Viele deutsche Versorger senken Strompreise

20. November 2014, 11:17
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Zum ersten Mal seit 14 Jahren sinken die Strompreise, Familienhaushalte können damit 35 Euro im Jahr sparen

Berlin/Düsseldorf - Nach 14 Jahren mit im Schnitt regelmäßig steigenden Stromrechnungen senken viele deutsche Stromversorger Anfang 2015 erstmals wieder die Preise.

"Eine Trendwende", jubelt die Verbraucherzentrale NRW, gießt aber gleichzeitig viel Wasser in den Wein: Die Mehrzahl der Stromversorger sei noch abgetaucht und gebe ihre eigenen deutlich gesunkenen Einkaufskosten nicht an die Verbraucher weiter.

"Preissenkungen kommen zu spät"

Nach Angaben des Preisvergleichsportals Verivox haben 205 Unternehmen zum Jahresbeginn Preissenkungen im Schnitt um 2,4 Prozent angekündigt (Stand 19.11.), Konkurrent Check 24 hat 179 Preissenkungen (Stand 20.11.) im selben Umfang erfasst - darunter große Versorger wie die Stadtwerke München, Mainova (Frankfurt/Main) oder der ostdeutsche Großversorger EnviaM. Der Verbraucherstrompreis liegt aktuell im Bundesschnitt bei knapp über 29 Cent pro Kilowattstunde. 30 bis 35 Euro im Jahr kann ein vierköpfiger Durchschnittshaushalt im Grundversorgungstarif nach Angaben der Tarifportale sparen.

"So eine große Anzahl von Preissenkungen hatten wir noch nie", sagt eine Check24-Sprecherin. "Trotzdem kommen sie zu spät und fallen im Schnitt zu gering aus, finanzielle Spielräume der Versorger werden anscheinend nicht vollständig an den Verbraucher weitergegeben."

Große Anbieter halten sich zurück

Mit rund 200 der insgesamt 850 Grundversorger gibt nämlich bisher gerade mal ein Viertel der Branche Preissenkungen von der Strombörse an die Verbraucher weiter. Außerdem halten sich die Marktführer E.ON und RWE genauso zurück wie Vattenfall. Von den "Großen Vier" der Branche beteiligt sich damit bisher nur EnBW am Preissenkungsreigen - und das mit bescheidenen 1,4 Prozent. Die drei anderen winken erst mal ab.

"Wir rechnen noch", sagt ein RWE-Sprecher auf Nachfrage. "E.ON hält den Strompreis stabil", sagt eine E.ON-Sprecherin. "Ist noch nicht entschieden", heißt es bei Vattenfall. Preisveränderungen müssen den Kunden sechs Wochen vor Inkrafttreten - für Anfang 2015 also bis zum 20. November - mitgeteilt werden.

Schwaches Geschäft

Hintergrund für die Zurückhaltung der Stromkonzerne ist aus Sicht von Marktbeobachtern das derzeit schwache Geschäft: Viele Unternehmen verdienen mit der Stromerzeugung kaum noch Geld. E.ON und RWE mussten beispielsweise vergangene Woche bei ihren Quartals-Pressekonferenzen massive Gewinnrückgänge verkünden. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer fordert trotzdem, dass endlich auch die privaten Verbraucher von den gesunkenen Börsenstrompreisen profitieren müssten. Wirtschaftsminister Gabriel müsse das durchsetzen. Das Energierecht biete dafür genügend Handlungsmöglichkeit.

Der Branchenverband BDEW wehrt sich gegen Kritik. Die niedrigere EEG-Umlage bringe nur einen geringen Entlastungseffekt, erklärte ein Sprecher. Zugleich erfordere der Ausbau der Netze in vielen Regionen höhere Netzentgelte, die ebenfalls auf den Endpreis aufgeschlagen werden.

Die eigene Reaktion haben die Verbraucher in der Hand: Sie können den Anbieter wechseln. Vor allem das Verlassen der oft relativ teuren Grundversorgungstarife kann Einsparungen von mehreren hundert Euro im Jahr bringen: "Anbieterwechsel spart bis zu 10 Mal mehr als sinkende Strompreise", heißt es in einer Erklärung des Vergleichsportals "Toptarif". (APA, 20.11.2014)

  • Erfreuliche Vorweihnachtspost für viele Stromkunden in Deutschland.
    foto: ap/patrick pleul

    Erfreuliche Vorweihnachtspost für viele Stromkunden in Deutschland.

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