Erfolg von Fastenkuren nun auch wissenschaftlich bestätigt

20. November 2014, 14:15
93 Postings

Diversität der Darmflora erhöht - Zunahme von antientzündlichen und Darmwandbarriere-fördernden Bakteriengruppen

Wien - Dass Fasten gesund sein soll, wird immer wieder propagiert. Doch jetzt wurde der positive Effekt auch wissenschaftlich bewiesen. Fast 40 Probanden fasteten im Dienste der Wissenschaft. Das Ergebnis: Neben allgemeinem Wohlbefinden konnte sich auch die Darmflora erholen, wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt gegeben.

Ernährungsgewohnheiten, Lebensstil, Medikamente und Lebensmittelzusatzstoffe führen oft zu Darmproblemen und zur Beeinflussung der Mikrobiota, der Darmflora. Die Wissenschafter des Instituts für Ernährungswissenschaft an der Universität Wien wussten im Vorfeld der Studie, dass eine gestörte Mikrobiota nur schwer zu beeinflussen ist. Man hatte Sorge, dass durch das Fasten auch gute Darmbakterien zerstört werden können, erklärte Alexander Haslberger von der Universität.

Daraufhin hat man 50 Probanden im Fastenzentrum Pernegg eine Woche lang Fasten lassen, einer mehrfachen Colon Hydro-Therapie (Darmspülung zur Lösung alter Verschlackungen mit warmem Wasser, Anm.) unterzogen sowie weitere drei Monate Probiotika zugeführt. Vor, während und nach der Kur wurden Proben gezogen. "Die Resultate sind erfreulich", sagte Haslberger.

Anstieg von Darmproblemen

Im Verlauf der Studienperiode zeigte sich ein signifikanter Anstieg der bakteriellen Diversität. So stieg u.a. der Mikroorganismus Faecalibacterium prausnitzii - einer der wichtigsten Buttersäureproduzenten im menschlichen Darm - ebenso an wie die wichtigen Akkermansia und Bifidobakterien. Somit gab es eine Zunahme von anti-entzündlichen und Darmwandbarriere-fördernde Bakteriengruppen. Die zusätzliche probiotische Intervention nach der Fastenphase steigerte diesen Effekt auch noch.

Ähnliche Ergebnisse konnten mit einer Buchinger-Fastenkur erzielt werden, die an acht Probanden wissenschaftlich getestet wurde. "Das ist ein guter Ausgangspunkt, der eine sinnvolle Ernährungsberatung zur Folge haben sollte", meinte Haslberger, der bedauerte, dass es zu diesem Thema noch zu wenige Untersuchungen gibt. Die Industriekost, der Stress und der schlechte Lebensstil hätten in den vergangenen Jahren zu einem Ansteigen von Darmproblemen, Reizdarm und Lebensmittelintoleranzen geführt, sagte auch Ernährungswissenschafterin Claudia Nichterl. Natürliche Lebensmittel und das regelmäßige Kochen würde immer weniger werden. "Es ist bedauerlich, dass dieses Wissen abhandengekommen ist", so Nichterl, die bei der Studie mitgewirkt hat. (APA, derStandard.at, 20.11.2014)

  • Ernährungsgewohnheiten, Lebensstil, Medikamente und Lebensmittelzusatzstoffe führen oft zu Darmproblemen.
    foto: ap/frank augstein

    Ernährungsgewohnheiten, Lebensstil, Medikamente und Lebensmittelzusatzstoffe führen oft zu Darmproblemen.

Share if you care.