Neuer Weltbild-Eigentümer will zur Sanierung Stellen abbauen

20. November 2014, 16:51
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Laut Medienbericht werden nur ein Bruchteil der 2.500 Mitarbeiter Job behalten

Düsseldorf - Die Mitarbeiter beim deutschen Buchhandels- und Verlagsunternehmen Weltbild müssen um ihre Jobs bangen. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung des Geschäfts setzt der neue Eigentümer Droege International die Restrukturierung der angeschlagenen Buchhandelskette fort.

"Die Geschäftsführung bedauert, dass in diesem Zusammenhang personelle Anpassungen notwendig sind", sagte eine Droege-Sprecherin am Donnerstag. Diese sollten so "sozialverträglich wie möglich gestaltet werden". Eine konkrete Zahl der betroffenen Stellen könne derzeit nicht genannt werden. Die Geschäftsführung wolle sich mit den Arbeitnehmervertretern zügig über einen Interessenausgleich und Sozialplan einigen.

Niedrigere Erlöse

Das "manager magazin" berichtete vorab, von den zurzeit rund 2.500 Mitarbeitern würden nur ein Bruchteil den Job behalten. Am Ende könnte lediglich das Onlinegeschäft der Buchhandelskette übrig bleiben. Das Kataloggeschäft und der Verkauf über Filialen seien dagegen gefährdet. Grund für die harten Einschnitte seien offenbar starke Abweichungen des Umsatzes gegenüber den Zahlen, die Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz beim Verkauf prognostiziert hatte. Im laufenden Geschäftsjahr würden die Erlöse um mindestens ein Fünftel niedriger ausfallen als in der vergangenen Periode, hieß es in dem Bericht.

Zu den Umsatzzahlen nahm Droege keine Stellung. Die Sprecherin erklärte aber, dass Weltbild am Multi-Kanal-Geschäftsmodell festhalten wolle. "Die Vertriebswege Online-, Filial- und Kataloggeschäft sowie Social Media sind und bleiben wichtig und sollen eng verzahnt werden." Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte, abweichend von dem erstellten Konzept seien nach der Übergabe des operativen Geschäfts während der Sommermonate Marketing-Maßnahmen nicht umgesetzt worden. Deshalb liege der Umsatz unter den geplanten Zielen. Die strategische Führung liege nun beim Mehrheitsgesellschafter Droege, die operative Führung beim Weltbild-Management, das derzeit mit Droege ein eigenes Konzept erstelle.

Optimismus gedämpft

Geiwitz hatte im Sommer dem Düsseldorfer Familienunternehmen den Zuschlag für Weltbild gegeben. Geiwitz, der selbst für die Gläubiger 40 Prozent am Unternehmen hält, wollte Weltbild in Deutschland als Rivalen des US-Versandhändlers Amazon profilieren und erwartete eine baldige Rückkehr in die schwarzen Zahlen. "Wir planen einen marginalen Verlust fürs nächste Geschäftsjahr. Vielleicht gelingt es uns auch, das komplett zu drehen", hatte er angekündigt.

Die katholische Kirche hatte ihrem defizitären Buchkonzern Anfang des Jahres den Geldhahn zugedreht. Weltbild war im Besitz der deutschen Bistümer zu einer der Branchengrößen aufgestiegen. Doch die Augsburger mussten nach jahrelangen Verlusten einräumen, das Tempo des digitalen Wandels in der Branche unterschätzt zu haben. (APA, 21.11.2014)

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