und Absolventen sozialwissenschaftlicher Studien. Die höheren Gehälter von Technikern sind klarer Ausdruck einer hohen Nachfrage der Unternehmen.

Für die weitere Karriere haben Mitarbeiter mit höherer Bildung allerdings meist bessere Berufschancen. Spätestens ab einer Altersgruppe Mitte / Ende 20 ist die Matura für das berufliche Vorankommen extrem wichtig. Jene Personen, die eine Lehrausbildung abgeschlossen haben, steigen zwar ähnlich gut wie Maturanten ins Berufsleben ein, haben aber nach fünf bis zehn Berufsjahren deutlich weniger Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung, wenn sie nicht die Matura nachholen. Insofern ist wichtig, dass mit dem Abschluss der Lehre nicht das Lernen aufhört.

Akademiker bevorzugt

Besonders in großen Unternehmen werden für Führungspositionen nach wie vor Akademiker bevorzugt. Ein abgeschlossenes Studium ist in vielen Fällen die formale Grundvoraussetzung, um die Chance auf eine absolute Topposition zu haben. Nicht-Akademiker müssen meist ein Vielfaches der Leistung bringen, um die geringere Ausbildung durch praktische Erfahrung wettzumachen.

Dabei ist in den meisten Fällen nicht relevant, welche Ausbildung ein Mitarbeiter vor dem Studium absolviert hat. Es ist eher eine Frage der persönlichen Neigung, ob ein Mitarbeiter zunächst eine Lehrausbildung absolviert oder eine HTL, HAK oder AHS besucht hat.

Die Lehre als Start

Eine bestimmte Ausbildung garantiert keine erfolgreiche Karriere, aber sie erleichtert den Berufseinstieg in einer bestimmten Position. Qualifizierte Lehrlinge, die ihre berufliche Leistung erbringen und sich persönlich gut ins Team einfügen, haben es deutlich einfacher, ins Berufsleben einzusteigen, als AHS-Maturanten, deren Ausbildung in der Regel nur die Vorbereitung für ein Studium ist.

Eine Lehre bietet alle beruflichen Chancen, solange sie als Start für eine erfolgreiche Karriere gesehen wird und nicht als Abschluss. (Conrad Pramböck, derStandard.at, 22.11.2014)

Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen. Er leitet bei der Personalberatung Pedersen & Partners den Geschäftsbereich Compensation Consulting.

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