Rochade bei Ferrari: Alonso weg, Vettel da

20. November 2014, 17:12
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Das schlecht gehütete Geheimnis der Formel 1 wurde gelüftet. Sebastian Vettel hat bei Ferrari für drei Jahre unterschrieben. Er soll 75 Millionen Euro kassieren

Abu Dhabi - Den ersten Blick auf Michael Schumacher in einem Ferrari erhaschte Sebastian Vettel noch auf den Schultern von Papa Norbert. Knapp 20 Jahre später erfüllt sich der Heppenheimer seinen Kindheitstraum und tritt bei der Scuderia in die Fußstapfen des Rekordweltmeisters. "Damit wird ein Lebenstraum wahr", sagte Vettel: "Als ich ein Kind war, war Michael Schumacher in seinem roten Auto mein größtes Idol. Jetzt ist es eine unglaubliche Ehre, endlich die Chance zu haben, einen Ferrari zu fahren."

Es sei die richtige Zeit gewesen, sagte Vettel, auch wenn ihm die Entscheidung schwergefallen sei, "schließlich gehöre ich zur Red-Bull-Familie, seit ich zwölf bin". In der Aufgabe bei Ferrari, dem "größten Team, für das man fahren kann", will Vettel sein ganzes Herz hineinlegen. "Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal in dieses Auto zu steigen. Es wird etwas ganz Besonderes sein", sagte Vettel am Donnerstag in Abu Dhabi: "Ferrari hat eine magische Strahlkraft."

Ersetzen

Vettel ersetzt seinen Langzeit-Rivalen Fernando Alonso aus Spanien. Das bestätigten die Italiener am Donnerstag (endlich) offiziell. Die Überraschung war begrenzt, es war inoffiziell längst bekannt, ein schlecht gehütetes Geheimnis. Vettel hatte bereits Anfang Oktober seinen Abschied von Red Bull angekündigt. Der 27-Jährige unterschrieb bei den Italienern einen Dreijahresvertrag.

Dem Vernehmen nach soll der viermalige Weltmeister pro Saison rund 25 Millionen Euro verdienen. Sein Teamkollege wird der Finne Kimi Räikkönen. Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci setzt große Hoffnungen in Vettel. "Mit Sebastian teilen wir den Hunger nach Erfolg und auch den Enthusiasmus sowie eine starke Arbeitsmoral und Zähigkeit", sagte der Italiener: "Schlüsselelemente für alle Mitarbeiter, um ein neues Kapitel in der Geschichte zu schreiben."

Weniger optimistisch war die erste Reaktion der italienischen Presse. "Vettel ist zwar nicht der beste Pilot der Formel 1, doch nachdem die Beziehung zu Alonso in die Brüche gegangen ist, ist Vettel für Ferrari das einzige wahre As, das in der Formel 1 frei war", schrieb die Gazzetta dello Sport.

Alonso schaffte in fünf Jahren elf Siege, der 33-Jährige wird bei McLaren landen, die letzten Details werden oder sind bereits ausverhandelt. Der Abschied sei eine "harte, aber sorgfältig durchdachte Entscheidung" gewesen.

Aufbauarbeit

Dass es nicht einfach wird, das taumelnde Traditionsteam wieder auf Siegkurs zu bringen, weiß auch Vettel. Ähnlich wie einst Schumacher wird er jede Menge Aufbauarbeit leisten müssen, damit die zweite deutsch-italienische Traumehe so erfolgreich wird wie ihre Erstauflage. Schumacher war zur Saison 1996 nach zwei WM-Titeln mit Benetton zu Ferrari gewechselt, holte mit seiner "Roten Göttin" ab 2000 fünf Weltmeisterschaften in Serie.

Seitdem hat die Scuderia ihren Ruf reichlich ramponiert und fährt seit Jahren den eigenen hohen Ansprüchen hinterher. Auch Alonso konnte dem Team nicht den ersehnten ersten Fahrertitel nach dem Triumph von Räikkönen 2007 bescheren. Die Experten sind skeptisch, ob sich der Erfolg mit Vettel sofort einstellen wird. "Vettel muss in dieses unorganisierte Team hineintreten, diesen Haufen wieder aufrichten und zurück auf die Siegerstraße führen. Wenn ein neuer Besen kommt, kehrt der immer besser", sagte Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda. "Jetzt ist Sebastians deutsche Gründlichkeit gefragt. In Maranello fliegen im Moment nur die Spaghetti durch die Luft."

Im Mythos

Das rote Auto ist trotzdem der letzte Mythos der Formel 1. Und damit ist auch Vettels Ziel klar: Er will mit Ferrari zur Legende werden. Der in dieser Saison entzauberte Vorzeigefahrer wurde mit Red Bull zwar viermal Weltmeister, doch die ganz große Anerkennung blieb Vettel verwehrt. Zu sehr haftete dem Rennstall das Image des neureichen Teams an, das sich seine Siege erkaufte. Vettel dominiere nur, weil er über Jahre das beste Auto zur Verfügung hatte, hieß es häufig.

Am Sonntag wird beim Finale in Abu Dhabi geklärt, welcher Mercedes-Pilot Weltmeister wird. Lewis Hamilton hat 17 Punkte Vorsprung auf Nico Rosberg. Da von einem Mercedes-Doppelsieg prinzipiell auszugehen ist, reicht dem Briten der zweite Platz hinter dem Deutschen. Im letzten Rennen werden doppelte Punkte vergeben, 50 für den Sieg, 36 für Platz zwei. (sid/red, DER STANDARD, 21.11.2014)

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Ferrari

  • Der eine, rechts, geht. Der andere, links, kommt zu Ferrari.
    foto: epa/srdjan suki

    Der eine, rechts, geht. Der andere, links, kommt zu Ferrari.

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