Vor der Hofburg stellen sich die Kandidaten an

20. November 2014, 17:14
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Die Grünen haben einen Wunschkandidaten, die SPÖ hat einen logischen Kandidaten, die ÖVP hat die Qual der Wahl: 2016 wird ein neuer Bundespräsident gewählt, Interessenten gibt es offenbar genug. Die Parteien wärmen schon auf

Wien - Innerhalb der SPÖ läuft alles auf eine Präsidentschaftskandidatur von Rudolf Hundstorfer, derzeit Sozialminister, hinaus. Doris Bures, derzeit Erste Nationalratspräsidentin, hat bereits abgewunken, sie stehe für einen Wahlkampf nicht zur Verfügung. Hundstorfer hingegen habe seinerseits signalisiert, dass ihn diese Aufgabe jedenfalls interessiere. Und die Kondition für einen Wahlkampf und die Konstitution für die Amtsführung in der Hofburg habe der 63-Jährige auch - davon sind von Kanzler und Parteichef Werner Faymann abwärts alle in der Partei überzeugt, nicht zuletzt der Sozialminister selbst, der gar nicht an Pension denkt.

2016 wird ein Nachfolger - oder eine Nachfolgerin - von Heinz Fischer gewählt werden. Die SPÖ steht bereit. Offiziell heißt es, dass der Sozialminister sein Amt derzeit mit großem Interesse ausübe, inoffiziell heißt es längst: "Rudi for President".

Spröde, aber zuverlässig

In der ÖVP ist noch nicht alles klar. Da gebe es theoretisch mehrere Kandidaten, allen ist gemeinsam, dass sie sich auch schon selbst einmal ins Spiel gebracht haben: Christoph Leitl, Othmar Karas und Erwin Pröll.

Pröll dementiert hartnäckig, ebenso hartnäckig halten sich aber die Gerüchte, dass der niederösterreichische Landeshauptmann doch einen Wechsel in die Hofburg anstrebt - als Krönung seiner politischen Karriere. Pröll traut sich jedenfalls den Wahlkampf wie das Amt selbst zu und sähe das als Herausforderung, die er bewältigen würde. Zuletzt ist der Landeschef allerdings etwas leisergetreten.

Karas hat nach seinen Erfolgen bei den EU-Wahlen ohnedies ein sehr ausgeprägtes Ego, er hat in der Partei selbst zwar nicht so viele Fans, aber er überzeugt durch sachliche Arbeit und fachliche Kompetenz. Als Typ ist er etwas spröde, im EU-Wahlkampf zeigte er immense Einsatzbereitschaft. Sein Manko: Er gilt in der ÖVP als nicht sehr zuverlässig, was die Parteidisziplin anbelangt.

Reinkeppeln

Gleiches gilt auch für Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der sich durch sein ständiges Reinkeppeln von der Seite bei der Parteiführung nicht beliebt gemacht hat. Seine Kandidatur wäre allerdings auch eine elegante Möglichkeit, ihn aus der Tagespolitik zu nehmen. Leitl selbst scheint jedenfalls von keinerlei Selbstzweifel angekränkelt zu sein, er traut sich zu, Bundespräsident zu werden. Das Rennen in der ÖVP ist allerdings noch offen, vielleicht gelingt es der Partei ja auch, eine Frau aufzustellen, das wäre in dieser Runde jedenfalls ein Alleinstellungsmerkmal.

In der FPÖ zeigt man sich überrascht über Fragen zu einer möglichen Präsidentschaftskandidatur. Im Büro von Parteichef Heinz-Christian Strache heißt es dazu, man werde sich "zur gegebenen Zeit damit beschäftigen". Dementsprechend will sich auch niemand auf Spekulationen über einen Kandidaten einlassen. Eine Option wäre Peter Fichtenbauer, der auch schon einmal als Dritter Nationalratspräsident gehandelt worden war. Damals kam es anders: Seit Juli 2013 ist Fichtenbauer als Volksanwalt tätig.

Spiel auf Zeit

Die Grünen haben vergleichsweise einen Startvorteil: Sie müssen keinen Kandidaten suchen. Mit Alexander Van der Bellen kommt nämlich nur einer infrage. Der Haken: Der frühere Grünen-Bundessprecher muss erst überredet werden. "Die Wähler erwarten, dass wir antreten", hatte Grünen-Chefin Eva Glawischnig schon klargemacht. Van der Bellen selbst gibt sich bedeckt - und hält an seiner Botschaft fest: Es gibt einen amtierenden Präsidenten, und es sei noch genügend Zeit für eine Entscheidung.

In den sozialen Medien wurde bereits 2010 mit der Überzeugungsarbeit begonnen. Damals twitterte @franzjosef von der Kabarettistengruppe Gebrüder Moped den Hashtag #vdb2016. Auf Facebook wurde im November 2014 eine Facebook-Gruppe gegründet, in der Van der Bellen angefleht wird (" Sascha, bitte sag ja!"), für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren. 2158 unterstützen derzeit die Seite - das ist noch ausbaufähig. Mit dieser Facebook-Gruppe habe Van der Bellen selbst aber nichts zu tun, versichert sein Sprecher.

Dann gibt es natürlich noch den krassen Außenseiter, den Zählkandidaten. Bei der Wahl 2010 war das Rudolf Gehring von den Christen. Er bekam damals 5,5 Prozent. Ob er wieder antritt? "Das wissen wir noch nicht", sagt Gehring. Für die Christen ist der Termin noch "zu weit weg". (burg, pm, völ, DER STANDARD, 21.11.2014)

  • Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) soll intern bereits sein Interesse bekundet haben.
    foto: apa/schlager

    Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) soll intern bereits sein Interesse bekundet haben.

  • Der einzige Fixstarter - wenn der Grüne nur endlich Ja sagen würde. Noch hat Alexander Van der Bellen Zeit, sich zu zieren.
    foto: newald

    Der einzige Fixstarter - wenn der Grüne nur endlich Ja sagen würde. Noch hat Alexander Van der Bellen Zeit, sich zu zieren.

  • Er dementiert, die Gerüchte bleiben: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll wäre ein möglicher VP-Kandidat.
    foto: fischer

    Er dementiert, die Gerüchte bleiben: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll wäre ein möglicher VP-Kandidat.

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