Cellulite und Akne für das Weihnachtsgeschäft

21. November 2014, 16:16
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Wozu Cellulite-Aufkleber für Puppen, wird Familienpolitik der Vielfalt von Familien gerecht, und wie mit dem Slogan "Männer raus!" gegen Rassismus?

Kriminell: Die Schweizerische Volkspartei (SVP) forderte im Februar die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, "Gegen Masseneinwanderung" ein Kreuzerl zu machen. 50,3 Prozent stimmen der Volksinitiative zu. Nun meldete sich eine Schweizer Gegeninitiative zu Wort: "Was uns die SVP und die anderen rassistischen Parteien und Personen verschweigen: Nicht Ausländer sind überdurchschnittlich kriminell, sondern Männer!" Deshalb fordert die von Basler Kulturschaffenden gestartete Initiative: "Männer raus!" Denn: Der SVP sei es nie um sicherheitspolitische Fragen gegangen, sondern schlichtweg um Rassismus. Die Initiative will unter anderem die Mechanismen der Skandalisierung rechtspopulistischer Parteien aufzeigen, auf die gewalttätige Rolle von Männern in der Gesellschaft aufmerksam machen (sexuelle Nötigungen und schwere Gewalttaten werden laut schweizerischer Gewaltstatistik zu mehr als 90 Prozent von Männern begangen) und auch eine Debatte über "Sinn und Unsinn und vor allem Rechtsstaatlichkeit einiger Initiativen auslösen".

Der Cellulite-Aufkleber: Der Künstler Nickolay Lamm bietet eine etwas andere Barbie zum Kauf an. Eine, die weniger dürr, langbeinig und vollbusig ist, die Lammily Doll. Ihre Statur hat er dem durchschnittlichen Körper einer 19-jährigen US-Amerikanerin nachempfunden. Nun gibt es für die Puppen ein Extra zu kaufen: Mit Aufklebern können den Puppen jetzt auch Akne, Dehnungsstreifen und Cellulite verpasst werden. Weil all das völlig normal sei und bei praktisch jeder Frau und jedem Mädchen vorkomme, wäre es laut "Huffington Post" nur logisch, jungen Mädchen durch Spielzeug zu vermitteln, dass das die Normalität ist – und nicht die Haut und die Statur der Original-Barbie.

lammily

Familienpolitik und Vielfalt: Familie heißt nur manchmal Vater, Mutter, Kind. "Die Familiendefinitionen variieren je nach historischer Epoche und sozialer Schicht, Region und Kultur", heißt es in einem Beitrag auf "Fuckermothers", wo diese Woche der lesenswerte Beitrag "Zum Wert von Familien: Familienpolitik und Elterngeld" erschienen ist. Zwar bezieht sich der Artikel auf die Familienpolitik in Deutschland, er stellt aber grundsätzliche Fragen, die auch für österreichische LeserInnen interessant sind. Die Autorin befasst sich unter anderem mit dem System des einkommensabhängigen Erziehungsgeldes, das das einkommensunabhängige 2007 in Deutschland abgelöst hat. Welche Effekte hat es etwa, wenn dadurch vor allem Familien profitieren, in denen mindestens ein Elternteil gut verdient? Was bedeutet dieser familienpolitische Fokus für Geringverdienende, Erwerbslose, MigrantInnen oder Alleinerziehende? "Dass Menschen mit geringerem Lohn durch die Sorge für Kinder weiterhin einem massiven Armutsrisiko ausgesetzt sind", schreibt die Autorin. Außerdem würde die "Abhängigkeit des Elterngeldes vom Einkommen dazu führen, dass Familienarbeit keinen Wert an sich bildet, sondern sich ihr Wert maßgeblich von der bezahlten Lohnarbeit herleitet". (red, dieStandard.at, 21.11.2014)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • Nicht ganz so Modell-mäßig wie ihre perfekte Schwester: die Lammily Doll.
    foto: screenshot youtube

    Nicht ganz so Modell-mäßig wie ihre perfekte Schwester: die Lammily Doll.

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