Helene Metz: Der bittere Sendeschluss für eine 90-Jährige

Kopf des Tages20. November 2014, 19:48
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Die deutsche TV-Geräteherstellerin ist insolvent

Die Folgen zweier Weltkriege, persönliche Krisen und Schicksalsschläge - wer 90 Jahre alt ist, hat viel erlebt und gelernt, den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. Dennoch dürften diese Tage jetzt zu den bittersten für Helene Metz gehören. Ihr Traditionsunternehmen aus dem fränkischen Zirndorf, einer der letzten TV-Hersteller Deutschlands, ist insolvent.

Jahrzehntelang wurde der Name Metz nicht nur mit Fernsehern verbunden, sondern auch mit Helene Metz, der eleganten weißhaarigen Dame, die mit 90 Jahren noch regelmäßig in ihr Büro gegangen ist. Das Geschäft war ihr Leben.

1940 kommt die geborene Helene Metzner erstmals zur Ferialarbeit in die Metz-Werke. Ein Jahr später, nach Abschluss der Handelsschule, wird sie angestellt, ist fortan für die Buchhaltung zuständig. Noch Jahrzehnte später sagt sie: "In allen Firmen, wo Frauen die Buchhaltung führen, sind die Finanzen in Ordnung."

Im Betrieb lernt die junge Frau auch Paul Metz kennen, der das Unternehmen 1938 gegründet hatte. Die beiden heiraten 1967. Es ist das Jahr, das auch für die Firma große Bedeutung hat: Metz steigt in die Produktion von Farbfernsehern ein.

Die Ehe der beiden bleibt kinderlos, alle Kraft steckt im Unternehmen. Als Paul Metz 1993 stirbt, ist für seine Frau klar, dass sie mit 69 Jahren die Geschäftsführung übernimmt. "Ich habe an unsere Mitarbeiter und an die treuen Kunden gedacht und das auch meinem Mann zuliebe getan" , sagt sie.

Die Zeiten werden härter, Billiggeräte aus Fernost machen auch Metz mit seinen 700 Mitarbeitern zu schaffen. Doch die Chefin hält an ihrer Strategie fest: Metz erzeugt Premiumgeräte, meidet Geiz-ist-geil-Elektronikmärkte und setzt weiterhin auf den Fachhandel. Betagten Kunden wird von Metz persönlich zum Geburtstag gratuliert.

"Metz mächad i ah" (Metz hätte ich auch gern) lautet der kultige fränkische Werbespruch. Derweil sieht Helene Metz einen deutschen Elektronikanbieter nach dem anderen pleitegehen oder verkaufen: Loewe, Grundig, Normende, Telefunken, Saba.

Sie macht weiter bis ins hohe Alter. Erst mit 86 Jahren zieht sie sich aus der Geschäftsführung zurück, bleibt aber weiterhin Alleingesellschafterin und Vorsitzende des Beirats. Ins Büro fährt Metz bis zuletzt, es ist für sie "wie ein zweites Zuhause". Und sie berichtet von viel Zuspruch: "Jetzt sagen alle: Sie dürfen nicht gehen. Immer noch besser, als wenn sie sagen: Was will denn die noch da?" (Birgit Baumann, DER STANDARD, 21.11.2014)

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